Frustration, Neid, Unzufriedenheit. Mit solchen Gefühlen sitzt jeder dritte Facebook-Nutzer vor dem Bildschirm. Bilder von Urlaubsreisen, Partys und Liebschaften der anderen lösen negative Gefühle aus und setzen nicht selten eine „Neidspirale“ in Gang: Eigene Fotos werden gepostet, die dann wiederum die anderen Nutzer gelb vor Neid werden lassen.
Das berichten Wirtschaftsinformatiker der Humboldt-Universität Berlin und der TU Darmstadt. Wie ihre Umfrage unter 600 Facebook-Nutzern ergab, spielte sich ein Fünftel aller Ereignisse, die in letzter Zeit Neid bei den Befragten hervorriefen, auf Facebook ab.
Besonders anfällig seien Nutzer, die Profile von Freunden durchklickten, aber selbst kaum Fotos oder Nachrichten posteten. Bei ihnen senke der Frust zugleich die allgemeine Lebenszufriedenheit, sagen die Forscher. Weltweit seien sehr viele Menschen davon betroffen.
Eine globale Neid-Pandemie, ausgelöst durch Facebook? Ehe man mit in dieses Horn stößt, sollte man festhalten: Je aktiver jemand das Netzwerk nutzt, desto weniger ist er offenbar von Neidgefühlen geplagt. Die Gegenstrategie für Neidgeplagte könnte also lauten: Jetzt wird zurückgepostet! Oder: Ich lass das mit Facebook ganz. Wofür sich aber nur wenige entscheiden.
Halb Deutschland ist Mitglied in sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing oder Google+, wie eine Forsa-Studie ergab. Aber weiß dort auch jeder, wie er sich richtig verhält? Der Deutsche Knigge-Rat glaubt: nein. Und gibt deshalb sieben konkrete Empfehlungen.
Quelle: Internetseite des Deutschen Knigge-Rats: http://www.knigge-rat.de
Foto: dpaKein Wunder. Denn der negativen Gefühlsstudie der deutschen Forscher könnte man eine positive Studie von 2012 entgegenstellen. Facebook wirke auf viele ähnlich befriedigend wie Sex und gutes Essen, fanden Forscher der amerikanischen Harvard University heraus. Ein Eintrag bei Facebook spreche dieselben Hirnregionen an. Der Grund dafür sei, dass Facebook den Menschen die Möglichkeit gebe, zu jeder Zeit ihre Erlebnisse und Meinungen zu einem Thema preiszugeben. Facebook befriedige damit ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Ob dies aber wirklich Sex ersetzen kann, dazu sagten die Forscher nichts.
Eins kann man den Studien auf alle Fälle entnehmen: Facebook lässt kaum jemanden kalt, der einmal drin ist. Welche Gefühle man dabei hat, hängt zum großen Teil von einem selbst ab. Auch, welche Gefühle man auslöst.
In allen gesellschaftlichen Gruppen gelten im Grund dieselben Gesetze: Aufschneider wirken unsympathisch, Mauerblümchen stehen am Rande. So auch bei Facebook. So ließ die Michigan State University mehr als 130 Studenten anhand von Facebook-Profilen entscheiden, wen sie am attraktivsten fanden. Die Anzahl der Facebook-Freunde hatte einen erheblichen Einfluss darauf. Besonders anziehend waren Nutzer mit etwa 300 Kontakten. Die Attraktivität war umso schwächer, je mehr die Zahl nach oben oder unten abwich.
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