Mitte Januar hat Facebook eine neue Suchfunktion, die „Graph Search“ vorgestellt. Sie soll Facebook-Nutzern helfen, ihr eigenes Netzwerk besser zu durchsuchen – Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sprach bei der Vorstellung von Suchabfragen wie „Freunde, die in meiner Nähe leben und Tennis mögen“. Facebook sei eine große soziale Datenbank, so Zuckerberg. „Wie bei jeder Datenbank sollte es möglich sein, sie zu durchsuchen.“
Wie es bei neuen Produktvorstellungen von Facebook die Regel ist, wurden die skeptischen Stimmen bereits kurz nach der Vorstellung laut. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Privatsphäreneinstellungen zu überprüfen“, schrieb Sharon Vaknin auf cnet.com.
Und auch in Deutschland wurden wieder warnende Stimmen laut. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holsteins kritisiert die neue Suchfunktion massiv: Die erweiterte Suche führe dazu, dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden. Er finde das „überhaupt nicht toll“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen“, beklagt der Facebook-Kritiker. „Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist.“
„Unwiderstehlich“, so urteilt das Magazin Wired über die neue Funktion, die Facebook Mitte Januar der Welt vorgestellt hat. Aus dem Mund des Leitmediums aller Technik-Nerds geht das als ziemlich beachtliches Kompliment durch. Gemeint ist die neue Suchfunktion von Facebook, die Wired allerdings auch etwas „beängstigend“ findet. Was die Suche leistet, wie sie funktioniert, beantworten wir hier.
von Marin Maijca
Dass die möglichen Suchabfragen wesentlich tiefer gehen können als die harmlose Abfrage „Freunde, die in meiner Nähe leben und Tennis mögen“, zeigt ein Tumblr-Blog, das Tom Scott angelegt hat und dessen Link derzeit in den sozialen Medien kursiert. Scott, der nach eigenen Angaben bereits Zugriff auf die „Graph Search“ bei Facebook hat, hat dort Screenshots von Suchabfragen veröffentlicht, die er zuvor ausprobiert hat.
Beispiele wie „Verheiratete, die Prostituierte mögen“ zeigen, dass man auf Facebook künftig sehr genau nachdenken sollte, auf welchen Seiten man auf „Gefällt mir“ klickt. Ebenfalls kritisch: die Abfrage „Arbeitgeber von Personen, die Rassismus mögen“. Dass die neue Facebook-Suche eine Art „Kontaktbörse“ und gleichzeitig ein gefundenes Fressen für Stalker sein kann, zeigt die Abfrage „Single-Frauen, die in der Nähe leben, an Männern interessiert sind und sich gerne betrinken“.
Auf seinem Tumblr-Blog betont Scott: „Facebook hat gute Privatsphäre-Einstellungen, aber viele wissen nicht, wie man sie benutzt“. Ab sofort gilt auf Facebook noch mehr als schon zuvor: Bevor man leichtfertig auf „Gefällt mir“ klickt, sollte man sich die potentiellen Auswirkungen verdeutlichen. Außerdem schadet es nicht, das eigene Profil und die Privatsphäre-Einstellungen noch einmal genau zu überprüfen, bevor die Graph Search für alle Facebook-Nutzer zugänglich gemacht wird. (mit dpa)
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