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11. Juli 2013

Facebook Graph Search: Rasterfahndung für alle

 Von Jonas Rest und Christian Schlüter
Im Fokus: der Facebook-User.  Foto: dpa

Facebook führt die im Januar angekündigte neue Suchfunktion „Graph Search" ein – höchste Zeit, die eigenen Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. Denn Arbeitgeber könnten nun leicht nach der politischen Einstellung ihrer Angestellten suchen.

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Jetzt ist es endlich soweit. Facebook bietet wie im Januar angekündigt nun für alle Nutzer eine erweiterte Suchfunktion an. Sie ist vorläufig nur auf Englisch erhältlich, hört auf den Namen „Graph Search“ und soll es einfacher machen, gemeinsame Interessen zu entdecken. Wer bisher keinen Jogging-Partner hatte, kann ihn nun leicht finden, ebenso wie den Tapas-Laden in San Sebastian, den Ihnen Ihre Freunde schon letztes Jahr empfohlen haben. Das klingt nicht nur harmlos, sondern auch nützlich.

Aber: Die Detailgenauigkeit und die Eingrenzungsmöglichkeiten, mit der sich nun Facebook-Profile durchsuchen lassen, gleicht einer Rasterfahndung, zumindest ruft es jenes Verfahren der vernetzten Durchsuchung von Datenbeständen in Erinnerung, das in den siebziger Jahren zur Fahndung nach den RAF-Terroristen eingeführt wurde und heute der Polizei zur Verfolgung und Verhinderung von Straftaten dient.

Wie funktioniert Graph Search?

Erst einmal müssen Sie Mitglied bei Facebook sein. Als Mitglied verfügen Sie über ein Profil, in dem Sie alle möglichen Angaben zu Ihrer Person (Name, Alter, Geschlecht, Wohnort, Arbeitgeber etc.) und womöglich auch gewisse Vorlieben und Geschmäcker (Farben, Musik, Kleidung, politische Gesinnung etc.) hinterlegt haben. Hinzu kommen noch die bei aktiven Nutzern mitunter sehr umfängliche Chronik, das heißt aktuelle Einträge (Fotos, Videos, Texte etc.), und der sogenannte Newsfeed, in dem Informationen über die Veränderungen/das Verhalten bei den eigenen Facebook-Kontakten angezeigt werden.

Insgesamt haben wir es mit einem sehr umfänglichen und daher auch aussagekräftigen Datensatz zu tun. Und lassen Sie es sich gesagt sein: Es ist viel mehr als Sie glauben. Mit Graph Search lassen sich all diese Information abschöpfen, und zwar weit über Ihr Freundesnetzwerk hinaus; alle Profile können durchsucht werden. Was für ein Vorratsdatenspeicher, was für ein kostbarer Datenschatz!

Wer kann Graph Search nutzen?

Ab sofort alle Facebook-Nutzer. Allerdings müssen Sie dafür die Sprache auf US-Englisch einstellen (unter Kontoeinstellungen). Es kann dabei Verzögerungen geben, bei vielen Facebook-Nutzern war die Funktion zunächst noch nicht nutzbar. Wer Facebook auf Deutsch benutzt, kann Graph Search ohnehin nicht nutzen – aber die von ihm eingestellten Beiträge und Fotos können natürlich gefunden werden.

Was findet Graph Search?

Facebooks neue Suchfunktion findet nur das, was Sie auch vorher schon geteilt, das heißt als öffentlich eingestuft haben. Bilder zum Beispiel, die Sie nur mit engen Freunden teilen, bleiben auch weiterhin nur für diese auffindbar. Der Unterschied, den Graph Search nun ins Spiel bringt, ist, dass Ihre Informationen viel einfacher zu finden sind. Wer vielleicht schon vorher etwas geteilt hatte, was bestimmte Personen nicht sehen sollten, muss damit rechnen, dass diese Inhalte nicht länger tief in der Chronik verborgen bleiben.

Wo ist das Problem?

Facebook ermöglicht faktisch eine Rasterfahndung, die unangenehm werden kann. Das Besondere an der Abfrage ist die Verknüpfung von mehreren Such-Parametern, die es möglich macht, den Kreis der Zielpersonen immer weiter einzugrenzen. Facebook schlägt dabei automatisch Variablen wie politische und religiöse Einstellungen vor. Zum Beispiel: Arbeitgeber können leicht nach der politischen Einstellung ihrer Angestellten suchen oder auch danach, wer sich als Gewerkschaftsfreund geoutet hat.

Um sich ein Bild zu machen, lohnt ein Blick auf Beispiele, die das Blog actualfacebookgraphsearches.tumblr.com gesammelt hat. Dort finden sich unter anderem die Listen von Iranern, die in Teheran leben und auf Männer stehen, Ehemänner, die Prostituierte mögen, oder Mütter von italienischen Katholiken, denen Durex gefällt.

Marc Zuckerberg stellt die Graph Search vor.  Foto: Reuters

Wie kann ich mich schützen?

Wer nicht will, dass er für jeden als Single in seinem Stadtteil gefunden werden kann, sollte dringend seine Privatsphäre-Einstellungen überprüfen. Unter dem Zahnrad unten rechts im Titelbild verbirgt sich die Option „Anzeigen aus der Sicht von ...“. So können Nutzer sehen, wie ihr Profil für jemanden aussieht, mit dem sie nicht befreundet sind.

Es lohnt auch, bei Graph Search danach zu suchen, bei welchen Bildern man selbst mal den Like-Button gedrückt hat. Peinliche Bilder sollten Sie nicht nur aus der Chronik, sondern auch aus dem Ordner „Fotos“ löschen, damit sie nicht mehr über die Suche auffindbar sind. Bei Bildern anderer Nutzer, auf denen Sie markiert wurden, geht das nicht. Immerhin können Sie unter „Bearbeiten“ wenigstens die Markierung entfernen, sodass sie nicht mehr bei einer Suche nach Ihrem Namen angezeigt werden.

Wieso macht Facebook das?

Ganz einfach: Um noch mehr Daten über Sie zu sammeln und sie der Werbeindustrie zur Verfügung zu stellen. Mit Graph Search könnten Firmen genaue Informationen darüber erhalten, welche Altersgruppen nach einem Produkt, einer Dienstleistung oder einen Ort sucht, zu welcher Zeit und was ihre weiteren Vorlieben sind. Eine ganze Industrie ist damit beschäftigt, aus Ihrem Online-Verhalten ein Profil aufzubauen, um passgenaue Werbung einzublenden – bei Facebook haben Sie das dankenswerter Weise selbst übernommen.

Mit der Suche greift Facebook zudem die Domäne von Google oder Empfehlungsportalen wie Yelp an: Es baut darauf, dass wir immer öfter danach suchen werden, was unser Freundeskreis mag oder uns empfiehlt – und nicht einfach irgendjemand im Netz. Und das wird auf absehbare Zeit niemand so gut wie Facebook können – einfach weil Facebook so unglaublich viel mehr Daten über uns gesammelt hat als jede andere Firma.

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