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16. November 2010

Facebook plant Email-Dienst: Die totale Umarmung

 Von M. Thieme, M. Majica und C. Haustein
Facebook plant einen Angriff auf GoogleMail. Künftig sollen Nutzer total vernetzt sein. Foto: dpa

Das soziale Netzwerk Facebook will in einem neuen Dienst alle digitalen Kommunikationskanäle verschmelzen. Das System könnte sich als Standard etablieren – allen Datenschutz-Bedenken zum Trotz. Ob es SMS und E-Mail vollständig verdrängt, ist bei Experten umstritten.

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Das soziale Netzwerk Facebook will in einem neuen Dienst alle digitalen Kommunikationskanäle verschmelzen. Das System könnte sich als Standard etablieren – allen Datenschutz-Bedenken zum Trotz. Ob es SMS und E-Mail vollständig verdrängt, ist bei Experten umstritten.

In der Welt des 26-jährigen Facebook-Gründers Mark Zuckerberg ist die E-Mail bestenfalls noch ein Kommunikationsmittel für Omas und Opas. Man muss ein Programm öffnen, einen Empfänger heraussuchen, eine Betreffzeile ausfüllen – für Zuckerberg graue Vergangenheit.

Die bunte Zukunft will er mit seinem florierenden sozialen Netzwerk Facebook jetzt ganz anders gestalten: Kinderleicht, total vernetzt und spielerisch sollen Millionen von Internet-Nutzern künftig kommunizieren. Natürlich ausschließlich bei Facebook. Du sollst keine anderen Netzwerke neben uns haben, lautet die Botschaft des jungen Internet-Gurus Zuckerberg, dessen Konzern bereits jetzt privatwirtschaftlich über persönlichste Daten von derzeit mehr als 500 Millionen Nutzern verfügen kann.

Die totale Umgarnung will Facebook mit einem runderneuerten Postfach erreichen: Alle Kommunikationsinstrumente wie SMS, Messenger-Chat und E-Mails sollen künftig bei Facebook zusammenlaufen. Mitglieder erhalten eine Adresse mit der Endung @facebook.com. Sämtlicher Austausch mit einer Person wäre dann nicht mehr unter verschiedenen Betreffzeilen und in unterschiedlichen Formaten gespeichert, sondern einfach unter dem Namen des „Freundes“. Und angezeigt werden die Nachrichten im Postfach sortiert, nach der Nähe zum Empfänger: Der Lebensgefährte etwa steht ganz oben, anonyme Absender unten.

Ähnlicher Versuch gescheitert

Für den Einzelnen hat die Verbindung von E-Mail-Kommunikation und sozialem Netzwerk durchaus Nutzen, das hat auch der Konkurrent Google erkannt und einen ähnlichen Versuch mit dem Dienst Google Buzz unternommen. Doch Google musste erleben, dass Nutzer ihr E-Mail-Adressbuch, in dem auch berufliche Kontakte oder der Versicherungsvertreter stehen, nicht unbedingt zu ihrem Netzwerk machen wollen. Auch aus Datenschutzgründen.

Facebook und Co beschränken?

Facebook wird ähnliche Bedenken auslösen, sollen doch die gesammelten Kommunikations-Daten dauerhaft archiviert werden. Dass dies wirklich unter strengen Datenschutzvorschriften geschieht, bezweifelt der in Deutschland für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. „Die Fokussierung auf einen Anbieter wie Facebook ist hoch problematisch“, sagt Caspar der Frankfurter Rundschau. „Die Nutzer übermitteln alle ihre Daten einem Anbieter, den wir nicht kontrollieren können.“ Die US-Firma Facebook habe den Datenschützern in der Vergangenheit bereits mehrfach deutlich gemacht, „dass sie sich nicht an europäisches Datenschutzrecht gebunden fühlt“, so Caspar. Schon jetzt gebe es bei Facebook etliche unklare Datenschutz-Regeln.

Datenschützer warnen

„Facebook zeigt sich bislang beratungsresistent in Datenschutzfragen“, sagt Carola Elbrecht vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Den Import von Adressbüchern bei Facebook etwa halte man für hoch problematisch. „So kann man ein Daten-Opfer durch unvorsichtige Freunde werden.“ Je stärker die Zentralisierung der Daten, desto lukrativer werde Fremdnutzung bis zum Missbrauch, warnen die Verbraucherschützer.

Der Verband der Internetwirtschaft eco bewertet die Innovation von Facebook als nicht sonderlich dramatisch. „Ich glaube nicht, dass Scharen von Google-Nutzern jetzt zu Facebook überlaufen“, sagt eco-Geschäftsführer Harald Summa. „Viele professionelle Internet-Nutzer werden sich darauf nicht einlassen.“ Doch Facebook werde mit seinem Angebot „der guten alten SMS den Garaus machen“, prophezeit Summa. „Das werden die Mobilfunkanbieter zu spüren bekommen.“ Das Geschäftsmodell von Facebook bleibe aber die Werbung und die Verknüpfung von Profilen.

Schätzungen zufolge hat Facebook im Jahr 2009 zwischen 600 und 700 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Nur mit Werbung. Beim Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) ist von Euphorie für den Werbeträger „Social Media“ dennoch wenig zu spüren. Die vielen technischen Neuerungen würden die Werbetreibenden eher verunsichern, als dass sie dadurch animiert würden, Anzeigen zu schalten, sagt Volker Nickel, Sprecher der ZAW.

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