Für Jürgen Ronimi ist sein Garten seine ganz private Sache. Damit ihm niemand auf die Blumen schaut, hat der Rechtsanwalt rund um sein Grundstück hohe Bäume gepflanzt. Doch jetzt musste er feststellen, dass mittlerweile die ganze Welt in seinen Garten schauen kann - mit Google Earth. Was für die meisten Internetnutzer Alltag ist, findet Ronimi unheimlich. Er fühlt sich in seiner Privatsphäre verletzt und wird deshalb gegen Google klagen. Er dürfte einer der Ersten in Deutschland sein.
Für Ronimi wäre es nicht der erste Musterprozess. 2000 klagte er gegen Mobilfunkmasten. Der Streit zog sich Jahre hin. Am Ende bekam die Telekom recht. Ähnlich könnte auch Ronimis neuer Kampf enden. Denn seit 1990 darf jeder ohne Genehmigung Luftaufnahmen machen und sie verkaufen. Eine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, sieht Cornelia Gläßer nicht.
Die Professorin aus Halle ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation (DGPF). "Das ist auch politisch gewollt", sagt sie. "Die Branche hat enorme Wachstumsraten." Mittlerweile seien rund 80 Prozent aller gespeicherten Daten Geodaten.
Von dem Boom profitiert auch Google. Als Ronimi gegen die Telekom kämpfte wurde aus dem US-amerikanische Start-up mit Hilfe einer Suchmaschine fürs Internet ein mächtiger Konzern. Seit einigen Jahren erschließt sich Google mit zusätzlichen Angeboten wie E-Mail, Karten und Luftbildern neue Geschäftsfelder und ist derzeit auf dem besten Weg, das für das Internet zu werden, was Microsoft für den PC ist.
Ronimis Klage kommt da zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Seit Anfang Oktober liefert der Satellit Geo-Eye-1, an dem Google mit rund 500 Millionen Dollar beteiligt ist, die ersten Bilder. An einem Tag kann er etwa ganz Polen hochauflösend fotografieren. Fans von Google Earth erhoffen sich davon mehr Aktualität.
Villengegenden oft unscharf
Derzeit sind die Google-Bilder oft Jahre alt. "Wir machen die Bilder ja nicht selbst", sagt Google-Sprecher Kay Oberbeck. Die Bilder habe Google von verschiedenen Anbietern gekauft, deshalb sei die Qualität von Ort zu Ort unterschiedlich. Ronimi, der in dem Taunus-Städtchen Oberursel wohnt, hat sich nämlich via Google Earth in seiner Nachbarschaft umgeschaut. Kronberg, Königstein oder Bad Homburg, wo die reichen Banker aus Frankfurt wohnen, sind bei Google kaum zu erkennen. Eine ähnlich schlechte Qualität wünscht sich Ronimi auch für sein Haus.
Google will hingegen sein Angebot kontinuierlich verbessern und sieht sich dabei auf der sicheren Seite. "Unsere Angebote sind vollkommen legal", sagt Oberbeck. Ronimi verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das die Veröffentlichung einer Luftbildaufnahme als unerlaubten Eingriff in die Privatsphäre wertet. Dabei ging es allerdings um das Foto zu einem Zeitungsbericht über das Ferienhaus der Fernsehmoderatorin Alida Gundlach - inklusive Wegbeschreibung.

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