New York. Hohe Erwartungen begleiten das erste Google-Handy bei seinem Marktstart am Mittwoch. Mehr als ein Jahr nach dem iPhone zeigen die ersten Erfahrungen: Das G1 ist nicht das ultimative, vollkommene Smartphone.
Aber es ist voll interessanter Funktionen für mobile Internet-Freaks. Gefertigt von dem taiwanischen Hersteller HTC und ausgestattet mit dem Google-Betriebssystem Android, bringt T-Mobile das neue Telefon zunächst nur in den USA auf den Markt.
Das G1 ist etwa so groß wie das iPhone, aber etwas fülliger. Das wahlweise schwarz oder bronzefarben gekleidete Gehäuse besteht auf der Vorderseite aus einem großen Touchscreen-Display, vier Tasten und einem Trackball für das Ansteuern von Navigationselementen auf dem Bildschirm. Dreht man das Telefon nach links, öffnet sich unter dem Touchscreen eine vollwertige Tastatur - ein Gewinn für alle, die Web-Adressen oder Texte auf richtigen Tasten eingeben wollen und nicht über ein "virtuelles Keyboard" wie beim iPhone.
Das Design ist natürlich Geschmackssache. Kultverdächtig kann man die Aufmachung allerdings nicht nennen. Hier hat Apple immer noch die Nase vorn. Aber auch andere Hersteller wie Sony oder LG haben bereits schickere Handys im Angebot.
Vom Start weg ist das G1 einfach zu bedienen. Die Oberfläche ist eingängig und stellt sofort viele bekannte Google-Dienste bereit wie E-Mail oder Google Talk. Die Google Maps sind hier ergänzt um einen kleinen Kompass - so kann man sich mit dem Telefon in der Hand in die Richtung wenden, in die man laufen möchte.
Auf Anhieb funktionieren das Instant-Messaging mit Freunden, die Suche nach den nächsten Cafés und natürlich auch Telefongespräche.
Der integrierte Browser ist einfach zu bedienen. Wenn kein WLAN-Netz zur Verfügung steht, werden die Seiten über das dem UMTS-Standard entsprechende 3G-Netz von T-Mobile schnell aufgebaut.
Allerdings ist dieses Netz noch ziemlich neu, und bislang wählen sich nur wenige Geräte dort ein. Wenn kein 3G zur Verfügung steht, wird die EDGE-Technik für die Mobilfunkverbindung eingesetzt, die etwas langsamer, aber immer noch schnell genug ist.
Der Browser zeigt Texte und Bilder gestochen scharf an. Mit dem Finger auf dem Display kann man Ausschnitte vergrößern und bekommt ebenso schnell wieder die Übersicht über die gesamte Webseite.
Fotos und Musik werden auf einer microSD-Speicherkarte abgelegt. Mitgeliefert wird eine 1-Gigabyte-Karte, das G1 unterstützt aber auch Speicherkarten bis 16 GB.
Der Nachteil all der schicken Funktionen: Das G1 braucht viel Strom. Der Hersteller nennt eine Akku-Laufzeit von fünf Stunden Gesprächszeit und nahezu fünfeinhalb Tage Standby-Zeit. Aber wer nutzt ein Smartphone nur zum Telefonieren oder lässt es als Staubfänger liegen? Daher sollte man also immer das Ladekabel zur Hand haben, wenn man das G1 regelmäßig nutzen will.
Die Startseite des Handys zeigt die wichtigsten Anwendungen, ist allerdings größer, als das Display anzeigen kann. Die verborgene Fläche kommt schnell zum Vorschein, wenn man sie sich mit dem Finger herholt. Die Symbole für die wichtigsten Anwendungen kann man sich ins Zentrum der Startseite legen, die weniger wichtigen an den Rand.
Weitere Anwendungen gibt es auf dem von Google betriebenen "Android Market". Dort bieten Entwickler ihre Angebote für die Android-Plattform an, die sich drahtlos auf den G1 herunterladen lassen. Das Angebot ist bislang kostenlos, mit etwa drei Dutzend Anwendungen und zehn Spielen allerdings auch noch gut überschaubar.
Darunter ist etwa ein "Barcode Scanner", der die eingebaute Drei-Megapixel-Kamera des G1 dazu nutzt, um den Barcode von beliebigen Produkten einzulesen und dann eine zugehörige Webseite zu öffnen. So kann man schnell einmal zusätzliche Informationen über ein Buch abrufen oder Preise überprüfen.
Das Programm "Ecorio" verwendet die GPS-Fähigkeit des G1, um nicht nur den Verlauf von Reisen zu erfassen, sondern auch den "carbon footprint", also die dabei entstandene Kohlendioxid-Belastung.
Bereits integriert ist die YouTube-Unterstützung. Aber obwohl das Video-Portal zu Google gehört, ist die Darstellung der Filme bislang eher enttäuschend und reicht nicht an die Qualität auf einem Desktop-PC heran. Etwas problematisch ist auch die Soundausgabe: Das G1 verzichtet auf einen Standardanschluss für Kopfhörer - stattdessen wird der mitgelieferte Ohrhörer in den Mini-USB-Anschluss gesteckt, der auch zum Aufladen des Geräts verwendet wird. Der für viel Geld angeschaffte hochwertige Kopfhörer lässt sich nur mit einem Adapter verwenden.
Ein Ausweg könnte die Bluetooth-Anbindung eines Kopfhörers sein. Aber leider unterstützt der G1 keine Stereo-Headsets an seiner Bluetooth-Schnittstelle.
Die Perfektion beim Smartphone braucht also noch etwas Zeit. Auch beim iPhone war die zweite Version besser als die Premiere, und die Software wird kontinuierlich weiterentwickelt. Der Auftakt für Android ist aber insgesamt durchaus gelungen.
In den USA ist das G1 ab Mittwoch zum Preis von 179 Dollar (das sind umgerechnet 133,50 Euro) zu haben, mit einem Zweijahresvertrag für die Mobilfunknutzung. (AP/Rachel Metz)

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