Es ist wieder mal Frühjahrsputz bei Google - diesmal wandert der Google Reader in die Tonne. Der acht Jahre alte Dienst setzt auf den offenen Standard RSS, sammelt neue Inhalte der abonnierten Websites ein und liefert sie dem Nutzer in einer Übersicht aus. Wobei: Übersichtlichkeit gehörte eigentlich nie zu den Stärken des Google Readers. Der Konzern selbst begründet das Aus mit gesunkenen Nutzerzahlen, doch der Dienst hat immerhin genügend Freunde gefunden, dass sich in den vergangenen Jahren eine ganze Phalanx von Drittanwendungen wie Flipboard, Byline oder FludNews etablieren konnten, die die via Google abonnierten Feeds elegant und lesefreundlich auf dem mobilen Gerät präsentieren. Auf Twitter verdrängte #GoogleReader bzw. #SaveGoogleReader den Papst bereits kurz nach der Ankündigung aus Mountain View von der Spitze der Thementrends. Und nun?
Auch wenn Dan Lewis mit seiner Petition zum Erhalt des Google Readers vielen Nutzern aus dem Herzen sprechen dürfte: Beeindrucken wird das Google wohl kaum. Zu leicht trennt sich der Konzern von Produkten, die nicht mehr ins Portfolio passen. Auf dem Friedhof der abgeschalteten Dienste liegen bereits der Gesundheits-Service Google Health, der Kommunikationsdienst Google Wave oder der Surf-Beschleunigungsdienst Google Gears. Besser investiert ist die eigene Zeit wohl in die Datensicherung. Google empfiehlt, die Reader-Daten als XML-Datei herunterladen. In dem ZIP-Archiv findet sich unter anderem die Datei subscriptions.xml, die wiederum mit einem anderen RSS-Leser importiert werden kann.
An webbasierten RSS-Readern gibt es keinen Mangel: NewsBlur, Good Noows, Pulse oder NetVibes gehören zu den bekannteren. Ebenso wie der Google Reader ermöglichen sie, von verschiedenen Geräten aus auf die abonnierten Feeds zuzugreifen. Alternativ kann man ein Programm wie FeedReader oder RSS Bandit installieren. Viele dieser externen Anwendungen nutzen bislang die über Google Reader verwalteten Feeds als Basis. Doch welche kann man auch nach dem 1. Juli noch nutzen?
Der Entwickler von Reeder, einer populären App für iOS und Mac, reagierte schnell und versprach, eine Lösung für die Zukunft zu finden. Die Reeder-iPhone-App arbeite bereits jetzt auch mit Feedly zusammen, einer Browser-Erweiterung für Firefox und Chrome, die es auch als mobile App gibt, schreibt Martin Weigert auf netzwertig.com. Feedly sieht schick aus, hat Anbindungen an Pocket und Instapaper und wird auf Twitter derzeit als Alternative wärmstens empfohlen.
Fix reagierte auch der New-Aggregator Zite, der den Google Reader "innerhalb von sechs Stunden nachbaute".
Die Betreiber von Flipboard, einer weiteren beliebten Anwendung zum Auslesen und Präsentieren von RSS-Feeds, machen darauf aufmerksam, dass man über ihre App die Feeds aus Google sichern und somit auch unabhängig von dem bald hinfälligen Reader genutzt werden kann.
Unklar ist, ob die App Byline, die auf dem Google Reader basiert, künftig mit einem anderen RSS-Reader funktionieren wird - die Macher haben bislang auf Nachfrage nicht reagiert.
Wer sich von externen Diensten unabhängig machen möchte, sollte einen Blick auf Fever werfen. Die 30 Dollar teure Software, entwickelt von Shaun Inman, muss auf dem eigenen Webspace gehostet werden, hat dafür aber auch deutlich mehr Funktionen als Google Reader - und versteht sich, wie Nutzer auf Twitter berichten, ebenfalls gut mit der iOS-App Reeder.
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