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17. Januar 2007

Hauptsache attraktiv

 Von Monika Porrmann

Die Führungskrise der CSU in Bayern bot nahezu alles, was Auflage versprach. Einige Blogger nahmen den Fall Edmund Stoiber /Gabriele Pauli zum Anlass, die Berichterstattung der Medien unter die Lupe zu nehmen.

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Ränkespiele um die Macht, Putschgerüchte, Dolchstoßlegenden, ein wankender Ministerpräsident und eine gut aussehende innerparteiliche Gegnerin - die Führungskrise der CSU in Bayern bietet nahezu alles, was Auflage verspricht. Einige Blogger nehmen den Fall Edmund Stoiber /Gabriele Pauli zum Anlass, die Berichterstattung der Medien unter die Lupe zu nehmen.

Nicht nur Bildblog ist aufgefallen, dass die größte deutsche Boulevardzeitung die äußere Erscheinung der Stoiber-Kritikerin für deren entscheidendes Merkmal hält. Akribisch dokumentiert das Watchblog die Standardattribute des Blatts für die Fürther Landrätin mit dem Doktortitel ("attraktiv", "schön", "flott").

Die zur Medienshow stilisierte Begegnung der beiden Kontrahenten beim Neujahrsempfang der bayerischen Staatsregierung lässt den Journalisten und Blogger Christian Jakubetz an der Kompetenz einiger Kollegen zweifeln. "Nahezu alles, was Rang und Namen hat", habe den kurzen Händedruck in der Münchener Residenz fälschlich zur klärenden Aussprache befördert: "Erstaunlich, dieses unreflektierte Nachplappern."

Rochus Wolff verweist im Genderblog darauf, dass die (die Krise auslösende) "Spitzelaffäre" auch schon mal auflagensteigernd zur "Sex-Spitzelaffäre" umgedeutet wird. Auch er stört sich an der verbreiteten Darstellung der Stoiber-Kritikerin: "So wird das immerfort angeklebte ,schön' zu einem wichtigen Merkmal hochgebrabbelt, als ginge es hier nicht viel mehr um ernsthafte Fragen von Privatsphäre und inzwischen Wahlrecht und Volkssouveränität."

Unangenehm stößt in der Blogosphäre die Berichterstattung der Bildzeitung über eine angebliche Affäre von Horst Seehofer auf, zeitweise als potenzieller Nachfolger Stoibers im Amt des Parteivorsitzenden gehandelt. Lawblogger Udo Vetter findet, dass Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hierfür "einen Fußtritt von seinem Verlag" verdient hätte. Das Boulevardblatt haben sich vor den Karren interessierter Kreise aus der Partei spannen lassen, bedauert Peter Cohrs. "Was Gerüchte über das Privatleben eines Politikers in der Zeitung zu suchen haben, bleibt darüber hinaus wohl das Geheimnis der BILD-Zeitung und ihrer leitenden Redakteure". Bemühte Dramatisierung auch andernorts: Bei Spiegel Online "rauchen die Colts", hat Netzjournalist Thomas Mrazek angesichts der Überschriften und Teasertexte festgestellt.

Grundlegende Defizite macht jirjen aka Jürgen aus Erlangen bei bayerischen Medien aus. Während der geplante "Bußgang" Stoibers zu CSU-Bezirkstagen zum Aufmacher avanciere, seien die Regionalkonferenzen der SPD lediglich "eine kleine Meldung auf Seite 16 wert". Die Opposition im Lande führe auch medial ein Schattendasein. "Furzt jedoch ein CSU-Kaninchen in Tuntenhausen besonders schön, dann muss das auf Seite 3."

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