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06. Dezember 2013

Herstellung von iPhone und iPad: Apple pfeift auf Fairness

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Apple ist eine der beliebtesten Marken der Welt. Doch die Bedingungen, unter denen die Produkte mit dem Apfel hergestellt werden, sind für die Arbeiter oft mehr als schlecht.  Foto: dpa/Symbolbild

Viel Mehrarbeit, wenig Lohn: Abertausende Chinesen schuften weiter unter miserablen Bedingungen, um für Apple die hochpreisigen Verkaufsschlager iPad, iPhone und Co möglichst billig herzustellen.

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Viel Mehrarbeit, wenig Lohn: Abertausende Chinesen schuften weiter unter miserablen Bedingungen, um für Apple die hochpreisigen Verkaufsschlager iPad, iPhone und Co möglichst billig herzustellen.

Werden iPhone, iPad und Co. inzwischen „fair“ produziert? Bereits seit Jahren läuft die Debatte über die miserable Arbeitssituation in chinesischen Elektronikfabriken, die für Hersteller wie Apple und andere Computeranbieter arbeiten. Besonderes Aufsehen erregte 2010 eine Selbstmordserie beim Zulieferer Foxconn Electronics in China. Das kalifornische Unternehmen mit dem Apfel-Logo versprach daraufhin, Abhilfe zu schaffen und erließ einen Kodex zu den Arbeitsstandards. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich die Situation bei den Zulieferern nicht durchgreifend gebessert hat.

Löhne unter dem Existenzminimum, quasi erzwungene und nicht angemessen bezahlte Überstunden sowie Mängel beim Arbeits- und Gesundheitsschutz seien bei vielen Zulieferern weiterhin zu beobachten, kritisiert die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Sie hat jetzt einen Bericht über die Situation in 20 Apple-Zuliefererfabriken veröffentlicht. Sie stützt sich dabei auf insgesamt 22 Untersuchungen, die Menschenrechtsorganisationen wie Sacom aus Hongkong und China Labor Watch aus den USA in jüngster Zeit vor Ort durchgeführt haben. Germanwatch hatte 2011 gemeinsam mit anderen europäischen Organisationen die Kampagne „Time to bite into a fair Apple“ („Zeit, in einen fairen Apfel zu beißen“) gestartet.

Apple war aufgrund des internationalen Drucks im Januar 2012 der Fair Labor Association (FLA) beigetreten, einer Organisation, die weltweit für bessere Arbeitsbedingungen eintritt. Die FLA ist ein Zusammenschluss von Universitäten, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen, die 1999 aus einer Task-Force des früheren US-Präsidenten Bill Clinton entstand, nachdem es zu mehreren Skandalen in der Textilindustrie gekommen war.

Sie untersuchte 2012 drei Fabriken von Foxconn und bestätigte Berichte der NGOs über schwerwiegende Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte. Apple und Foxconn reagierten: Sie kündigten an, die Regelverstöße bis zum Juli 2013 zu stoppen. Apple vermeldete auf seiner Homepage, mit dem Beitritt zur FLA setze das Unternehmen „neue Standards in Transparenz“.

Zwischenberichte der FLA vom August 2012 und Mai 2013 bescheinigten Foxconn zwar Verbesserungen. Seit Ablauf der selbstgesetzten Frist Anfang Juli gab es allerdings keine öffentliche Bilanz von Apple oder Foxconn. Laut Germanwatch sind in den Fabriken eine Reihe Einzelmaßnahmen umgesetzt worden, die positiv zu werten seien – zum Beispiel die Zahlung von Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung oder punktuell besserer Arbeitsschutz. Wichtige Ziele wie eine angemessene Lohnzahlung seien aber nicht erreicht.

Durchgreifende Veränderungen bei Foxconn hätten in der Branche durchaus Signalwirkung: Das Unternehmen ist mit seinen 1,3 Millionen Beschäftigten der weltgrößte Auftragshersteller für Elektronik- und Computerteile. Im Jahr 2011 wurden rund 50 Prozent der global verkauften Elektronikprodukte in Foxconn-Fabriken hergestellt.

Kritische Lage bei vielen Zulieferern

Bei anderen Apple-Zulieferern, die weniger im öffentlichen Fokus stehen, erscheint die Lage nach den von Germanwatch ausgewerteten aktuellen Studien unverändert kritisch. Laut China Labor Watch leisten etwa Arbeiter und Arbeiterinnen des Unternehmens Jabil Circuit in der Stadt Wuxi bis zu 110 Überstunden pro Monat, obwohl in China offiziell nur 36 Stunden erlaubt sind. Die Firma stellt die Plastikhüllen für das neue Iphone 5c her. Die Mehrarbeit sei teilweise angeordnet und nicht bezahlt worden.

Die jüngste Studie stammt von Sacom, veröffentlicht im November. Danach gibt es massive Arbeitsrechtsverletzungen bei Biel Crystal, einem Unternehmen aus Hongkong, das Schutzgläser für die iPhones herstellt. Das Unternehmen zählt zum so genannten Second Tier, der Gruppe der nachrangigen Zulieferern. Die Studie zeige, dass es wichtig sei, sich nicht nur auf die direkten Zulieferer zu konzentrieren, urteilt die Umwelt- und Entwicklungsorganisation. Die Probleme träten häufig in den tieferen Stufen der Lieferkette auf.

Germanwatch betont, dass sich die genannten Probleme keineswegs nur bei den Lieferketten von Apple finden, „sondern leider in der gesamten Elektronikbranche“. Der Grund: Viele andere Firmen ließen ihre Produkte bei denselben Zulieferern wie Apple fertigen. Foxconn etwa arbeitet auch für Anbieter wie Acer, Dell, Hewlett-Packard oder Nintendo.

Experten sehen als eine Ursache für die nur langsam besser werdende Bezahlung, dass die Zulieferer in den letzten Jahren einem steigenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt seien. Der Autor Pun Ngai schreibt in seinem Buch „iSlaves“, die Gewinne im operativen Geschäft von Foxconn seien von 3,7 Prozent des Umsatzes im ersten Quartal 2007 auf 0,9 Prozent im ersten Quartal 2012 gefallen. Im gleichen Zeitraum sei die Marge bei Apple deutlich gestiegen – auf 39,3 Prozent.

„Die andauernde Verletzung von Arbeitsrechten bei Apples Zulieferern ist zutiefst beunruhigend“, beklagt Cornelia Heydenreich von Germanwatch Es reiche nicht aus, der FLA beizutreten, um die Probleme zu beheben. Apple müsse bei seinen Zulieferern für ordentliche Arbeitsbedingungen sorgen.

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Dass es auch einen anderen Blickwinkel auf die Arbeit bei den Apple-Zulieferern gibt, verschweigt Germanwatch nicht. Dem Bericht sind Kurzreportagen des Journalisten Hannes Koch beigefügt, der vor den Werkstoren mit Arbeitern und Arbeiterinnen gesprochen hat. Nicht selten schilderten sie ihre Lebensumstände positiver, als sie von den Menschenrechtsorganisationen dargestellt werden.

Koch zitiert einen 20-Jährigen Arbeiter beim Zulieferer Pegatron. Er fühle sich mit umgerechnet 500 Euro pro Monat fair bezahlt, auch wenn er dafür 70 Stunden pro Woche arbeiten muss. Für den Lebensunterhalt reiche das Geld, und er könne für seine auf dem Land lebenden Eltern noch etwas abzweigen. „Ich habe es besser als meine Eltern“, wird er zitiert.

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