Immer mehr Verhaftungen in der Hacker-Szene und trotzdem vergeht kein Tag ohne Angriffe aus dem digitalen Untergrund. Ob Pentagon oder Zoll, Sony oder Rewe - niemand scheint mehr sicher. Wird 2011 das Jahr der Hacker? Ein Überblick.
Kein Tag ohne Angriffe aus dem digitalen Untergrund. Foto: dpa
Digitale Technik ist nie zu hundert Prozent sicher. Jeder Fehler kann ausgenutzt werden - von findigen Leuten, die als Hacker bezeichnet werden. Die Motive sind so vielfältig wie die Gesellschaft: Es gibt Hacker im Auftrag von kriminellen Banden oder ausländischen Geheimdiensten. Einige wollen nur auf Sicherheitslücken hinweisen, andere wollen diese ausnutzen und als „Hacktivisten“ aus politischen Gründen Sand ins Systemgetriebe streuen.
Schon jetzt lässt sich sagen, dass 2011 das Jahr der Hacker ist. „In einem solchen Ausmaß wie in diesem Jahr waren wir bisher noch nicht mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen von Hackern konfrontiert“, sagte der Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Matthias Gärtner.
Die ersten Vorboten waren im Herbst vergangenen Jahres zu sehen. „Der digitale Erstschlag ist erfolgt“, erklärte damals Frank Rieger vom Chaos Computer Club zum Computerwurm Stuxnet, mit dem sich die Software-Steuerung von Industrieanlagen lahmlegen lässt. Urheber waren vermutlich staatliche Stellen, die Anlagen im Iran attackierten.
„Der Info-War ist jetzt im Gange“
Ähnlich martialisch war die Begleitmusik zu Hacker-Angriffen von Unterstützern der Enthüllungsplattform WikiLeaks auf Firmen wie Visa und Mastercard. „Der erste ernsthafte Info-War ist jetzt im Gange. Das Schlachtfeld ist WikiLeaks. Ihr seid die Truppen“, twitterte Anfang Dezember 2010 der Internet-Aktivist John Perry Barlow.
Die Hacker-Szene im Überblick
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Die Hacker-Szene im Überblick
Was ist ein Hacker? (1/2)
Ursprünglich bezeichnete der Begriff des Hackers eine Person, die ein technisches Gerät oder eine Software analysiert und dabei neue Nutzungsmöglichkeiten erschließt. In dieser Bedeutung tauchte das „Hacking“ laut Wikipedia erstmals in den 50er Jahren bei Funkamateuren auf.
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Was ist ein Hacker? (2/2)
Ein Programm zu hacken, bedeutete in diesem Sinne auch die schnelle Entwicklung einer Software für eine bestimmte Aufgabe. Diese Art von Experten entwickelte ihre eigene Hacker-Ethik, wie sie etwa vom Chaos Computer Club (CCC) gepflegt wird.
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Vom Hacker zum Cracker
Im öffentlichen Sprachgebrauch werden Hacker jedoch meist mit Crackern gleichgesetzt, die Sicherheitslücken ausnutzen, um - oft aus kriminellen Gründen - in fremde Computer einzudringen.
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Wichtige Akteure: Die Gruppe Anonymous
Sie hat keinen Kopf, keine feste Organisation und keine Zentrale: Mit ihrer lockeren Struktur widersetzt sich die Hackergruppe Anonymous allen Versuchen der Behörden, ihre Aktionen dauerhaft zu stoppen.
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Welche Ziele verfolgen Anonymous?
Weil es keine klar umrissene Führung gibt, wechseln auch die Ziele der Gruppe. Ihre Angehörigen, unter ihnen auch Aktivisten in Deutschland, verbinden sich ad hoc zu einzelnen „Operationen“. Kleinster gemeinsamer Nenner bei Anonymous ist der Protest gegen „freiheitsfeindliche Organisationen“.
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Woher kommt die Anonymous-Gruppe?
Hervorgegangen ist die Gruppe aus dem 2003 gegründeten Internetforum 4Chan. Ihr Wahrzeichen sind Masken, die dem Porträt des britischen Königsgegners Guy Fawkes (1570 - 1606) nachempfunden sind. Ihre Aktionen stellt die Gruppe unter das Motto „We are Anonymous. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us!“ („Wir sind Anonymous. Wir sind viele. Wir verzeihen nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns!“).
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Welche Hacks hat Anonymous vorgenommen?
Erstmals in Erscheinung trat Anonymous im Januar 2008 mit Protestaktionen gegen die Organisation Scientology. Im Dezember 2010 erlangte die Gruppe weltweite Aufmerksamkeit mit ihrer „Operation Payback“ - Attacken auf die Webseiten von Kreditunternehmen, die Konten der Enthüllungsplattform WikiLeaks gekündigt hatten. Anfang dieses Jahres unterstützte Anonymous die Aufstandsbewegungen in Ägypten und Syrien. Sicherheitsbehörden in den USA und Großbritannien waren unter anderem das Ziel der „Operation AntiSec“, zu der sich Anonymous im Juni mit der Gruppe LulzSec zusammenschloss.
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Wichtige Akteure: Die Gruppe LulzSec
Der Name der Gruppe leitet sich ab vom englischen Szenewort „lulz“ (LOL steht für „laugh out loud“, laut lachen) und „Security“ (Sicherheit). Nach spektakulären Attacken auf die Computernetze der CIA, des US-Senats und von Sony löste sich die Gruppe Ende Juni nur 50 Tage nach ihrer Gründung wieder auf.
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Welche Hacks hat LulzSec vorgenommen?
LulzSec hatte mit Attacken etwa auf Computer des Elektronik-Giganten Sony oder des US-Geheimdienstes CIA für Aufsehen gesorgt. Zuletzt hatten die Hacker aus Protest gegen das scharfe Einwanderungsrecht in Arizona interne Daten der Sicherheitsbehörde des US-Bundesstaates im Internet veröffentlicht.
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Warum hat sich LulzSec aufgelöst?
In den vergangenen 50 Tagen habe man Unternehmen und Regierungen gestört und bloßgestellt, jetzt sei es an der Zeit, „bon voyage (gute Reise) zu wünschen“, teilte LulzSec in einer „letzten Erklärung“ im Internet mit. Einen konkreten Grund nannte die nach eigenen Angaben sechsköpfige Gruppe nicht, jedoch war in den letzten Tagen der Fahndungsdruck auf die Netzpiraten gestiegen. Auch innerhalb der Szene hatte der Druck auf LulzSec zugenommen. Aktivisten der niederländischen Gruppe TeamPoison legten das Blog eines mutmaßlichen Mitglieds der Gruppe lahm und drohten damit, Namen und Daten von LulzSec-Mitgliedern preiszugeben.
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Wie organisieren sich die internationalen Hackergruppen?
Der digitale Untergrund organisiert sich dezentral über das Netz, wobei Kanäle bevorzugt werden, die wie das Chat-Protokoll IRC eine weitgehende Anonymität ermöglichen. Eine Gruppe von Aktivisten bereitet zurzeit unter dem Namen AnonPlus ein eigenes Soziales Netzwerk vor, eine Art Facebook der Hackerszene.
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Die Methoden: Denial-of-Service-Attacken
Ein beliebtes Werkzeug gerade unter den Hacktivisten sind Denial-of-Service-Attacken (DDoS). Dabei werden Webseiten mit einer Flut sinnloser Datenanfragen überschwemmt und in die Knie gezwungen. Häufig nutzen die Angreifer dafür ein Botnet - das ist ein Zusammenschluss von vielen Computern, die auf ein gemeinsames Ziel angesetzt werden.
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Die Methoden: Datenklau
Schwerer als das Lahmlegen eines Webservers oder ein „Defacement“, also die Umgestaltung einer Webseite, wiegt der Diebstahl von Daten wie bei kürzlich Sony und jetzt beim Einzelhandelskonzern Rewe. Im aktuellen Fall sind mehrere zehntausend Sammler von Tierbildchen betroffen, an deren Namen, Passwörter und E-Mail-Adressen die Täter gelangt sind. Bei einem kriminellen Hintergrund ist da der Missbrauch zum Einkaufen unter falscher Identität oder für den Versand von Spam-Mails zu befürchten.
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Die Methoden: Angriff auf staatliche Institutionen
Staatliche Stellen werden gleich von zwei Seiten attackiert – von Hacktivisten ebenso wie von rivalisierenden Staaten. Erst am vergangenen Freitag (15.07.) wurde der bislang wohl schwerste Angriff auf das Pentagon bekannt, bei dem 24.000 Dokumente gestohlen wurden und ein ausländischer Geheimdienst als Täter vermutet wird.
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Wie schützt sich Deutschland vor Hackern?
In Bonn wurde nach den Angriffen auf Zoll und Bundespolizei das in diesem Jahr eingerichtete Cyber-Abwehrzentrum aktiv. „Wir können jetzt schneller zu einer umfassenden Lageeinschätzung gelangen und auch schneller Gegenmaßnahmen ergreifen“, sagte der Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Matthias Gärtner, dessen Behörde in dem Abwehrzentrum die Federführung hat. „In der Prävention von Angriffen bleibt aber noch viel zu tun.“
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Kein Tag ohne Angriffe aus dem digitalen Untergrund. Ob Pentagon oder Zoll, Sony oder Rewe - niemand scheint sicher vor Hackern. Die Szene ist vielfältig und kaum fassbar. Versuch einer Einordnung.
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Dieser Teil der Hackerszene formiert sich um die Gruppe Anonymous, die 2008 erstmals auftrat mit Aktionen gegen die Organisation Scientology. Ihre Mitglieder organisieren „Operationen“, die sich mal
gegen autoritäre arabische Regime, mal gegen Polizeibehörden in Großbritannien oder den USA richten. Kleinster gemeinsamer Nenner ist der Kampf gegen „freiheitsfeindliche Organisationen“.
Hacken als Lebensphilosophie
Einen Schwerpunkt in Deutschland hat die Hackergruppe No Name Crew, die jetzt mit einem Einbruch in IT-Systeme von Bundespolizei und Zoll für Schlagzeilen sorgt. „Das Hacken ist für uns allerdings
kein bloßes Hobby oder nichts weiter als ein Job. Für uns ist Hacken eine Lebensphilosophie“, sagte ein Mitglied der Gruppe in einem Gespräch mit dem Internet-Portal gulli.com.
Anonymous, LulzSec, Wikileaks: Wer sind die neuen Hackergruppen und welcher Methoden bedienen sie sich? Erfahren Sie mehr oben in der Bildergalerie.