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28. Januar 2016

Internet der Dinge: Paradies für Spanner

 Von 
Big Brother is watching you - möglicherweise sogar über die Kamera, mit der man eigentlich den Schlaf des eigenen Kindes überwachen möchte.  Foto: REUTERS

Eine Suchmaschine listet private Kameras auf, die ohne Passwort im Internet zugänglich sind. Die bieten teils intime Einblicke – und zeigen, wo eine große Gefahr des „Internets der Dinge“ lauert.

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Sie sollen für Sicherheit sorgen, doch in manchen Fällen sind sie selbst eine einzige Sicherheitslücke: Kameras, die mit dem Internet verbunden sind. Das zeigt eine neue Funktion der Suchmaschine "Shodan". Mit Hilfe der Suchmaschine für das "Internet der Dinge" (IoT) können registrierte Nutzer nach Kameras suchen, die ohne Passwort über das Internet erreichbar sind.

Schaut man sich die Suchergebnisse an, bekommt man ein mulmiges Gefühl: Die Kameras zeigen nicht nur verschneite Landschaften und überwachen Parkplätze, kleine Läden oder Grundstückseinfahrten - die Liste, die "Shodan" auswirft, bietet auch einen tiefen Einblick in die Privatsphäre mancher Kamera-Besitzer. Ein Büro in den USA, in dem sich drei Personen aufhalten, ist da genauso zu sehen wie Einblicke in fremde Wohnzimmer - auf einigen der Sofas sitzen Menschen, die man so beobachten kann. Ob die Personen wissen, dass sie im Internet zu sehen sind? Wohl eher nicht.

Auch Kameras, die in Kinderzimmern stehen, findet man problemlos – manche sind sogar auf Babybetten gerichtet. Die Eltern würden sicher Sturm laufen, wenn sie wüssten, dass die Kameras, mit denen sie den Schlaf ihrer Kinder überwachen wollen, ohne Passwort über das Internet erreichbar sind. Ob ihnen bewusst ist, dass Fremde ihren Kindern mit nur wenigen Klicks beim Schlafen zuschauen können? Höchstwahrscheinlich nicht.

"Internet der Dinge"
Suchmaschine "Shodan"

Im „Internet der Dinge“ (IoT) haben nicht mehr nur von Personen gesteuerte Computer einen Internetanschluss, sondern auch Sensoren oder Geräte, die nicht von Menschen bedient werden. Beispiel: Ein Heizungsthermostat bemerkt, dass der Bewohner nach Hause kommt, weil dessen Smartphone sich ins heimische W-Lan einloggt. Daraufhin wird automatisch die Temperatur in der Wohnung angepasst. Auch Kameras, die ans Internet angeschlossen sind, zählen zum "Internet der Dinge".

Die Suchmaschine "Shodan" wurde schon als "gefährlichste Suchmaschine der Welt" bezeichnet. Wie Google das Internet nach Websites durchsucht, sucht "Shodan" nach Geräten, die mit dem Internet verbunden sind. Sind diese IoT-Geräte ohne Passwort zugänglich, zeigt "Shodan" mehr Informationen - im Fall der Kameras die Bilder, die die Kameras aufnehmen. Mit der Suchmaschine wurden jedoch auch schon schlecht geschützte Industrieanlagen oder Ampelsysteme aufgespürt.

Die Suchmaschine „Shodan“ wird mit der neuen Suchoption zu einem Paradies für Spanner – und zeigt gleichzeitig eine große Gefahr des „Internets der Dinge“ auf: Viele Geräte, die einen Internetanschluss haben, sind von Seiten der Hersteller nur schlecht gesichert. Häufig tragen auch die Nutzer dazu bei, indem sie die voreingestellten Zugangsdaten nicht ändern, ein unsicheres oder im schlimmsten Fall gar kein Passwort verwenden.

Fälle wie die der ungeschützten Kameras dürften in Zukunft noch häufiger auftreten: Das so genannte "Internet of things", das "Internet der Dinge", in dem immer mehr Geräte und Sensoren an das Internet angebunden sind, ist auf dem Vormarsch. Das hat auch die EU erkannt: Eine Studie der EU-Kommission kommt zu dem Schluss, dass das "Internet der Dinge" kein Hype sei, sondern bleiben werde. Die Analysten des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner schätzen, dass 2018 mehr als eine Milliarde IoT-Geräte in Privathaushalten stehen werden und die EU prognostiziert, dass der Marktwert der IoT-Industrie im Jahr 2020 alleine in der EU bei einer Billion Euro liegen könnte.

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Doch trotz aller wirtschaftlicher Erfolgsmeldungen: Sicherheitsforscher warnen immer wieder vor den Gefahren, die das "Internet der Dinge" mit sich bringt. Denn bei aller Bequemlichkeit, die viele IoT-Anwendungen für den Nutzer bedeuten, bleibt oft die Sicherheit und in vielen Fällen auch die Privatsphäre auf der Strecke. Das führt nicht nur zu Kameras, die ohne Passwort im Internet abrufbar sind. Die Sprachsteuerung in SmartTVs macht aus dem intelligenten Fernseher eine Wanze im eigenen Wohnzimmer, die das gesprochene Wort möglicherweise auch noch zur Analyse an einen Drittanbieter schickt. Auch bei Babyfonen mit Internet-Anbindung haben Sicherheitsforscher längst gravierende Sicherheitslücken nachgewiesen, die in vielen Fällen nur vom Hersteller zu beheben sind.

Das Sicherheitsunternehmen Synack hat bereits Anfang 2015 mehrere IoT-Geräte - von Hausautomations-Steuerungen über Kameras bis hin zu Thermostaten - unter die Lupe genommen. Dabei kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die IoT-Industrie "ihre Hausaufgaben im Bereich Sicherheit" noch nicht erledigt hat. Besonders schlecht haben in dem Test Kameras abgeschnitten.

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