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Internet-Netzwerke: Mangelhafter Datenschutz

Wer sich im Netz tummelt, der sollte mit persönlichen Angaben vorsichtig sein. Denn kaum ein soziales Netzwerk achtet auf den Datenschutz, kritisiert die Stiftung Warentest. Von Sarah Mühlberger

Deutsche Anbieter sozialer Netze im Internet bekommen von der Stiftung Warentest eher gute Noten, US-amerikanische schlechte.
Deutsche Anbieter sozialer Netze im Internet bekommen von der Stiftung Warentest eher gute Noten, US-amerikanische schlechte.
Foto: FR/Galanty

Mit den Daten ihrer Nutzer gehen soziale Netzwerke nicht sorgfältig genug um. So lautet das Fazit der Stiftung Warentest. Insgesamt waren zehn große Netzwerke getestet worden, darunter beispielsweise studiVZ, stayfriends, die beiden beruflichen Netzwerke Xing und LinkedIn, sowie Facebook, das mit weltweit 450 Millionen Mitgliedern größte Netzwerk. Die Ergebnisse wurden am Donerstag in Berlin vorgestellt.

Während schülerVZ und studiVZ vergleichsweise gut abschneiden, haben acht der zehn getesteten Anbieter "deutliche" oder "erhebliche" Mängel. Am schlechtesten werden die drei US-amerikanischen Netzwerke Facebook, Myspace und LinkedIn bewertet.

Selbst-Datenschutz

Die eigenen Daten in sozialen Netzwerken zu schützen, ist aufwendig. Diese Grundsätze können dabei helfen:

Persönliche Einstellungen kontrollieren: Wer darf mein Bild und meine Profilangaben sehen? - Jeder Nutzer des Netzwerks oder nur meine von mir bestätigten Freunde? Solche Optionen gibt es auf allen Seiten.

Keine Adressen und Telefonnummern veröffentlichen. Das gilt auch für E-Mail-Adressen. Wer die unbedingt sichtbar machen will, sollte sich eine zulegen, die keine Rückschlüsse auf den vollen Namen ermöglicht.

Pseudonyme verwenden: Bei Twitter verwenden längst nicht alle Menschen ihren richtigen Namen. Bei Facebook und Stayfriends ist das anders, weil man dort gefunden werden möchte. Wer sich aber zunächst nur einen Eindruck von einem Netzwerk verschaffen möchte, kann sich mit einem falschen Namen anmelden. Und wer keinen Wert darauf legt, von alten Schulkameraden ausfindig gemacht zu werden, kann seine Freunde ja wissen lassen, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt.

Kontrolle von Freundesprofilen: Problematisch sind auch die Profile von Bekannten. Wer Fotos veröffentlicht, auf denen andere zu sehen sind, sollte diese vorher um Erlaubnis fragen. Andersrum sollten vorsichtige Netzwerknutzer die Profile ihrer Kontakte regelmäßig auf eben solche Bilder überprüfen.

Sichere Passwörter benutzen: Wer ausschließen will, dass jemand sein Passwort errät und sich Zugang zum Profil verschafft, sollte eine Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Zahlen verwenden. (pb)

Deutsche Anbieter sozialer Netze im Internet bekommen von der Stiftung Warentest eher gute Noten, US-amerikanische schlechte.
Deutsche Anbieter sozialer Netze im Internet bekommen von der Stiftung Warentest eher gute Noten, US-amerikanische schlechte.
Foto: FR/Galanty

Holger Brackemann von der Stiftung Warentest sprach von einem "kulturellen Unterschied" zwischen den deutschen und amerikanischen Anbietern. So hatte Facebooks Gründer Mark Zuckerberg im Dezember für Aufsehen gesorgt, als er die Privatsphäre als überholtes Konzept bezeichnete. Unterschiede zwischen den Anbietern zeigten sich beim Test vor allem im Umgang mit den Daten, die der Nutzer im Netzwerk preisgibt.

Diese sind oft umfangreich. Neben Daten wie Geburtstag, Wohnort oder E-Mail-Adresse, machen viele Nutzer auch Angaben zum Beziehungsstatus, zum Musikgeschmack oder auch zur politischen Tendenz.

Diese Inhalte werden unterschiedlich von den Anbietern genutzt. Alle Netzwerke außer schülerVZ schalten standardmäßig verhaltensbasierte Werbung, lediglich bei fünf Anbietern kann der Nutzer dagegen Widerspruch einlegen. Besonders prekär ist in diesem Zusammenhang aber die Weitergabe der Nutzerdaten an Dritte. Hubertus Primus von Stiftung Warentest verwies hier auf "das in Europa gepflegte Recht des Individuums an seinen eigenen Daten". Eine Maßgabe, an die sich lediglich die deutschen Onlinenetzwerke halten, die bei diesem Testpunkt auch gut abschneiden.

Die drei US-amerikanischen Netzwerke sehen und handhaben den Umgang mit den Nutzerinformationen jedoch anders. Facebook zum Beispiel schreibt in seinen Datenschutzrichtlinien: "Wir geben deine Informationen an Dritte weiter, wenn wir der Auffassung sind, dass du uns die Weitergabe gestattet hast, damit wir unsere Dienste im Bedarfsfall anbieten können." Brackemann kritisierte dies als "willkürlich und intransparent". Auch für die Nutzung der IP-Inhalte, also der Texte oder Bilder, die ein Nutzer einstellt, räumt sich der US-Anbieter Facebook eine weltweite Lizenz ein.

Doch auch andere Anbieter offenbarten gravierende Mängel beim Datenschutz. So verwende MySpace über 20 unwirksame Klauseln, heißt es bei Stiftung Warentest, und "räumt sich damit auf geradezu unverschämte Art Rechte an den Nutzerdaten ein".

Um Schwachstellen und Lücken der Datensicherheit aufzuspüren, sind die Mitarbeiter von Stiftung Warentest erstmals auch als Hacker tätig gewesen. Dies sei jedoch aus juristischen Gründen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Netzwerke möglich gewesen. Doch nur sechs der Anbieter erklärten sich dazu bereit, Facebook, Myspace, LinkedIn und Xing verweigerten den "kontrollierten Einbruchsversuch".

Wegen dieser mangelnden Transparenz wurden sie beim Punkt Datensicherheit mit "mangelhaft" bewertet. Doch auch von den sechs kooperierenden Anbietern kam keiner über ein "ausreichend" hinaus. Die Tester kritisierten unter anderem die unzureichende Verschlüsselung der Webseiten, insbesondere in der Version für mobile Endgeräte. Wählt sich etwa ein studiVZ-Nutzer im Café über sein iPhone ein und nutzt dafür ein unverschlüsseltes WLan-Netz, dann könnten seine Zugangsdaten ausgespäht werden.

In ihrem Test hat die Stiftung Warentest ebenfalls geprüft, inwieweit die Persönlichkeitsrechte der Nutzer geschützt werden. Dafür hatten die als Nutzer getarnten Tester anstößige Inhalte gemeldet und die Anbieter um Sperrung gebeten. Dem kamen die Netzwerke nur unzureichend nach. Ein besonderes Problem stellen in diesem Zusammenhang Fotos dar, denn hier hat der Nutzer meist nur über die Bilder Kontrolle, die er selbst einstellt. Vielfach ist es jedoch auch möglich, andere Nutzer auf Fotos namentlich zu markieren und zu verlinken.

Stiftung Warentest appellierte gestern an die sozialen Netzwerke, ihre Datensicherheit deutlich zu verbessern. Ebenso müsse das Recht des Einzelnen an den eigenen Daten gewährleistet sein, auch bei außereuropäischen Anbietern. Darüberhinaus sei es Aufgabe der Nutzer, sorgfältig mit den eigenen Daten umzugehen und zu überlegen, welche Informationen für die breite Öffentlichkeit sichtbar sein sollen.

Autor:  Sarah Mühlberger
Datum:  26 | 3 | 2010
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