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27. Januar 2016

iPhone-Absatz: Apples Stern sinkt

 Von 
Apple muss einen Kurseinbruch hinnehmen.  Foto: rtr

Das rückläufige Geschäft mit dem iPhone beschert Apple erstmals ein Absatzminus. Das Management rechnet mit zwei Milliarden Dollar weniger Umsatz als kalkuliert.

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Das könnte der Wendepunkt sein. Apple erwartet zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt für den Jahresanfang ein Absatzminus. Der Grund dafür sind rückläufige Geschäfte mit dem iPhone. Vieles spricht dafür, dass dies zugleich ein Signal dafür ist, dass im Mobilfunkgeschäft eine lange Phase mit rasantem Wachstum zu Ende geht - weil die Welt schlichtweg mit Smartphones ausreichend versorgt ist.

Auf den ersten Blick sehen die aktuellen Geschäftszahlen des weltgrößten Computerkonzerns prächtig aus. Das Unternehmen meldet neue Rekorde, und zwar bei den Einnahmen, die sich in den drei Monaten zwischen Oktober und Dezember 2015 auf knapp 76 Milliarden Dollar summierten. Zugleich blieb ein Nettogewinn von 18,3 Milliarden Dollar übrig – das ist nach Analystenangaben der höchste Profit ist, den ein US-Unternehmen jemals ausgewiesen hat.

Gleichwohl ging der Kurs der Apple-Aktie am Mittwochmorgen in die Knie. Denn das Management rechnet für die ersten drei Monate dieses Jahres nur noch mit einem Umsatz von maximal 53 Milliarden Dollar. Branchenkenner sind bislang eher von 55 Milliarden ausgegangen. Die Prognosen sind eng mit dem iPhone-Geschäft verknüpft, der Mini-Computer mit Fernsprechfunktion steht für zwei Drittel des Umsatzes. Zuletzt wurden die Verkäufe durch ein starkes Wachstum in China in die Höhe getrieben. Doch im 2015er Schlussquartal stiegen die Erlöse nur noch um 14 Prozent, in den drei Monaten davor hatte  es noch eine Verdoppelung gegeben. Apples Finanzchef Luca Maestri sagt der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir erleben jetzt, was wir noch nicht erlebt haben“.

Lahmende Konjunktur in China

Er meint damit, dass die lahmende Konjunktur in der Volksrepublik bei der Nachfrage nach dem Nobel-Smartphone durchschlägt. Zugleich können andere Märkte die chinesische Schwäche nicht kompensieren. Das zeigte sich schon im Schlussquartal 2015: Mit 74,8 Millionen verkauften Geräten wurde im Vergleich zum Vorjahr mit 0,4 Prozent das niedrigste Wachstum seit Einführung des iPhones anno 2007 verzeichnet. Alles spricht dafür, dass zumindest in den ersten Monaten des neuen Jahres sogar ein kräftiges Minus zu Buche schlagen dürfte. Konzernchef Tim Cook bemüht sich, diese Zahlen als vorübergehende Erscheinung zu charakterisieren. Er spricht er von „ökonomischen Herausforderungen überall in der Welt“ und rät Investoren und Analysten sich nicht finster-depressiven Prophezeiungen insbesondere für China anzuschließen.

In den vergangenen Monaten waren Stimmen immer lauter geworden, dass Apple den Höhepunkt seiner geschäftlichen Entwicklung überschritten hat und es nun bergab geht. Die Aktie hat im vergangenen halben Jahr ein Fünftel ihres Werts verloren.

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Die Indizien verdichten sich, dass es nicht nur mit dem iPhone, sondern auch mit allen anderen Smartphones immer schwerer wird, ein Absatzwachstum zu erzeugen. Die Marktforschungsfirma IDC hat hochgerechnet, dass die Verkäufe schon im gesamten vergangenen Jahr so langsam gestiegen sind wie seit dem iPhone-Debüt vor gut acht Jahren nicht – das war der Startpunkt für den globalen Smartphone-Boom. Und die Experten der Firma Gartner, ebenfalls Marktforscher, erwarten für dieses Jahr, dass die Handyhersteller weltweit zwar die Riesenmenge von 1,9 Milliarden Geräten verkaufen können, ihre Einnahmen aber nur noch um ein minimales Plus von gut einem Prozent steigen werden. Das deutet darauf hin, dass der Markt langsam aber sicher gesättigt ist – die Menschheit ist offenbar ausreichend mit schlauen Handys versorgt. Die jüngsten Geschäftszahlen der Apple-Konkurrenten von Samsung bis Xaomi sind ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Gartner-Expertin Roberta Cozza will denn auch ein verändertes Kaufverhalten erkannt haben. Insbesondere in Schwellenländern würden Nutzer von einfachen Smartphones bei einem Wechsel des Gerätes nicht mehr automatisch ein höherwertiges kaufen, sondern sich erneut aus der  Kategorie der Basis-Apparate bedienen. Hier könnte sich wiederholen, was vor einigen Jahren auf dem Markt für Personal Computer passierte. Da der technische Fortschritt zum Stilltand kam, nutzen die Verbraucher die Geräte immer länger – dieser Prozess hat zu einer Dauererosion im PC-Geschäft geführt, die längst noch nicht abgeschlossen ist.

Cozza und viele andere  Branchenkenner schauen nun mit großer Spannung auf die Mobilfunkmesse Ende Februar in Barcelona. Die Frage ist: Kann die Branche dort neue Funktionalitäten, neue Apps und Dienste bieten, die gesteigerte Nutzererlebnisse bringen? Die Flaute bei Apple wird indes von vielen Experten darauf zurückgeführt, dass das im vorigen Jahr vorgestellte iPhone 6S nur wenig Neuerungen im Vergleich zu seinem Vorgänger vorzuweisen hat. Für das iPhone 7, das im September kommen soll, wird erwartet, dass es wasserdicht ist und über kabellose Kopfhörer verfügt. Ob das den Absatz anschieben kann? Finanzchef Maestri hat derweil schon einmal darauf hingewiesen, dass Apple mehr als nur das mobile Gerät zu bieten hat, vor allem eine schnell wachsende Dienstesparte, zu der unter anderem der Abrufdienst Apple Music und das Bezahlsystem Apple Pay gehören. Allerdings lässt sich hiermit erheblich weniger Geld verdienen als mit dem iPhone. Der Analyst Abhey Lamba sagt dem Finanzdienst Bloomberg, es brauche 60000 Transaktionen bei Apple Pay, um 100 Dollar zu machen. Mit jedem iPhone verdiene der Konzern hingegen im Schnitt 300 Dollar. Womöglich ist dies ein Wegzeichen für die ganze Branche: Dienstleistungen werden wichtiger, bringen aber erheblich geringe Renditen.           

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