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Leitartikel: Planet Google

Der Suchmaschinen-Gigant verändert das Internet in hohem Tempo. Dabei will er nur eins: unsere Daten. Das jedoch ist weniger beunruhigend, als manche behaupten. Von Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Mitarbeiter der Magazin-Redaktion der FR.
Patrick Beuth ist Mitarbeiter der Magazin-Redaktion der FR.
Foto: FR

Der König der Welt hat einen wenig klangvollen Namen. Er heißt Schmidt. Eric Emerson Schmidt, um genau zu sein, 54 Jahre alt, von Beruf Vorstandsvorsitzender von Google.

In einem atemberaubenden Tempo hat sein Unternehmen in den letzten Wochen ein neues Produkt nach dem nächsten vorgestellt. Ein Programm namens Goggles, das Gebäude auf Handyfotos erkennt und passende Informationen dazu anzeigt. Eine Version seines "Chrome"-Browsers für Mac und Linux. Eine neue Generation von Google News namens "Living Stories". Das browserbasierte Betriebssystem "Chrome OS". Ein Werkzeug zum Verkürzen von langen Internetadressen. Die Einbindung von Twitter- und Facebook-Meldungen in die Suchergebnisse.

Google, längst das Maß aller Dinge im Internet, ist drauf und dran, allgegenwärtig zu werden. Schon bald soll die vorläufige Krönung folgen: Das Google-Smartphone wird für Anfang des Jahres erwartet. Es soll Vollendung dessen werden, was Googles Handy-Betriebssystem Android bislang erst andeutet. Das Gerät wird mehr sein als ein Mobiltelefon mit Internetzugang.

Es wird die stoffliche Realität mit der virtuellen des Internets verbinden, wie es nicht einmal das iPhone schafft. Es wird dafür sorgen, dass der Träger von einer Wolke aus Informationen umgeben ist, die ihm sagen können, wo er ist, wie er woanders hinkommt, was es mit dem Gebäude auf der anderen Straßenseite auf sich hat, wo sich seine Freunde gerade aufhalten und noch vieles mehr. Es ist noch nicht lange her, da wäre das als Science Fiction durchgegangen.

Dass Google wie kein zweites Unternehmen die Zukunft zur Gegenwart macht, hat zwei Gründe. Erstens: Alle Angebote des Konzerns sind kostenlos. Zweitens: Die meisten sind schlicht und einfach gut gemacht. Die Entwickler entwerfen ihre Produkte immer nach einem einzigen Grundsatz: "Wie kommt der Benutzer möglichst schnell und schnörkellos an die Information, die er braucht?" So ähnlich lautet übrigens auch eins der zehn Prinzipien der Firmenphilosophie - und zwar das erste.

Der Preis für diese Produkte sind die Daten der Nutzer. Und weil es für die meisten noch immer ungewohnt ist, etwas mit Daten statt mit Geld zu bezahlen, liegt hier auch die Angst vor Google begründet. In unserer diffusen Vorstellung sitzt Herr Schmidt im Google-Hauptquartier auf einem Thron vor einem riesigen Bildschirm und ergötzt sich an unseren persönlichen Profilen.

Wir stellen uns vor, dass es Menschen bei Google sind, die nach unseren Daten suchen. Dass es in Wirklichkeit nur Maschinen, Roboter, Algorithmen sind, die aus Milliarden von Informationen - immer zuverlässiger - Wahrscheinlichkeiten darüber errechnen, was uns interessieren könnte, das stellen wir uns nicht vor. Weil wir das für noch unheimlicher halten.

Zu den Wahrheiten, an die wir uns gewöhnen müssen, gehört aber auch diese: Es wird nie wieder weniger persönliche Daten geben, die irgendwo gespeichert oder im Umlauf sind. Irgendwer wird immer die meisten davon haben. Derzeit ist das eben Google. Und je mehr solcher Daten kursieren, je wichtiger diese neue Währung wird, desto stärker werden auch Begehrlichkeiten zunehmen und Missbrauch, von Staaten und Behörden oder aber Kriminellen.

Aber dieses Risiko wird die große Mehrzahl der Internet-Nutzer hinnehmen, weil sie sich mit der Herausgabe ihrer Daten das Leben leichter machen. Weil damit Kommunikation, Wissen, Bildung, Orientierung, Wirtschaft, Teilhabe und Kultur wachsen werden. Weil der gesellschaftliche und der individuelle Nutzen höher bewertet wird als die Gefahr, die von solchen Datensammlungen ausgeht. Weil also der Wechselkurs der neuen Währung günstig erscheint.

Google ist das Unternehmen, das diese Erkenntnisse wie kein anderes verinnerlicht hat. Das macht Herrn Schmidt zum ersten König der Informationsgesellschaft, deren Anfang wir gerade erleben. Doch der König kann vom Volk jederzeit gestürzt werden. Sobald also ein Web-Konkurrent etwas sehr viel besser macht als Google, werden die Kunden den alten König vom Hof jagen.

Deshalb ist diese Vorherrschaft nicht so beunruhigend, wie manche glauben. Beunruhigend wäre es, wenn niemand wüsste, dass es für alle Google-Angebote einen Ersatz gibt. Wer "Google-Alternativen" googelt, bekommt 88.600.000 Treffer angezeigt.

Autor:  Patrick Beuth
Datum:  21 | 12 | 2009
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Das Leitthema der Messe lautet "Managing Trust" - die Kernfrage dabei ist, wie die Informationstechnik sicherer werden kann. Erwartet werden mehr als 340.000 Besucher.

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