Es könnte der nächste echte Coup von Google werden - denn er zielt auf einen rasant wachsenden Markt - und ist offenbar kinderleicht zu bedienen: Mit dem kostenlosen Tool App Inventor lässt Google nun auch Anfänger einfache Zusatzprogramme für ihre Android-Smartphones basteln. Spiele etwa, Lernprogramme oder Lokalisierungshilfen. Das Unternehmen will den Spieltrieb seiner Kunden wecken und dabei die Plattform für Android-Apps weiter vergrößern, um den Konkurrenten Apple ausbremsen.
Grundstein dafür ist ein Baukastensystem: Apps für Googles Handy-Betriebssystem Android werden normalerweise in der Programmiersprache Java geschrieben. Der App Inventor dagegen stellt den Code einfach in Symbolen dar, die für verschiedene Funktionen stehen. Diese werden wie virtuelle Legosteine auf dem Bildschirm kombiniert.
Projektleiter Harold Abelso erklärt es bei der Präsentation an einem Beispiel: Ein Student habe eine Software entwickelt, mit der sein Handy alle Viertelstunde seinen Aufenthaltsort an seine Freunde meldet. Dafür habe er lediglich drei Blöcke zusammenschieben müssen: Standorterkennung, Zeitinterval, Freunde-Datenbank. "Das sind vielleicht nicht die schicksten Programme der Welt", gab Abelson zu. "Aber sie können auch von gewöhnlichen Menschen erstellt werden können, oft binnen Minuten." Getestet wurde das Tool unter anderem von Sechstklässlern - und selbst die konnten eigene Apps basteln. Wie das genau aussieht, deutet ein Video von Google an:
Kritiker sehen in dem Tool, das im Prinzip einem WYSIWYG-Editor (What You See Is What You Get) für HTML-Webseiten gleicht, den Untergang des Programmierer-Abendlandes. Denn es gebe schon mehr als genug schlechte Apps im Android-Markt, die viele gute Programme untergehen lassen würden. Wenn nun jedes Kind neue miese Apps veröffentlicht, würden die guten noch schwerer zu finden sein. Schließlich sei Google schon überraschend schlecht darin, den Android-Markt übersichtlich zu gestalten und durchsuchen zu lassen, schreibt etwa das Blog Techcrunch.
Sollten die Nachwuchsprogrammierer aber auf den Geschmack kommen und doch Java lernen, um Apps komplett eigenständig schreiben zu können, dürften in Zukunft viele interessante Programme auf den Android-Markt gelangen.
Der ist sehr viel offener als der App Store von Apple, bei dem jedes Programm für das iPhone erst überprüft und dann mitunter nicht zugelassen wird. Die Apple-Zensoren reagieren zum Beispiel allergisch auf nackte Frauenbrüste. Das musste schon die Bild erfahren, die ihre halbnackten Titelmädchen auf dem iPhone bedecken muss.
Nicht nur deswegen, sondern auch durch die steigende Zahl guter Android-Smartphones etwa von HTC ist die Android-Plattform in den vergangenen zwölf Monaten gewaltig gewachsen, und zwar um den Faktor 15 - von rund 6000 auf 91.000 Apps, wie Androlib.com berichtet. Apples App Store hat zwar schon 225.000 Programme im Angebot, wächst aber nicht mehr so schnell.
Nach Angaben der Marktforscher von Gartner gewinnt auch das Android-Betriebssystem an Bedeutung: Noch im ersten Quartal 2009 waren nur 1,6 Prozent aller verkauften Smartphones Android-Geräte, das iPhone dagegen verzeichnete 10,5 Prozent Marktanteil für sich. Im ersten Quartal 2010 aber konnte Android auf 9,6 Prozent zulegen, das iPhone auf 15,4 Prozent. Die Möglichkeit, ein Android-Handy mit selbst gebauten Apps zu personalisieren, dürfte nun ein weiterer Kaufanreiz sein. Google verkauft zwar nur das Nexus One Smartphone selbst, ist aber aus einem anderen Grund am Erfolg seiner Android-Plattform interessiert: Werbung auf mobilen Geräten dürfte in Zukunft eine der größten Einnahmequellen werden - und je mehr Android-Geräte verkauft werden, desto mehr Leute bekommen Werbung zu sehen, an der Google verdient.
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