Seit Meldungen über die Schädlichkeit von Suchmaschinen-Anfragen die Technikseiten der Zeitungen füllen, regt sich das schlechte Gewissen der Google-User: Je nach Rechenmodell könnte die für eine Suchanfrage nötige Energie eine ganze Tasse Tee im Wasserkocher erwärmen oder eine Energiesparlampe eine Stunde lang brennen lassen. Müssen Umweltbewusste jetzt also auf das Wissen der Web-Welt verzichten?
Nicht unbedingt. Rettung versprechen jetzt nämlich sogenannte grüne Suchmaschinen. Die australische Seite Ecocho etwa ist sehr erfolgreich, der Pionier in Deutschland heißt Forestle (www.forestle.org) und wurde vor einigen Monaten von einem Programmierer im sachsen-anhaltinischen Wittenberg auf die Beine gestellt. Er verspricht, mit jeder Suche 0,1 Quadratmeter Regenwaldfläche zu retten. Und das ähnlich benutzerfreundlich wie bei Google - das Layout von Forestle erinnert stark an das des Platzhirsches - und dem von dort gewohntem Ergebnis. Realisiert wird die "grüne Suche" durch eine Zusammenarbeit mit Yahoo: Forestle stellt das Design, Yahoo liefert das Ergebnis.
Wie die Suchmaschine Regenwald und Klima retten soll, erklären die Macher so: Klickt ein User auf ein Werbebanner, teilen sich beide Partner die Werbeeinnahmen - und Forestle verspricht, sie der US-Naturschutzorganisation Nature Conservancy zu spenden. Die als vertrauenswürdig eingestufte Organisation hat weltweit bereits 1,2 Millionen Hektar Land gerettet.
Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Den ersten Dämpfer musste Forestle bereits wenige Tage nach dem offiziellen Start im August verkraften, als die grüne Suche noch mit Google zusammenarbeitete. Der Internet-Riese kündigte dem deutschen Betreiber jedoch die Zusammenarbeit. Forestle, so die Begründung, würde seine Nutzer explizit zum Klicken auf Werbebanners auffordern. Das aber liegt nicht im Interesse der großen Suchmaschinen, denn die Werbekunden von Google und Yahoo wollen auf ihren Seiten keine Besucher, die nichts kaufen und sofort wieder verschwinden. So können auffallend hohe Klicks auf Werbebanner, denen keine Käufe folgen, zur Verstimmung zwischen Google und seinen Werbepartnern führen. Um dem vorzubeugen, zog Google offensichtlich die Notbremse.
Der Streit offenbart das Dilemma, in dem grüne Suchmaschinen stecken: Forestle macht die Rechnung auf, dass bei 1000 Suchanfragen durchschnittlich rund 50 Mal auf ein Werbebanner geklickt wird. Die damit erzielten Einnahmen könnten rund 100 Quadratmeter Regenwald schützen. Pro Anfrage, so rechnet Forestle die Statistik um - und wirbt auf seiner Startseite mit dem Slogan "Retten Sie mit jeder Suche bei Forestle 0,1 m² Regenwaldfläche". Das suggeriert: Mehr hilft mehr. Doch vermehrte Suchanfragen an Forestle schützen weder die Umwelt noch bringen sie den Betreibern Geld für Spenden. Eine sinnlose Suche verursacht auch bei Forestle sinnlosen Energieverbrauch in einem Rechenzentrum - eben wie bei Google & Co. auch.
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