Das Leben in der Gosse ist so einfach. Es geht um ausreichend Alkohol, den besten Standplatz zum Betteln und das attraktivste Haustier, dessen Anblick Passanten zusätzliche Cents aus der Tasche locken soll. Oder auch um ein besseres Musikinstrument und seine Beherrschung.
Wer sich ordentlich anstrengt, schafft es von der Parkbank in eine Villa in Blankenese. So läuft es jedenfalls in pennergame.de, dem derzeit erfolgreichsten Online-Spiel Deutschlands.
Hört sich zynisch an? Ist anders gemeint, behaupten die Entwickler. Er lese immer wieder in Foren von der "ungerechten Gesellschaftsschere in Deutschland", sagte etwa Niels Wildung, einer der beiden Erfinder, dem Hamburger Abendblatt. "Mit einem Spiel an das Thema heranzugehen, ist zwar etwas Besonderes - aber es funktioniert." Einen Teil der Einnahmen wollen Wildung und Marius Follert Hilfsorganisationen im heimatlichen Hamburg spenden, sagen sie.
Die beiden 19-Jährigen, die in ihrer Farbflut GmbH schon zwei Angestellte beschäftigten, haben ohne Budget angefangen. Mittlerweile bringen Werbung und Premium-Mitgliedschaften in der sonst kostenlosen Spiele-Community Geld. Täglich klicken laut Firma Farbflut bis zu einer Million Besucher auf www.pennergame.de; die Seite wurde in den vergangenen Tagen des Andrangs oft nicht mehr Herr und gab nur noch Fehlermeldungen von sich. Beim Online-Verkehrszähler Alexa ist Pennergame als einziges Spiel unter den Top 100 der Seitenabrufe: Platz 87.
Pennergame ist ein Browserspiel. Die zeichnen sich dadurch aus, dass man keine Software herunterladen muss, und sind schon deshalb die idealen Bürospiele: kein Ärger mit der Firewall und den Administratorrechten. Beliebt sind Strategie- und Rollenspiele, manche punkten mit aufwändiger Grafik, andere mit ausgefallenen Spielideen. Pennergame folgt ausgetretenen Pfaden, hält gerade die Balance zwischen angenehm anspruchslos und ausreichend komplex. Grafisch ist es schlicht, seine Funktionen basieren auf einfachen Klicks auf Text-Links. Unauffällig fürs Büro: die Toolbar-Variante für den Internet-Browser.
Dass das Spiel sich trotzdem herumspricht wie ein Freibier-Termin, wird daran liegen, dass Online-Rollenspiele mehr Spaß machen, wenn auch der Kollege aus dem Büro nebenan seinen Avatar durchs virtuelle Sankt Pauli steuert. Zudem gibt es Spiel-Euro für den, der andere überredet, auf seinen "Spendenlink" zu klicken - schwups, ist wieder ein Besucher auf der Site. Natürlich liegt der Erfolg auch an der politischen Inkorrektheit.
Dass Obdachlose kriminell sind, versteht sich im Game von selbst: Kampfsportarten gehören zu den erstrebenswerten Skills, Raubüberfälle auf die Currywurst-Bude zum Alltag. Bald, so planen es die Entwickler, soll es auch London, Paris und Warschau als Tippelbruder-Terrain geben. Aber erstmal müssen die beiden Freunde, die seit ihrem 12. Lebensjahr programmieren, die Serverleistung aufpeppen. Sonst geht gar nichts mehr in der Gosse.
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