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Paris: Frankreich rätselt um explodierte Handys

In Frankreich häufen sich die Fälle von explodierten iPhones. Zwei Nutzer bekamen sogar Display-Splitter ins Auge. Es wird nun spekuliert, ob die Hitzewelle eine Rolle spielt.

Das iPhone.
Das iPhone.
Foto: afp

Paris. Rolland Caufman hatte sein iPhone beim Einkaufen in die linke Hosentasche gesteckt, als es plötzlich heiß wurde und anfing zu vibrieren. Wenige Sekunden später habe er gesehen, wie "der Bildschirm zersplittert wie eine Windschutzscheibe".

Der Rentner ist einer von inzwischen mindestens neun Fällen in Frankreich, bei denen iPhones "explodiert" sein sollen. Zwei Nutzer bekamen nach eigenen Angaben Display-Splitter ins Auge. Merkwürdigerweise ist in Deutschland bisher kein ähnlicher Fall aufgetreten. Experten stehen vor einem Rätsel.

Tagtäglich sorgt das Kulthandy des US-Herstellers Apple in Frankreich inzwischen für Schlagzeilen. Zuletzt berichtete der Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts, wie Risse auf dem Display seines Telefons auftauchten, als er an seiner Kasse darauf rumtippte. Der 35 Jahre alter Fabrice Lerebourg ist empört: "Das hätte gefährlich werden können, wenn meine Kinder den Apparat in der Hand gehabt hätten."

"Das Telefon hat geknistert"

Lerebourg spielt damit auf zwei Fälle an, bei denen der Bildschirm regelrecht zerborsten sein soll. "Ich war gerade dabei, eine SMS zu lesen, als das Telefon explodiert ist", sagte der 26-jährige Sicherheitsmann Yassine Bouhadi am Dienstag. Er habe einen Splitter des Bildschirms ins linke Auge bekommen.

Mitte August erwischte es einen 18-jährigen in Südfrankreich. "Das Telefon hat geknistert und machte dann ein Geräusch wie beim Braten", erzählte seine Mutter. Bruchstücke des Bildschirms seien 30 Zentimeter weit geschleudert worden, eines ins Auge ihres Sohnes, der glücklicherweise aber nicht schwer verletzt worden sei.

Angefangen hatte die Affäre mit Musikplayern von Apple in den USA. Medien berichteten über 15 Fälle, bei denen iPods sich überhitzten und in Flammen aufgingen. In Großbritannien sorgte dann ein ähnlicher Fall für Schlagzeilen. Apple soll dabei versucht haben, den betroffenen Kunden zu einer Verschwiegenheitserklärung im Gegenzug für eine Entschädigung zu bewegen.

Behörde für Verbraucherschutz nimmt die Vorfälle ernst

In Frankreich nimmt die Behörde für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) die Vorfälle ernst. "Wir schauen uns das Problem genau an", sagt eine Sprecherin. Die EU-Kommission hat die EU-Mitgliedsstaaten schon Mitte August aufgefordert, solche Fälle nach Brüssel zu melden.

Experten vermuten, dass die Akkus der Apple-Geräte fehlerhaft sind und überhitzen. Bei Laptop-Computern verschiedener Hersteller habe deswegen schon mehrfach weltweite Rückrufaktionen gegeben, sagt Bernd Theiss von der Handy-Fachzeitschrift "Connect". "Aber bei Mobiltelefonen habe ich das bei der Verwendung von Original-Akkus noch nie gehört." Bei der Bundesnetzagentur in Bonn, die für solche Fälle zuständig ist, ist zum iPhone bisher nichts eingegangen. "Uns liegt keine solche Störungsmeldung vor", sagt ein Sprecher.

Über die Häufung in Frankreich kann nur spekuliert werden. Trittbrettfahrer könnten bei breit in den Medien ausgebreiteten Geschichten nie ausgeschlossen werden, sagte Theiss. Möglich sei auch, dass die jüngste Hitzewelle in Frankreich eine Rolle gespielt habe. "So was kann dazu führen, dass ein Fehler in einer Region schneller auftritt als anderswo", sagt er. Das erklärt aber auch nicht, warum aus Spanien, wo es mindestens genauso heiß war, bis heute kein Fall gemeldet wurde.

Nachdem Apple seine Kunden in Frankreich nach den ersten Vorfällen zunächst abwimmelte, will das Unternehmen mit weltweit 26 Millionen verkauften iPhones und 200 Millionen abgesetzten iPods der Sache jetzt auf den Grund zu gehen. "Wir warten darauf, die Telefone von den Kunden zu bekommen", sagt Alan Hely, Sprecher der Apple-Europazentrale. "Solange wir nicht über alle Details verfügen, haben wir dem nichts hinzuzufügen." (afp)

Datum:  27 | 8 | 2009
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