Mit den sicheren Passwörtern verhält es sich wie mit vielen guten Vorsätzen: Im Grunde ist es einfach, das Richtige zu tun. Es bräuchte dazu nur ein bisschen Disziplin und guten Willen. Aber dann ertappt man sich wieder dabei, wie man in das Eingabefenster für das E-Mail-Passwort „123456“ tippt, dasselbe Passwort, das auch den Facebook-Account öffnet und den Fotoordner bei Flickr und die Tore zum Online-Kaufhaus Amazon, was natürlich nicht schlau ist, worüber in diesem Moment aber niemand nachdenken möchte – solange noch alles in Ordnung ist.
Am Safer Internet Day sollen Menschen bewegt werden, der Sicherheit moderner Kommunikationsmittel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Auf Initiative der Europäischen Kommission will das 1999 gestartete Safer Internet Programm die Medienkompetenz und die Sensibilisierung für Gefahren im Netz besonders bei Kindern, Eltern und Lehrern fördern.
In Deutschland koordiniert die Initiative Klicksafe die Aktivitäten. Die Veranstaltungen in diesem Jahr am 5. Februar stehen unter dem Motto: „Online Rights and Responsibilities“ (Online – Rechte und Pflichten). Die Webseite ist unter ww.klicksafe.de zu finden.
Klicksafe präsentiert zum Safer Internet Day neues Material mit dem Titel „Rechtsextremismus hat viele Gesichter“ und die Broschüre „Rechtsextremismus im Internet – Tipps für Eltern“.
Dass es dabei bleibt, ist nicht sehr wahrscheinlich. Wer zu bequem im Internet unterwegs ist, setzt die Sicherheit seiner Daten fahrlässig aufs Spiel. Immerhin ist „123456“ das weltweit am häufigsten verwendete Passwort, wie Professor Christoph Meinel vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam erklärt. Auf den nächsten Plätzen folgen „12345“ und „123456789“. Hacker könnten einen solchen Code innerhalb kürzester Zeit knacken, betont Meinel.
Der IT-Experte aus Potsdam ist nicht der Einzige, der zum Safer Internet Day am Dienstag gute Tipps und aufklärende Informationen parat hat. So ist vielerorts wieder zu lesen, dass jeder Nutzer von E-Mails mit unbekanntem Absender die Finger und den Mauszeiger lassen sollten und dort angehängte Dateien besser nicht geöffnet werden. Die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) weist darauf hin, dass sogenannte Drive-by-Downloads, bei denen sich Nutzer eine Schadsoftware beim Öffnen einer Website quasi im „Vorbeifahren“ einfangen, die größte aktuelle Gefahr ist.
Dagegen helfen Antivirenprogramme und regelmäßiges Aktualisieren von Browsern und Zusatzprogrammen. Wer sichergehen will, dass sein Rechner nicht längst Teil eines kriminellen Botnetzes ist, kann dies mit Hilfe der Seite www.botfrei.de überprüfen. Als Botnetz wird ein Zusammenschluss vieler mit Schadsoftware infizierter Rechner bezeichnet. Sie werden von Kriminellen ohne Wissen der Nutzer missbraucht, um etwa Spam- und Phishingmails zu versenden oder Server durch massenhafte Anfragen lahmzulegen.
Der einfachste Schutz aber sind Vorsicht und sichere Passwörter. „Rund 30 Prozent der Nutzer suchen sich eine Folge von sechs oder weniger Zeichen aus, sagt IT-Experte Christoph Meinel. Empfehlenswert sind wenigstens acht. Der Wissenschaftler empfiehlt, niemals den tatsächlichen Namen oder das Geburtsdatum für ein Passwort zu verwenden. Es sollte Zahlen und Buchstaben sowie verschiedene Schreibweisen mischen. Um sich die merken zu können, leitet man sie am besten von einem Satz ab, etwa: „Als erstes am Morgen starte ich Facebook!“ Die Anfangsbuchstaben hiervon ergeben ein sicheres „A1.aMsiF!“. Ähnliche Sätze für jede Seite machen das Leben im Netz sicher – und der Vorsatz, einen Workshop für Kreativität zu belegen, kann dann auch abgehakt werden.
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