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Philosophiestudentin: Die Netz-Abstinente

Wenn Julia sich in der Schule mit Freunden über ihre Freizeit unterhielt, verstanden diese oft die Welt nicht mehr: "Was, du bist nicht bei SchülerVZ angemeldet?", hieß es dann. "Nein, nie gewesen!", entgegnet die Studentin Fragenden noch heute. Und sie pflegt auch kein Profil in einem anderen sozialen Netzwerk.

Für viele der so genannten digital natives, jenen, die mit dem und im Internet aufwachsen, ist sie dadurch beinahe eine Aussätzige. Viele aus der Schule hätten sie deshalb gemieden. Der Philosophiestudentin ist es auch heute noch egal, dass sie durch ihre virtuelle Abstinenz Dinge verpasst - zum Beispiel eine Party, zu der nur über StudiVZ und Co eingeladen wird. "Die Leute, die dort sind, interessieren mich sowieso nicht", sagt Julia.

Sie zweifelt an der Welt der Online-Freundschaften. Sie möchte "echte" Freunde wahrhaftig sehen - nicht virtuell. "In den Netzwerken inszenieren sich alle, man wird nur anhand von Fotos verglichen." Das mache ihr Angst.

Die Währung im Internet sei es, möglichst viele "Freunde" zu gewinnen. "100 bis 200 Freunde sind unrealistisch, das ist eklig, nichts ist dort ehrlich!" Bilder von der letzten Party ins Internet zu stellen, findet Julia absurd. Sie schreibt lieber handschriftliche Gedichte und engagiert sich für einen kleinen Theater-Verein. In Online-Netzwerken nach einem Partner zu suchen, fände sie allerdings weniger schlimm. Das sei "etwas anderes". Neugierig auf die sozialen Netzwerke sei sie auch manchmal, gibt Julia zu. Zum Beispiel, wenn sie sehen will, was aus X oder Y geworden ist. "Dann nutze ich das Profil einer Freundin."

Die Angst vor zu viel Freude am Computer spielt bei Julias Netzwerk-Verzicht eine Rolle. Aus Erfahrung: Als Zwölfjährige spielte sie stundenlang PC-Spiele. Seither habe sie Respekt vor den Rechnern. Sie weiß: "Man kann im Internet leicht versinken."

Autor:  Tonio Postel
Datum:  10 | 2 | 2010
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