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Porträt: Der Medienblogger

Er regt sich auf. Fast täglich - und sehr öffentlich. Stefan Niggemeier ist Profi-Blogger und zeigt deutlich, was im deutschen Journalismus schief geht.

Der freie Journalist und Blogger Stefan Niggemeier: Er fing als Lokalreporter bei der Neuen Osnabrücker Zeitung an.
Der freie Journalist und Blogger Stefan Niggemeier: Er fing als Lokalreporter bei der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an.
Foto: Foto: dpa

Stuttgart. Stefan Niggemeier regt sich fast jeden Tag auf. Schriftlich und sehr öffentlich. In seinem Medienblog prangert er im Internet die Arbeit von Kollegen an - ab und an lobt er die Journalisten aber auch.

Tausende lesen das, die Seite gehört zu den meistgeklickten deutschen Blogs. "Ja, ich finde, es läuft was schief im deutschen Journalismus", sagt der 39-Jährige. "Unter dem Druck der Wirtschaftskrise wird zu viel gespart, das Kopieren und Automatisieren ersetzt viel zu oft Qualitätsjournalismus."

Schon in einem kurzen Gespräch mit dem gebürtigen Osnabrücker und Wahl-Berliner wird schnell klar, wie sehr er an seinem Beruf Medienjournalist hängt. "Ich habe schon als 16-Jähriger die Süddeutsche Zeitung vor allem wegen der Medienseite gekauft", sagt Niggemeier. Das Thema habe ihn nicht mehr losgelassen.

Erst schrieb er für klassische Printmedien, vor rund neun Jahren kamen die Blogs im Netz hinzu. Zunächst der "Bildblog", der sich vor allem mit der Boulevardzeitung "Bild" beschäftigte, mittlerweile aber etliche Medien beobachtet. Und seit 2006 sein eigener Blog, in dem es viel ums Fernsehen, aber auch um Zeitungen, Magazine, Nachrichtenagenturen und natürlich Online-Journalismus geht.

Weil seine Arbeit eine "Bereicherung für die Medienlandschaft" sei, hat der Südwestrundfunk ihm den Hans Bausch Mediapreis zuerkannt. Zuvor hat Niggemeier schon andere Auszeichnungen bekommen, darunter den Grimme Online Award. "Ich glaube, dass viele Leser merken, dass ich einfach große Lust habe, etwas mitzuteilen", sagt er.

Er schätze es, dass er auf seiner Internetseite weder beim Thema noch bei der Länge eines Beitrags Grenzen habe. Da gibt es lange und harsche Artikel wie einen über die Medien und den Selbstmord Robert Enkes, aber auch ganz kurze, zugespitzte Hinweise auf eine Internetseite oder ein Video.

Der Mann mit Bart und kurzem Stoppelhaarschnitt hat eine klassische Journalistenlaufbahn hinter sich: Lokalreporter bei der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Deutsche Journalistenschule in München, dann Autor für verschiedene Blätter, zuletzt Medienredakteur bei der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Ich fühle mich in beiden Welten wohl", sagt Niggemeier. So hat er weiter eine Kolumne in der FAS. "Das ist eine guter Kontrast, wenn ich mit 70 Zeilen auskommen muss."

Seine langen Abrechnungen im Netz gehen manchem zu weit. Dann hagelt es Klagen wie die eines Anbieters nächtlicher Fernseh-Quizsendungen - oder Zeitungen bemängeln, er brauche seinen "Aufreger" des Tages, um seine Leser anzusprechen. Oder: er verwerte ja nur das Material von Kollegen. "Dem muss ich mich halt aussetzen, das sollte jeder Journalist aushalten", sagt Niggemeier. "Ich bin ja selber gut im Austeilen, dann muss ich auch einstecken können." (dpa)

Datum:  18 | 11 | 2009
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