Mit 350 Firmen im In- und Ausland und über Strohmänner sollen Betreiber von Flirt-SMS-Chats jahrelang eine millionenfache Abzocke von Kunden verschleiert haben. Sechs Hauptangeklagte müssen sich seit Donnerstag vor dem Kieler Landgericht wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs verantworten.
Drei von ihnen gelten laut Anklage als Drahtzieher und sitzen seit Dezember 2008 in Untersuchungshaft. Die drei anderen sollen Beihilfe geleistet haben. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden bundesweit rund 700.000 Handy-Nutzer um insgesamt etwa 47 Millionen Euro geschädigt.
Die Kunden seien durch Lock-Mails oder massenhaft verschickte SMS- Spam dazu verleitet worden, über teure Kurzwahl-Rufnummern mit möglichen Partnern im Chat zu flirten, erklärten die Staatsanwältinnen Maya Schönfeld und Frauke Jaeschke zu Prozessbeginn. Sie nannten die Namen von 53 Geschädigten, die zwischen 199 Euro und knapp 25120 Euro für SMS-Chats gezahlt hatten.
Es antworteten ihnen aber keine potenziellne Partner, sondern gut geschulte professionelle Animateure. Erklärtes Geschäftsziel war es, die Kunden zum Versenden möglichst vieler kostenpflichtiger SMS zu verleiten - pro SMS an die Kurzwahl-Nummern wurden 1,99 Euro fällig. Befangenheitsanträge der zwölf Verteidiger stellte das Gericht zunächst zurück. (dpa)

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