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03. April 2012

QR-Code auf Grabstein: "Was heißt schon Tradition?"

Andreas Rosenkranz ist Bildhauer und Steinmetz.  Foto: Privat

Ein Steinmetz aus Köln verbindet Friedhof und Internet – indem er einen speziellen Code auf Grabsteine meißelt, der mit dem Smartphone gescannt werden kann.

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In Köln steht der erste Grabstein mit einem eingravierten Pixelquadrat, ein sogenannter QR-Code – QR wie Quick Response. Diese schwarz-weißen Muster kennt man von Plakatwänden oder Bahn-Tickets, sie sind die Weiterentwicklung des Strichcodes. Mit dem Smartphone lässt sich der Code abfotografieren und führt so auf eine Seite im Internet. Der Steinmetz Andreas Rosenkranz meißelte den Code als Erster in Naturstein.

„Das Ende des Lebens ist der Beginn der Unendlichkeit“, haben Sie auf den Grabstein mit QR-Code geschrieben. Was hat das miteinander zu tun?

        

Der Grabstein mit dem  Verweis ins Internet.
Der Grabstein mit dem Verweis ins Internet.

Der Code ist quasi das Tor zur virtuellen Unsterblichkeit. Solange die Server rauschen, bleibt der Verstorbene auf den Seiten des Internets für die Nachwelt erhalten. Der QR-Code führt damit vom Platz der letzten Ruhe in die virtuelle Unendlichkeit.

Wohin gelangt man, wenn man dem Code mit dem Handy folgt?

Den Möglichkeiten sind da keine Grenzen gesetzt. Man kann auf ein digitales Kondolenzbuch verlinken oder eine Gedenkseite mit Bildern des Verstorbenen zeigen. Möglich sind Gedichte, Videos oder persönliche Gedanken des Verstorbenen.

Sind Sie Pionier auf diesem Feld?

Schon 1999 habe ich erstmals von eingravierten Internetadressen auf Grabsteinen gelesen. Und in Japan gibt es schon seit ein paar Jahren Plaketten, auf denen ein QR-Code eingraviert ist. Allerdings sieht das nicht gerade schön aus.

Wie viele Grabsteine mit QR-Code gibt es bislang?Bis jetzt nur den einen in meiner Werkstatt.

Wie genau machen Sie das?

Die QR-Codes sind mit einem Sandstrahler in den Naturstein eingraviert. Wir haben ein halbes Jahr an der Technik gefeilt, bis wir soweit waren. Jetzt entspricht das der deutschen Friedhofssatzung.

Wie reagieren die Leute?

Unterschiedlich. Das Spektrum reicht von „geschmacklos“ bis „cool“.

Verstehen Sie die Kritik?

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Aber wenn ich über einen Friedhof gehe, dann sehe ich eine Menge geschmackloser Grabsteine: Polierte, glatte Steine aus der industriellen Massenfertigung. Unsere sind dagegen individuell gestaltete Einzelstücke.

Mit Ihren QR-Codes gefährden Sie vielleicht das Konservative, Traditionelle auf Friedhöfen.

Was heißt denn schon Tradition? Tradition unterliegt einem ständigen Wandel. Außerdem integrieren wir die QR-Codes in das Kreuzsymbol, nicht zu auffällig.

Haben Sie denn schon Abnehmer für diese speziellen Grabsteine?

Es gibt ein paar Interessenten, alle mittleren Alters. Allerdings ist das Friedhofsamt nicht gerade begeistert.

Warum?

Sie haben Angst, dass jemand auf AC DC’s „Highway to Hell“ verlinken könnte.

Werden die Friedhöfe in zehn Jahren voll mit QR-Codes sein?

Ich denke, das wird relativ schnell um sich greifen.

Können ein Verstorbener und seine Familie überhaupt zur Ruhe kommen, wenn er für immer im Netz abrufbar bleibt?

Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Wer seine ewige Ruhe haben will, der muss das Ding ja nicht freischalten.

Das Gespräch führte Marcus Goossens.

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