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Betrug mit E-Book-Apps: Selbstbedienung bei iTunes

Einige tausend Nutzer sollen elektronische Comic-Bücher aus Fernost ebi iTunes gekauft haben. Sie selbst erfuhren das aber erst, als ihre Kreditkarten belastet wurden. Von Marin Majica

Ein iTunes-Nutzer.
Ein iTunes-Nutzer.
Foto: ddp

Vietnamesische E-Book-Apps waren bis vor kurzem bei iTunes ein großer Verkaufsschlager. Vietnam? Merkwürdig fanden das einige tausend Nutzer des US-Online-Stores von Apple.

Sie stellten erschrocken fest, dass sie es gewesen sein sollen, die die elektronischen Comic-Bücher aus Fernost für das iPhone gekauft hatten. Wovon die Käufer aber selbst nicht die geringste Ahnung hatten. Sie erfuhren es erst, als mitunter mehrere hundert Euro von ihren Kreditkartenkonten abgebucht wurden.

Bemerkt hatte das ungewöhnliche Bücher-Treiben als erster der nach Paris ausgewanderte Rumäne Alex Brie. Er entwickelt selbst kleine Programme (Apps) für Apples Smartphone, etwa das 79 Cent teure und erfolgreiche Ratgeber-Buch "Self Help Classics". In seinem Blog schrieb Brie am Sonntag darüber, dass seit Mitte April 41 Comicbuch-Apps desselben Anbieters Thuat Nguyen und seiner Firma Mycompany das Ranking für E-Books im Sturm erobert haben. Und dass er weder von Mycompany noch Thuat Nguyen eine Website habe entdecken können.

Dafür hatte Brie Kommentare von Kunden entdeckt, deren iTunes-Accounts offenbar von Angreifern übernommen wurden. Da bei iTunes die Kreditkarteninformationen hinterlegt sind, konnten die Angreifer nach Belieben einkaufen. Schnell meldeten sich weitere Betroffene, einer sprach gar von Abbuchungen von 1400 Dollar.

Brie rechnete in seinem Blog hoch, dass wahrscheinlich illegale Einkäufe im Wert von einer Million Dollar getätigt wurden.

Angeblich hat Philip W. Schiller, bei Apple als Vizepräsident für das weltweite Marketing zuständig, eine Untersuchung durch das iTunes-Store-Team angeordnet. Offiziell äußert sich der Konzern auch auf Anfrage nicht dazu. Die vietnamesischen Bücher-Apps wurden aus dem Shop gelöscht. Die Passwörter der Kunden wurden offenbar bei sogenannten Phishing-Attacken erbeutet.

Wer nun prüfen will, was er tatsächlich eingekauft hat, sollte in iTunes rechts auf das Feld unter dem Namen gehen und dort auf den Punkt "Account" klicken. In der Mitte findet sich der Punkt "Einkaufsstatistik". Tauchen dort Einkäufe auf mit Namen wie "Vien NgocRong P2", ist das ein Grund zur Besorgnis.

Auf der Apple-Homepage und innerhalb des iTunes-Stores können sich geprellte Kunden per E-Mail mit dem Konzern in Verbindung setzen. Passwörter sollten allerdings im Verdachtsfall geändert und die eigene Bank kontaktiert werden.

Autor:  Marin Majica
Datum:  7 | 7 | 2010
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