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07. August 2012

Serious Games: Diese Computerspiele machen schlau

Ernstfall Kundenkontakt: Im Lernspiel „SimuCoach“ werden unter anderem Verkaufsgespräche simuliert.  Foto: dpa-tmn

Spiele sind nicht mehr nur reiner Zeitvertreib, sondern werden als sogenannte Serious Games auch als Lernhilfe eingesetzt: Polizisten trainieren damit den Katastrophenschutz und manche helfen sogar dabei, mit dem Rauchen aufzuhören.

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Spiele sind nicht mehr nur reiner Zeitvertreib, sondern werden als sogenannte Serious Games auch als Lernhilfe eingesetzt: Polizisten trainieren damit den Katastrophenschutz und manche helfen sogar dabei, mit dem Rauchen aufzuhören.

Ein ernstes Videospiel? Nicht ganz, denn das Spielen darf auch mit sogenannten Serious Games Spaß machen. Gleichzeitig soll der Nutzer bei diesen Spielen aber immer etwas lernen - ganz egal, ob ein Arzt so die Blinddarm-Operation trainiert, ein Angestellter den Umgang mit Kunden übt oder sich jemand das Rauchen abgewöhnen will. Denn wer spielerisch lernt, tut das in der Regel schneller und ist motivierter.

Die Bezeichnung Serious Games klingt zunächst nach einem Widerspruch in sich. „Sie kommt daher, weil das Spiel nicht nur zum Zweck der Unterhaltung konzipiert wurde“, sagt Thorsten Unger Bundesverband der Computerspielindustrie GAME. „Serious Games sind Lernspiele, mit denen Informationen übermittelt, Kenntnisse getestet und bestimmte Prozesse eingeübt oder überprüft werden sollen.“

Ölpest in Afrika: „Ajabu“ ist klassisches Adventure und gleichzeitig Lehrstück über Globalisierung.
Ölpest in Afrika: „Ajabu“ ist klassisches Adventure und gleichzeitig Lehrstück über Globalisierung.
 Foto: dpa-tmn

„Ein Spiel fördert die Motivation zum Lernen“, erklärt Unger. „Erfolgserlebnisse wirken sich positiv auf die Motivation aus.“ Die ersten Serious Games seien bereits vor Jahren in den USA für den Einsatz beim Militär entwickelt worden. „Bis heute werden sie in dem Bereich stark eingesetzt.“ Soldaten trainieren damit zum Beispiel das Panzerfahren, das Entschärfen von Minen oder das korrekte Verhalten in Krisengebieten. Mitunter seien diese Spiele kaum von gängigen Shootern zu unterscheiden, sagt Unger.

Eine klare Grenze gibt es nicht

Motivation durch Rollenspielelemente: Beim Onlinetraining „Squin - Smoke Quit Win“ gibt es Belohnungspunkte, die den Abschied vom Rauchen erleichtern sollen.
Motivation durch Rollenspielelemente: Beim Onlinetraining „Squin - Smoke Quit Win“ gibt es Belohnungspunkte, die den Abschied vom Rauchen erleichtern sollen.
 Foto: dpa-tmn

Eine klare Grenze zwischen Serious Games und kommerziellen Unterhaltungsspielen zu ziehen, ist kaum möglich. „Man kann 20 Experten befragen und bekommt 20 unterschiedliche Definitionen, was ein Serious Game sein soll“, sagt Heiko Klinge, Chefredakteur der Münchener Zeitschrift „Making Games“. Bei Unterhaltungstiteln wie dem Strategieklassiker „Civilization“ oder dem Logikpuzzle „Portal“ sei die Grenze zum Lernspiel fließend. „Einfacher ist die Eingrenzung bei Serious Games, die gezielt und mit ernstem Zweck für spezielle Anwendungsbereiche entwickelt wurden.“

Diese Bereiche decken ein breites Spektrum ab. „In Unternehmen lernen Angestellte den Umgang mit Kunden, es gibt Bewerbungstests in Form eines Videospiels, und in der Medizin können Ärzte oder Therapeuten fachspezifische Handlungen trainieren“, nennt Franziska Oehler vom Netzwerk Serious Games Berlin einige Beispiele. Ein Arzt könne so theoretisch komplette Operationen simulieren.

Durchspielen von Krisenszenarien

Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz bei der Feuerwehr, der Polizei oder im Katastrophenschutz. „Für diese Bereiche lassen sich Krisenszenarien oder Unfälle durchspielen, die nicht jeden Tag passieren“, erklärt Oehler. Dabei müsse der Spieler unter anderem die richtige Vorgehensweise beim Rettungseinsatz kennen und anwenden: Blutdruck messen, Blutungen stillen, mit dem Unfallopfer kommunizieren und entscheiden, welche Patienten als Erstes Hilfe brauchen.

Serious Games werden aber nicht nur von Unternehmen, sondern auch in der Schule genutzt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Serious Games für den Privatbereich. Während Kinder beispielsweise mit einem „Was ist was?“-Spiel spielerisch etwas über die Kulturschätze der Welt lernen könnten, könnten sich Erwachsene unter anderem beim Abschied vom Rauchen helfen lassen, etwa beim Onlinetraining „Squin - Smoke Quit Win“. „Man durchläuft darin verschiedene Stufen und kann sich über das Netz in Gruppen anonym mit anderen Nutzern über Rückfallsymptome austauschen“, erklärt Serious-Games-Expertin Oehler das Prinzip.

Budget ist häufig nicht sehr hoch

So breit der Anwendungsbereich ist, so groß ist auch die Vielfalt der Spielgenres. „Da gibt es nichts, was es nicht gibt. Das reicht vom Adventure bis zum Jump'n'Run“, erklärt Heiko Klinge. Die Qualität der Optik variiere allerdings stark. „Der grafische Aufwand eines Spiels hängt zu einem guten Teil von der Höhe des Entwicklungsbudgets ab, und das ist bei Serious Games in der Regel nicht sehr hoch“, sagt der Redakteur. Mit den Millionenbudgets von Unterhaltungsspielen großer Hersteller könnten sie nicht mithalten.

Erhältlich seien Serious Games für sämtliche Plattformen. „Das geht querbeet vom iPad bis zur Konsole“, sagt Klinge. Letztere sei aber noch die Ausnahme. Die meisten Serious Games erscheinen nach wie vor für den PC.

Das Spielerische mit dem Lernen verbinden

Gute Serious Games kombinieren Spielen und Lernen miteinander und erhöhen so die Motivation des Nutzers. Schlecht ist dagegen, wenn man erst trockenen Lernstoff verdauen muss und dann als Belohnung etwas spielen darf. „Das hat keinen Effekt auf den Nutzer, weil Spielen und Lernen als zwei unterschiedliche Dinge wahrgenommen werden“, erläutert Thorsten Unger vom Bundesverband der Computerspielindustrie GAME. (dpa)

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