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Social Networks: Verabschieden verboten

Internet-Communitys verdienen mit den Profildaten ihrer Mitglieder Geld. Verständlich, dass niemand gehen soll - oder darf. Von Jan Söfjer

Diese Portale klammern: Die Lokalisten, Zeit Online Community, Neon, Freenet Singles, Deviant Art, Photocase, Facebook.
Diese Portale klammern: Die Lokalisten, Zeit Online Community, Neon, Freenet Singles, Deviant Art, Photocase, Facebook.
Foto: FR-Montage

Es hat etwas von einer Sekte: Rein kommt man schnell, nur das Abmelden ist schwer. Die Rede ist von Internet-Portalen, Online-Communitys, Netzwerken - all die Sites, auf denen man "Freunde added" und dafür seine Wohn- und Geburtsdaten, Lieblingsbands und -bücher und vieles mehr hinterlegt.

Der normale User meldet sich dort gar nicht ab. Er vergisst höchstens, dass irgendwo noch Informationen über ihn gespeichert sind. Kommt einem jedoch die Idee, ein paar seiner Accounts löschen zu wollen, wird schnell klar: Die Community-Firmen wollen das gar nicht. Die Nutzerdaten müssen ziemlich wertvoll sein. Nicht zum Spaß zahlte Microsoft ganze 240 Millionen Dollar für eine 1,6-prozentige Beteiligung am Netzwerk Facebook.

Die Nutzerfreundlichen

Netzwerke, die Abmelden und Profil-Löschen problemlos erlauben:

- jetzt.de, studiVZ.de (Communitys) - couchsurfing.com (Bettenbörse) - flickr.com (Foto-Netzwerk) - talentarena.de (Künstler-Portal) - last.fm (Radio- und Musik-Community)

Seinen Facebook-Zugang kann man jedenfalls lediglich deaktivieren. Glaubt man diversen Bloggern und Foren-Usern, darf nur ganz gehen, wer selbst sämtliche Daten in seinem Profil per Hand löscht und dann eine E-Mail an privacy@facebook.com mit der Bitte um Löschung schreibt. Was beim FR-Test immerhin funktioniert hat. Jedoch bleiben "gelöschte Informationen in Back-Up-Kopien für einen gewissen Zeitraum erhalten", sagen Facebooks Datenschutzrichtlinien.

Auch die deutschen Portale lassen die User ungern ziehen. Bei lokalisten.de etwa - von ein paar Freunden in München gegründet und mittlerweile im Besitz von ProSiebenSat.1 - sucht man vergeblich den Menüpunkt, den eigenen Account zu löschen.

Kündigung, so findet man in den hinterlegten Geschäftsbedingungen, ist nur per E-Mail möglich. Ein Angestellter muss erst sein Okay geben.

So läuft es auch beim Jugendportal neon.de, der Fotografen-Seite photocase.com oder der Zeit-Online-Community. Beim Single-Angebot von Freenet verlangen sie ernsthaft eine Kündigung per Post oder Fax. Das Grafikkunst-Netzwerk deviantart.com teilt sogar mit, ein Auflösen der Mitgliedschaft sei aufgrund der Programmierung leider gar nicht möglich.

Die Herrschaft über ihre Inhalte verlieren Internet-User jedoch nicht nur in Communitys. Überall im Netz veröffentlichen Menschen Privates von sich - wie lange sie selbst aber die Kontrolle darüber behalten, ist eine andere Sache. So hat sich das Internet Archiv archive.org zur Aufgabe gemacht, den gesamten Inhalt des Netzes "in Kopie" zu speichern. Denkbar, dass die erfassten Daten für ewig stehen bleiben.

Der gemeinnützige Anbieter verspricht zwar, private Inhalte auf Anfrage zu löschen, in der Praxis klappt das aber nicht, wie unsere zweifachen Versuche zeigten.

Autor:  JAN SÖFJER
Datum:  22 | 8 | 2008
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