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29. November 2006

Spuren-Sicherung

 Von Monika Porrmann
"Mission fehlgeschlagen" lautet die Überschrift über einem Eintrag von "ResistantX" vom Juni 2005: "ich hab beschlossen es zu lassen. ich weiss nicht ob es das wirklich wert ist, ich weiss nicht ob ich im endeffekt wirklich was erreichen würde ..." http://resistantx.livejournal.com  Foto: Screenshot

Unmittelbar nach dem Amoklauf in Emsdetten begann ein Wettlauf zwischen Polizei und Netzgemeinde: Während die Ermittler sich abmühten, die virtuellen Spuren des Täters zu tilgen, sorgten Blogger für eine Weiterverbreitung von Original-Zitaten.

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Der Amokläufer von Emsdetten hat viele Spuren im Internet hinterlassen. Bastian B. war Blogger, betrieb seine eigene Website und beteiligte sich an Forendiskussionen. Unmittelbar nach der Tat begann ein Wettlauf zwischen Polizei und Netzgemeinde: Während einige Blogger, darunter Marcel Bartels, den "Abschiedsbrief" des Ex-Schülers dokumentierten, ließen die Behörden eine Seite nach der anderen sperren, auf denen sich "ResistantX" - so der Nickname von Bastian B. - im Web zu Wort gemeldet hatte.

"Seltsamer Umgang mit der Tat", findet Henning Schürig. "Statt genau die Hintergründe zu beleuchten, werden diese dadurch doch eher verschleiert. Will man das etwa?" Alex mutmaßt: "Offenbar wünscht man in der Öffentlichkeit eine möglichst faktenfreie Diskussion, in der man dann mit platten Verboten von Ballerspielen und ähnlichem Blödsinn, den Politiker derzeit fordern, punkten kann." An einer Analyse der Rechtslage versucht sich Ali Al-Zand auf unfehlbar.net; er kommt zu dem Schluss, dass es "nicht Aufgabe der Polizei ist, virtuelle Spuren von Attentätern zu löschen".

Sofern die Veröffentlichung von Daten die Ermittlungen behindern würden, sei eine Sperrung nachvollziehbar, meint Oliver Wagner. Spätestens nach deren Abschluss aber sollten sie wieder zugänglich gemacht werden - schon, um dem "Vereinfachungszwang" von Medien und Politikern zu entgehen, die sich nach der Tat allzu schnell auf ein Verbot so genannter Killerspiele eingeschossen hatten. "Vielleicht helfen uns die Spuren im Netz einen Blick hinter die Fassade zu werfen, vielleicht können wir die Gründe erahnen, Ideen finden, dies künftig früher zu erkennen, rechtzeitig zu begegnen?"

Oberstaatsanwalt Johannes Schweer, Pressedezernent bei der Staatsanwaltschaft Münster, rechtfertigt das Vorgehen der Polizei: "Wir wollten keine öffentlichen Lobpreisungen dieser Tat", erklärt er. In einigen Fällen habe es sich um Aufrufe zu Straftaten gehandelt, in anderen sei es um Beweissicherung gegangen. Zudem hätten einige Forenbetreiber einzelne Threads aus eigenem Antrieb gesperrt, sagt Schweer.

Allein um die Internet-Recherche im Fall Bastian B. kümmern sich laut Schweer 15 Beamte. Den Wettlauf mit der Blogosphäre gaben die Ermittler inzwischen auf: "Die im Internet vom Täter eingestellten Inhalte sind im Web so weit gestreut, dass diese immer wieder auftauchen und aufzufinden sind", so das Polizeipräsidium Münster. "Eine polizeilich veranlasste Sperrung/Blockierung ist aus diesem Grunde im Moment unmöglich."

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