Zehn Stunden neues Videomaterial laden Internetnutzer aus aller Welt bei Youtube hoch - pro Sekunde. Ein gigantischer Datenberg. Vor genau 40 Jahren haben drei Buchstaben gereicht, um das ganze, wenn auch kleine Netz lahmzulegen. Leonard Kleinrock und sein Team von der University of California in Los Angeles wollten das Wort "LOGIN" zum Stanford Research Institute übertragen. Es war die erste Internetverbindung zwischen zwei Computern an verschiedenen Orten. Beim Buchstaben "G" brach die Verbindung zusammen.
Videos hatte 1969 noch niemand im Sinn. Nicht einmal E-Mails. Die Forscher der Advanced Research Projects Agency (Arpa), einer dem amerikanischen Verteidigungsministerium zugehörigen Einrichtung, wollten ihre Computer nur vernetzen, um nicht an jedem Ort mehrere Großrechner aufstellen zu müssen.
In verschiedenen Regionen der Erde nimmt das Internet durchaus unterschiedliche Rollen ein. Während in den Industrienationen vor allem Streaming-Angebote zur Unterhaltung - also Videoportale wie Youtube - einen Großteil des Datenverkehr ausmachen, sieht das in Afrika anders aus. Hier ersetzt das Internet laut einer neuen Studie des kanadischen Unternehmens Sandvine das Telefon: Knapp 30 Prozent der afrikanischen Internetnutzer telefonieren über den Voice-over-IP-Dienst Skype, in Lateinamerika sind es immerhin noch 18 Prozent.
Der Studie zufolge, für die Daten von 24 Millionen Internetnutzern aus aller Welt ausgewertet wurden, verursachen die "Heavy Internet User" rund 200 Mal so viel Datenverkehr wie ein Durchschnittsnutzer. Sie tauschen besonders viele Dateien aus und nutzen das Netz besonders stark als Massenspeicher und als Back-up für den Fall eines Datenverlustes am eigenen Computer.
Die Marktforscher von Forrester Research sagen voraus, dass im Jahr 2013 bereits 2,2 Milliarden Menschen Zugang zum Internet haben werden. In Deutschland sind laut ARD/ZDF-Online-Studie 67 Prozent der Erwachsenen online. Bei den 14- bis 29-Jährigens sind es allerdings bereits 96 Prozent. Von ihnen sind 75 Prozent täglich online.
Für das tägliche Leben gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung: Jeder dritte deutsche "Onliner" sieht es bereits als "Primär-Medium an, um sich im Alltag zurechtzufinden", wie es in der ARD/ZDF-Studie heißt.
Insbesondere für unter 30-Jährige hat das Netz schon das Fernsehen abgelöst, wenn es um die "Erstinformation" geht.
Jugendliche nutzen die verschiedenen Internetdienste bereits ausgiebiger - bezogen auf dMinuten pro Tag - als jedes andere Medium. Mindestens 80 Prozent von ihnen sind Mitglied in einem Sozialen Netzwerk wie Facebook oder SchülerVZ. (pb)
Die Geräte der beteiligten Hochschulen waren jeweils auf bestimmte Aufgaben spezialisiert - wer etwa Grafiken berechnen wollte, musste das in Utah tun, Simulationen liefen auf dem Computer in Los Angeles. Das Internet sollte es den Wissenschaftlern erlauben, auch aus der Entfernung auf die anderen Rechnerkapazitäten zuzugreifen.
Dafür entwickelten sie die Idee eines dezentralen Netzwerks: Kein Computer sollte zur Zentrale werden, sondern nur ein Knotenpunkt, der bei einem Ausfall durch einen anderen ersetzt wird. Gewollter Nebeneffekt: Niemand kann das Netz vollständig kontrollieren. Mythos ist dagegen, dass dieses Netz dezentral aufgebaut wurde, damit es auch im Falle eines Atomschlags gegen die USA ein funktionstüchtiger Kommunikationskanal bleiben würde. Das Pentagon finanzierte damals die Grundlagenforschung, den spezifischen Auftrag, ein solches Netz aufzubauen, gab es nicht.
Der Ingenieur und Informatiker Kleinrock hat zum Jubiläum einen launigen Vortrag über die ersten Schritte des Internets veröffentlicht. Darin zeigt er alte Protokolle von den ersten Versuchen. Ziemlich oft steht da "es funktioniert nicht" oder "Nachricht kommt nur verstümmelt an". Der Eintrag vom 29. Oktober 1969, 22:30 Uhr, liest sich dagegen völlig unspektakulär: "Talked to SRI Host to Host". SRI steht für Stanford, und der Host-to-Host-Talk bedeutete nicht weniger, als das erstmals zwei Computer über eine Entfernung von 150 Kilometern kommuniziert hatten.
Lange Zeit blieb das Internet der Forschung vorbehalten. Das änderte sich erst 1989, als Tim Berners-Lee das World Wide Web erfand. Mit diesem System, das nur einer von mehreren Diensten ist, die über das Internet funktionieren, war es erstmals möglich, Dokumente in einem Netz zu einem Hypertext zu verknüpfen. Um diese Dokumente, die auf einem Server liegen, abrufen und darstellen zu können, benötigt man einen Browser. Der erste kam 1993 auf den Markt und machte das WWW und damit das Internet auch für Privatpersonen zugänglich.
Seitdem verdoppelt sich die Menge der übertragenen Daten jedes Jahr. Auf absehbare Zeit wird das auch so bleiben, glaubt Frank Orlowski vom DE-CIX, dem weltweit zweitgrößten Internetknoten in Frankfurt am Main: "Technologisch ist ein Ende nicht in Sicht." Bereits jetzt erreicht man beim DE-CIX einen Datendurchsatz von einem Terabit pro Sekunde. Das entspricht dem Inhalt von rund 25 DVDs.
Genaue Vorhersagen traut sich Orlowski nicht zu: "Ähnlich, wie wir vor zehn Jahren mit rauschenden Modems dagesessen haben und uns kein Web 2.0 mit seinen Mitmach-Angeboten vorstellen konnten, so wenig können wir uns nun vorstellen, wie die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren aussehen wird", sagt Orlowski. "Ich prognostiziere aber, dass das Internet dann eine Basis-Infrastruktur ist, so selbstverständlich wie Strom und Wasser."
Leonard Kleinrock, heute 76 Jahre alt, ist vom Siegeszug des Internets überwältigt. Vieles hatte der Pionier vorausgesehen, vor allem die enorme wirtschaftliche Bedeutung, die das Netz einst haben würde. Das gesellschaftliche Potenzial dagegen hatte er unterschätzt. Dass "seine" Erfindung einst die weltweite Kommunikation verändern würde, über Internet-Telefonie, soziale Netzwerke, Chats und E-Mails, hatte er nicht erwartet. "Für mich ging es nur darum, Computer mit Computern sprechen zu lassen, nicht Menschen mit Menschen."Heute bedauert er nur, nicht von Anfang an über Sicherheitsmaßnahmen nachgedacht zu haben. Wenn er das Netz noch einmal neu erfinden könnte, würde er ein strenges Authentifizierungssystem integrieren: "In den Anfangstagen kannten wir uns alle gegenseitig, wir haben uns vertraut. Wir hätten aber einen Weg finden sollen, um jeden Nutzer eindeutig identifizieren zu können", sagte der Professor jüngst in einem Interview.
Die Anonymität sei heutzutage perfekt, natürlich auch "für die dunkle Seite" - er meint Cyberkriminelle, Pädophile, Spammer. Außerdem kritisiert er, dass das Internet "nicht den Gesetzen aller Länder gehorcht."
Diese Meinung muss man nicht teilen. Rund 1,7 Milliarden Menschen haben nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom mittlerweile Zugang zum weltumspannenden Netz. Nicht wenige von ihnen dürften gerade die Anonymität und Freiheit im Internet als dessen größte Stärken ansehen.

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