Allen Barr scheint ein großes Herz zu haben. 700 Dollar hat er kurz vor Weihnachten an Wohltätigkeitsorganisationen überwiesen. Dumm nur, dass er das gar nicht wollte. „Es war schrecklich. Wir mussten unser Konto schließen.“ Der Rentner ist Kunde der Sicherheitsberatungsfirma Stratfor, die Opfer eines Hackerangriffs wurde. Die Online-Aktivisten Anonymous wollen 200 Gigabyte sensibler Daten gestohlen haben, darunter Zugangsdaten für 90.000 Kreditkarten.
Wer am Samstag die Stratfor-Webseite aufrief, sah ein seltsames Banner: „Merry Lulzxmas! Seid ihr bereit für eine Woche Chaos?“ LulzSec heißt eine Hackergruppe, mit Verbindungen zu Anonymous. Am Montag reagierte Stratfor: Die Seite sei „wegen Wartungsarbeiten vorübergehend geschlossen“.
Auf Twitter veröffentlichte ein Mitglied von Anonymous die „jetzt nicht mehr so private und geheime“ Liste von 4002 Stratfor-Kunden, darunter das US-Verteidigungsministerium, die UN und Firmen wie Apple und Microsoft. Es sei nur ein Bruchteil der gestohlenen Daten, man habe genug Material, um den Spaß noch eine Woche fortzusetzen. Mehr als eine Million US-Dollar sollen für wohltätige Zwecke gespendet werden. Als Beleg veröffentlichten die Hacker Screenshots der getätigten Überweisungen.
Das Geld ist weg
Doch die Krux bei Anonymous steckt schon im Namen: Niemand weiß genau, wer alles dazu gehört, und so kann sich eigentlich jeder als Anonymous ausgeben. Wer letztendlich verantwortlich war, dürfte Stratfor gleichgültig sein. Gute Werbung war es jedenfalls nicht, bietet das Unternehmen laut Eigendarstellung doch „einzigartige Einblicke in politische, wirtschaftliche und militärische Entwicklungen“, um die Risiken für seine Kunden zu reduzieren.
Anonymous erklärte, Stratfor habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, die sensiblen Informationen auf den eigenen Servern zu verschlüsseln. George Friedman, Chef von Stratfor, bestätigte den Angriff und sagte, ihm liege die Vertraulichkeit aller Kundendaten sehr am Herzen. Nun wolle er die Hacker ausfindig machen.
Das Geld von Allen Barr ist auf jeden Fall weg. Aber vielleicht freuen sich ein paar Menschen, die es wirklich nötig haben.
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