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Unerwünschte Werbung: Milde Strafe für den Spam-König

Wenn es um Superlative geht, kennen Australien und Neuseeland keine Freundschaft. Jeder beansprucht die Besten und Größten für sich - auch wenn es Kriminelle sind. Von Sissi Stein-Abel

Lance Thomas Atkinson hatte zigtausende Rechner in seiner Gewalt und versendete unzählige Spammails.
Lance Thomas Atkinson hatte zigtausende Rechner in seiner Gewalt und versendete unzählige Spammails.
Foto: ddp

Wenn es um Superlative geht, kennen Australien und Neuseeland keine nachbarschaftliche Freundschaft. Jeder beansprucht die Besten und Größten für sich, egal ob es edle oder üble Zeitgenossen sind. So kommt es, dass der "Kiwi King of Spam" ein und dieselbe Person ist wie der "Sunshine Coast King of Spam". Bei diesem Lance Thomas Atkinson, den das Bundesgericht in Brisbane nun für seine Taten als angeblich unverschämtester E-Mail-Spammer der Welt zu 130.000 Euro Geldstrafe und sieben Jahren Spam-Bewährung verurteilte, ist es wie einst beim Wunderwallach Phar Lap: Er wurde in Neuseeland geboren, lebt aber in Australien.

Im Gegensatz zu dem Rennpferd, das von Sieg zu Sieg galoppierte, ehe es 1932 einen unaufgeklärten Gifttod starb, hat der 26-jährige Internet-Kriminelle die Massen nicht begeistert, sondern auf die Palme gebracht. Auf dem Höhepunkt seines Wirkens in der wundersamen Welt des Internets kontrollierte er ohne das Wissen der Besitzer, die sich um Virenschutz und Sicherheitsupdates nicht kümmerten, ein sogenanntes Botnetz von 35.000 Rechnern.

Über diese Zombie-Computer verschickte er mit seinen Helfern, die er weltweit rekrutiert hatte, täglich zehn Milliarden E-Mails, ein Drittel des elektronischen Mülls weltweit. Server in China betreuten die mit den Mails verlinkten Websites, auf denen Naturheilmittelchen, Uhren-Imitationen, Pillen für ein besseres Sexleben und Penisverlängerungen angepriesen wurden. Die teils gesundheitsgefährdenden Medikamente, darunter ein verunreinigtes Möchtegern-Viagra, wurden in Indien hergestellt und versandt. Die Kreditkarten-Transaktionen liefen über Georgien und Zypern.

140.000 Beschwerden waren nur die Spitze des Eisbergs

Bei der australischen Kommunikations- und Medienbehörde Acma allein gingen 140.000 Beschwerden ein, und das war nur die Spitze des Eisbergs. Bei der Gerichtsverhandlung vor einer Woche gab der Kiwi-Aussie, der sich hinter einer dicken Sonnenbrille und seinem ähnlich getarnten Anwalt versteckte, sein unsägliches Treiben zu. Der Urteilsverkündung durch Richter Andrew Greenwood am Dienstag blieb er fern.

In den USA wurde Atkinson bereits zu umgerechnet elf Millionen Euro Strafe verurteilt. Um das Land wird er wohl künftig einen Bogen machen. Die 50.000 Euro Strafe, die ihm der Oberste Gerichtshof in seiner Heimatstadt Christchurch aufbrummte, hat er dagegen bereits bezahlt. Die Strafe fiel so milde aus, weil Neuseeland erst seit 2007 ein Anti-Spam-Gesetz hat. Da sich Atkinson kooperativ zeigte, kam er auch in Brisbane mit einem blauen Auge davon. Die 130.000 Euro, die Richter Greenwood verhängte, entsprachen dem Antrag der Verteidigung. Lance Atkinson gab den illegalen E-Mail-Versand an 61 Tagen während eines Zeitraums von 14 Monaten zu.

Die Höchststrafe für den Versand unerwünschter Werbe-Emails liegt in Australien bei 1,54 Millionen Euro. Die würden fällig, sollte sich der "King of Spam" vor Ablauf der siebenjährigen Frist beim Mail-Müllverbreiten erwischen lassen.

Wiederholungstaten liegen übrigens in der Familie. Atkinsons Bruder Shane ist seit 2003 als Spammer bekannt und soll auch in den neuesten Fall verwickelt sein. Vermutlich bezahlen die Postfach-Verstopfer ihre Strafen aus der Portokasse. Aber niemand weiß wirklich, wie reich sie durch ihren Müllversand geworden sind.

Autor:  Sissi Stein-Abel
Datum:  22 | 12 | 2009
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