Was weiß Google über uns?
Eine Menge: Google speichert auf seinen Servern alle Anfragen an die Suchmaschine und welche Links dann angeklickt werden. Google liest zudem automatisiert alle E-Mails mit, die über Googlemail verschickt werden und sucht nach werberelevanten Schlagwörtern. Der Konzern weiß, welche Orte wir über Google Maps oder Google Earth suchen, was wir bloggen, wenn wir die Plattform Blogspot benutzen, welche Youtube-Videos wir sehen und sogar, was auf unserer Festplatte zu finden ist, wenn wir Google Desktop installiert haben. Google speichert unsere Bilder, die wir bei Picasa hochladen, welche Termine wir haben, wenn wir Googles Kalender benutzen, welche Briefe wir schreiben, wenn wir Google Docs benutzen. Und wenn wir ein Smartphone mit Android-Betriebssystem haben, weiß Google mindestens, welche Applikationen wir benutzen und wo wir sind, wenn wir das GPS-Modul nicht ausschalten.
Bespitzelte Beschäftigte, Datenklau im Internet, Elena, Swift, Steuersünder-Datei - wie gläsern sind wir eigentlich? Mehr im Spezial zum Datenschutz.
Verknüpft Google das zu einem Profil?
Je nachdem. Wer ein Account unter seinem Namen bei Google einrichtet, von dem gibt es auch ein Profil. Für alle anderen gilt: Google legt keine Ordner an mit den Namen der Nutzer, in denen alle ihre Daten gespeichert sind. Als Person sind wir für den Konzern uninteressant, er will nur zielgerichtete Werbung verkaufen und benötigt dafür vor allem die Information, wo wir uns gerade befinden oder wonach wir in der Vergangenheit gesucht haben. Wer aber die entsprechende Option auf seinem Android-Handy freigibt, bekommt bei der Google-Suche nach einer Pizzeria automatisch solche angezeigt, die in der Nähe seines Aufenthaltsortes liegen. Hier werden also Suchbegriff und Aufenthaltsort verknüpft.
Wie lange speichert Google die Daten?
Die Daten von Suchanfragen speichert das Unternehmen für 18 Monate, die IP-Adresse, mit der ein Nutzer dabei im Netz unterwegs war, neun Monate lang.
Ist die Speicherung nach deutschem Recht zulässig?
Darüber gehen die Meinungen auseinander, erklärt Lutz Prechelt, Informatik-Professor an der Freien Universität Berlin. Eine klare gesetzliche Regelung gibt es nicht, unterschiedliche Gerichte sind zu unterschiedlichen Urteilen gekommen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob es sich bei gespeicherten IP-Adressen um personenbezogene Daten handelt. Das sei nicht der Fall, meinen einige Juristen, weil nur Internetprovider wie T-Online die Adressen konkreten Personen zuordnen können, im Normalfall den Inhabern des jeweiligen Internetanschlusses. Andere Richter vertreten eine strengere Auffassung und meinen, dass IP-Adressen nur unter strengen Auflagen gespeichert werden dürfen.
Kann ich es verhindern – und trotzdem Google-Produkte nutzen?
Wie viel wir Google verraten, entscheiden wir selbst: Dienste wie Picasa oder Blogspot erfordern einen Google-Account. Solange wir damit eingeloggt sind, kann Google genau zuordnen, was wir mit welcher Google-Anwendung tun. Deshalb wäre eine erste Vorsichtsmaßnahme, sich auszuloggen, sobald man die jeweilige Anwendung nicht mehr benötigt.
Zweitens bietet Google einen Weg an, um einen groben Überblick darüber zu erhalten, was das Unternehmen über uns weiß: das Dashboard. Es ist erreichbar über google.com/dashboard und erfordert den Log-In über einen Google-Account. Dort werden die populärsten Google-Dienste, die man nutzt, aufgelistet. Manche Daten kann man direkt löschen – etwa, wonach man zuletzt suchte.
Drittens gibt es mehrere Wege, Google-Produkte zu benutzen, ohne allzu viel über sich preiszugeben. Die Suchmaschine etwa kann man auch über scroogle.org aufrufen. Diese Seite schaltet sich zwischen Nutzer und Google-Suchmaschine und verhindert, dass Google seinen Cookie setzt, an dem es einen Benutzer wiedererkennt oder an dessen IP-Adresse gelangt. Googlemail und Blogspot kann man mit Pseudonym nutzen. Bei Android-Handys lassen sich GPS und ortsgebundene Suche ausschalten. Googles Cookies kann man – auch automatisiert − nach jeder Internetsitzung im Browser unter „Extras“ (gilt für Firefox und Internet Explorer) löschen oder gleich blocken.
Was wird Google in Zukunft von uns wissen wollen?
Für Street View gibt es noch kein Geschäftsmodell. Es wird aber darauf hinauslaufen, in irgendeiner Form ortsbezogene Werbung zu verkaufen. Die wird immer wichtiger, da mehr Menschen Smartphones besitzen, die GPS- und internetfähig sind. Wie viele aber bereit sein werden, ihre Position ständig bestimmen zu lassen, um Geschäfte in der Nähe angezeigt zu bekommen, ist ungewiss.
Konkurrenz für Street View
Google ist weder der erste noch der einzige Anbieter, der Straßenansichten und Rundum-Panoramen zur Verfügung stellt. Es gibt Konkurrenten:
Sightwalk ist seit April 2009 online. Sieben Städte können derzeit virtuell durchwandert werden: Bonn, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Zwar stehen nicht alle Straßen zur Verfügung, zumindest aber die Sehenswürdigkeiten, die großen Plätze und Straßen sowie einige Wohngegenden. Im Gegensatz zu Google aktualisiert Sightwalk die Aufnahmen zwar selektiv, aber regelmäßig, sagt der Vertriebsdirektor von Sightwalk, Leon Fuller. Hinter dem Projekt steht das Unternehmen Panogate, das seinen Sitz in Köln hat. Schon vor zwei Jahren, als auch Googles Fahrzeuge begannen, Deutschland zu fotografieren, schickte Panogate seine Kameras durchs Land. Etwa eine Million Zugriffe verzeichnet Sightwalk nach eigenen Angaben pro Monat.
Microsoft Bing gewährt tiefe Einblicke mit seinem eigenen Kartendienst im Internet. Die sogenannte Vogelperspektive zeigt Aufnahmen, die aus Flugzeugen heraus gemacht wurden. Weil der Betrachter nicht direkt, sondern schräg von oben auf die Landschaft schauen kann, sind Details gerade in Hinterhöfen oder Gärten erkennbar, die von der Straße aus nicht zu sehen sind.
e-rent gehört zu den lokal begrenzten Anbietern von Panoramabildern. Der Kölner Immobilienhändler bietet auf seiner Internetseite Videoaufnahmen aller Straßen in den Städten Bonn, Düsseldorf und Köln. Teils sind sogar Autokennzeichen sichtbar. (xjos)

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