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04. März 2009

Weisheit der Massen: Facebook in der Firma

 Von HANS GEORG SCHRÖTER
IBM-Stand auf der Cebit. Beschäftigte des Konzerns nutzen längst Web-2.0-Software und geben anderen Firmen ein Beispiel. Foto: dpa

Das Mitmach-Web zieht in die Unternehmen ein: Junge Leute pochen auf "ihre" Software.

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Junge Leute, die in der Freizeit in sozialen Netzwerken wie Facebook unterwegs sind, Blogs schreiben oder sich per Instant Messenger austauschen, finden an ihrem Arbeitsplatz meist eine ganz andere Welt vor. Papier, Telefon und Email bestimmen dort den Alltag. Das wird sich ändern. Weil die Internet-Generation sich nicht gern vorschreiben lässt, womit sie arbeiten soll. Und weil Software-Anbieter das Web 2.0 in die Unternehmen tragen möchten.

Der IT-Riese IBM sieht sich dabei als Vorreiter. Er bietet Produkte wie Lotus Connections an, die sich in die vorhandene IT-Welt eines Unternehmens einpassen lassen. Der Konzern will Firmenkunden davon überzeugen, dass sich sogenannte Social Software auszahlt und preist sie unter dem Schlagwort Enterprise 2.0 an.

Im Web 2.0 sind die Nutzer nicht nur Leser oder Zuschauer, sondern steuern auch Inhalte bei. Diese reichen vom persönlichen Profil über Beiträge in Blogs bis zu Fotos und Videos.

Solche Methoden des privaten Mitmach-Web will IBM nutzen, um Firmen auf den Weg zum "Mitmach- und Mitdenk-Unternehmen" zu bringen. Die Arbeit im "Unternehmen 2.0" soll "smarter" werden, die Beschäftigten sollen sich stärker engagieren. Statt eines Telefonverzeichnisses gibt es dann Profile. Sie enthalten nicht nur Name, Telefonnummer, Email-Adresse oder die Position in der Firma, sondern auch Hinweise etwa auf Blogs, an denen die Person interessiert ist. Das macht es leichter, einen Experten für eine bestimmte Aufgabe im Unternehmen zu finden und Beziehungen untereinander aufzubauen.

Andere Werkzeuge wie Communities oder Wikis erleichtern die Zusammenarbeit in Teams, auch über regionale oder Abteilungsgrenzen hinweg. Sie sollen Beschäftigte mit anderen Beschäftigten und deren Ideen verbinden, um verborgenes Wissen zu entdecken und die "Weisheit der Massen" nutzbar zu machen. "Durch Blogs, Wikis, Instant Messaging und virtuelle Arbeitsräume können Kreativarbeiter und Teamplayer, aber auch Sachbearbeiter und Produktmanager ihre Herausforderungen um einiges effizienter lösen - und haben auch noch Spaß dabei", verspricht der deutsche IBM-Topmanager für Software, Stefan Höchbauer.

Big Blue, wie der US-Konzern auch genannt wird, setzt längst auch selbst Social Software für Kommunikation und Zusammenarbeit ein. So enthält etwa das Mitarbeiterverzeichnis Blue Pages inzwischen Fotos, mehrere Hunderttausend Profile sind gespeichert. Blogs gibt es bei IBM seit etlichen Jahren, inzwischen sind es Zehntausende. Das interne Bookmark-System Dogear ("Eselsohr") bietet mehr als 300 000 Empfehlungen.

So weit sind aber erst wenige Unternehmen. In Deutschland hat die Ausrichtung auf Enterprise 2.0 nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom in den meisten Firmen erst begonnen. Als Hürden nannten die befragten Entscheider vor allem zu hohen Aufwand und Sicherheitsrisiken. Weniger Probleme sahen sie bei der Bereitschaft der Mitarbeiter, die neuen Technologien zu nutzen.

Ältere Beschäftigte dürften es zumindest anfangs schwerer haben in "Mitmach"-Unternehmen. Bei der Internet-Generation werden sie aber offene Türen einrennen. Mindestens jeder dritte Berufstätige im Alter bis 32 Jahre nutzt bereits Instant Messaging und Co bei der Arbeit, ergab eine Umfrage der Managementberatung Accenture. Etwa jeder zweite tue dies ohne Wissen seines Arbeitgebers. "Sie bringen die Technologie ins Unternehmen mit, die sie auch privat überzeugt", sagt Accenture-Manager Tönnies von Donop und rät Unternehmen, ihnen entgegen zu kommen. Sonst riskierten sie, motivierten und qualifizierten Nachwuchs zu vergraulen.

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