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08. Januar 2008

Wiki Search: Angriff auf den Welt-Detektiv

 Von FLORIAN BRÜCKNER
Suchmaschinen erschließen Weltwissen und vernetzen Computer und ganze Bibliotheken. Foto: dpa

Die neue Suchmaschine des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales soll Google Konkurrenz machen - doch Experten sind enttäuscht.

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Wikia Search

Die Alpha-Version der neuen Suchmaschine: http://search.wikia.com/

David hat den ersten Kampf gegen Goliath verloren. Das ist die Bilanz, die Experten am Montag nach dem Start der Internet-Suchmaschine Wikia Search ziehen. "Ich bin maßlos enttäuscht", sagt Dirk Lewandowski, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Dabei hatte Jimmy Wales, Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia, angekündigt, mit Wikia Search den Branchenprimus Google anzugreifen.

Dessen Marktanteil liegt in den USA bei rund 65 Prozent - Tendenz seit Jahren steigend. Dass Google in Deutschland nicht weiterwächst, liegt schlicht daran, dass dies bei einem geschätzten Marktanteil von rund 90 Prozent nicht mehr möglich ist, wie Lewandowski meint. Deutschlands Internetnutzer suchen nicht im Netz nach Informationen, sie googeln danach . "Google hat sich als Standard durchgesetzt", sagt Wolf-Tilo Balke, der sich in Hannover mit Zukunftstechnologien befasst. Gerade wegen der Marktmacht - dank der die gleichnamige US-Firma im dritten Quartal 2007 etwa vier Milliarden Dollar Umsatz erzielt hat - stieß Jimmy Wales’ Ankündigung, mit Wikia Search den Markt aufzumischen, auf breite Resonanz.

Warnrufe der Wissenschaft

Schließlich sei es nicht hinnehmbar, so etwa eine vom österreichischen Verkehrsministerium mitfinanzierte Studie aus dem Jahr 2007, dass ein Unternehmen mehr wisse, als alle Institutionen in der menschlichen Geschichte zuvor. Google, so die Studie weiter, werde zum größten Detektivbüro der Welt. "Es kann nicht sein, dass Google uns die Sicht der Welt definiert. Zumal Google schon qua Gesetz dazu verpflichtet ist, sich um das Wohl seiner Aktionäre zu kümmern und nicht um das der Allgemeinheit", fasst Norbert Fuhr, Informatik-Professor an der Universität Duisburg-Essen die Warnrufe vieler Wissenschaftler zusammen. Denn immer mehr gilt: Was nicht gegoogelt werden kann, wird auch nicht gefunden - und spielt damit keine Rolle mehr.

Immerhin erfasst Googles Suchmaschine mehrere Milliarden Internetseiten. Ausgefeilte Programme sollen dafür sorgen, dass der Suchmaschinennutzer genau das findet, was er sucht. Unklar ist, nach welchen Kriterien Googles Raster Inhalte bewertet und sortiert. Das ist geheim. Genau an diesem Punkt, der fehlenden Transparenz, will Wales mit seiner Suchmaschine ansetzen. Deren Suchprogramme sind bei jedem Rechercheergebnis einsehbar. Außerdem sollen nicht nur Programme, sondern Menschen mit über die Relevanz von Webseiten entscheiden. Googles Rechenpower soll - ganz nach dem Vorbild von Wikipedia, mit der Wikia organisatorisch nichts zu tun hat - von einer freiwilligen Nutzergemeinschaft geschlagen werden. Mit dem Modell einer Mitmach-Suchmaschine hat Wales Werbung gemacht.

Am Montag aber schauten Nutzer, die Inhalte bewerten wollten, in die Röhre. Denn "diese wesentliche Funktion ist noch nicht freigeschaltet worden", wie Professor Lewandowski vermutet. Jimmy Wales sagt der FR dazu am Montagabend: "Wir hatten einige technische Probleme, die aber in einigen Stunden behoben sein sollten."

Lewandowskis Urteil über Wikia Search fällt dennoch ernüchternd aus: "So hätte Wikia nicht auf den Markt gebracht werden dürfen." Denn unabhängig von fehlenden Funktionen komme bei "egal welcher Anfrage nichts Gescheites heraus". Ein Grund: Zurzeit biete Wikia nur einen Überblick über 50 Millionen Seiten. Nötig seien aber einige hundert Millionen. Laut Wikia-Gründer Wales liegt die Zahl höher, hat aber die 100 Millionen-Grenze noch nicht erreicht. Bereits in den kommenden Wochen werde das Angebot größer ausfallen.

Zum Vorwurf, Wikia Search sei zu früh auf den Markt geworfen worden, sagt Wales: "Es dreht sich alles um die Beteiligung der Öffentlichkeit. Als Open-Source-Projekt müssen wir es der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, damit es verbessert werden kann." Auf engagierte Freiwillige setzt Wales auch bei der Einbindung weiterer Sprachen. Bis dato kann nämlich fast nur mit englischen Begriffen gearbeitet werden. Wales ist zuversichtlich, dass dies in wenigen Monaten anders sein wird.

Das muss es auch, wenn Wikia der Gefahr entgehen will, dass sich angesichts all der Unzulänglichkeiten Nutzer von der Suchmaschine abwenden - und sich so der menschliche Vorteil gegenüber Google in Luft auflöst. So oder so meinen Experten, dass Wikia nicht an Googles Thron rütteln wird. Das Warten auf einen neuen David im Kampf gegen den Suchmaschinen-Goliath geht weiter.

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