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Wikileaks: Geheimnisverräter im Streik

Wikileaks macht auf die prekäre Lage der spendenfinanzierten Enthüllungs-Plattform aufmerksam. Geld wollen die Betreiber aber nicht von jedem haben. Von Patrick Beuth ( Mit Video)

Spendenaufruf auf wikileaks.org.
Spendenaufruf auf wikileaks.org.
Foto: Screenshot

Im Internet gelten sie als Vorbilder, als wahre Kämpfer für das Gute, doch seit einigen Tagen sind die Wikileaks-Macher erstmal im Streik. Es ist eine Handvoll Idealisten, die seit 2006 eine Plattform betreiben, auf der jeder im Schutze der Anonymität Dokumente einstellen kann, die eigentlich nie für die Öffentlichkeit gedacht waren. Aber jetzt wollen sie ein anderes Ausrufezeichen setzen.

Im vergangenen Jahr schaffte Wikileaks auch in Deutschland den endgültigen Durchbruch, etwa mit der Enthüllung der Toll-Collect-Verträge und dem Feldjägerbericht zur Tanklaster-Bombardierung in Kunduz. Dokumente, die andere Medien gerne nutzten, um ihre Auflagen und Reichweiten zu steigern. Mit dem Streik, der vorerst nur bis zum 11. Januar dauern soll, wollen die "Robin Hoods des Internets", wie die Wikileaks-Betreiber schon genannt wurden, auf ihre Rolle, ihre Relevanz und ihren Geldmangel hinweisen.

Die fünf Vollzeitkräfte, die vor allem versuchen, das viele Material auf Authentizität zu überprüfen, und auch ihre etwa 800 Zuträger arbeiten ehrenamtlich. Wikileaks ist nicht-kommerziell. Anfangs hatten die zentralen Macher noch reguläre Jobs. Mittlerweile benötigt ihr Projekt aber so viel Zeit, dass manche von ihnen ihre Stellen kündigten und nun von ihrem Ersparten leben. Das aber geht zur Neige, während die Kosten unter anderem für Serverkapazitäten ständig steigen, weil das Portal immer populärer wird.

Deshalb sind die Geheimnisverräter in den Streik getreten, der noch bis Anfang nächster Woche andauern soll. Auf wikileaks.org ist derzeit nur eine Erklärung zu sehen - und eine Aufforderung, das Portal mit Geldspenden oder technischer Unterstützung am Leben zu halten. 200.000 Dollar brauchen die Macher nach eigenen Angaben pro Jahr allein für Technik und Verwaltung, 600.000, wenn die Mitarbeiter dauch bezahlt werden sollen.

Warum das gut angelegtes Geld wäre, schreiben sie auch, als eine Art Appetizer: "Wir haben Hunderttausende Seiten Papier über korrupte Banken, den Umgang der USA mit Gefangenen, den Irakkrieg, China, die Vereinten Nationen und viele andere, die wir derzeit wegen fehlender Ressourcen nicht veröffentlichen können. Du kannst das ändern - und damit auch die Welt verändern."

Einige Stimmen im Internet fordern Medienunternehmen auf, die Plattform zu unterstützen, der sie viele ihrer Storys verdanken. Doch Wikileaks legt sich selbst Hürden in den Weg: Spenden von Unternehmen oder Behörden nehmen die Betreiber nicht an - aus Angst, dann nicht mehr als unabhängig zu gelten. Sie setzen stattdessen auf Privatpersonen und eine Förderung durch die Wau Holland Stiftung, die aus dem Dunstkreis des Chaos Computer Clubs entstanden ist. Echte Idealisten nehmen eben nur Geld von anderen Idealisten.

Autor:  Patrick Beuth
Datum:  8 | 1 | 2010
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