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Analyse des Auftritts bei Anne Will: Nachhilfe für Angela Merkel

"Wir wissen, dass unsere Kurzarbeit hilft. Und ich bin dankbar für jedes Unternehmen, was sagt, ich versuche über diese schlechte Auftragslage mit der Kurzarbeit zu kommen. Denn unser größter Schatz in Deutschland, das sind die Facharbeiter, das ist die Qualifikation."

Zwei, drei Mal erwähnte Merkel die Kurzarbeit. Aber sie patzte dennoch, weil sie nicht ein einziges Mal den Menschen erklärt, dass die Regierung die Kurzarbeit wegen der Krise auf 18 Monate verlängert hat und sich das viel Steuergeld kosten lässt. Neben der Abwrackprämie ist die Kurzarbeit der zweite sichtbare Erfolg der Krisenbekämpfung.

Aber was kommt danach, wenn die Menschen trotzdem in die Arbeitslosigkeit entlassen werden? Kein Wort von Merkel. Doch genau das treibt die Menschen um. Was, wenn wir zu den Verlierern zählen, was wenn wir auch in einem Jahr noch keinen neuen Job haben? Warum hat sie nicht gesagt: Wir werden es nicht zulassen, dass die Qualifikation der Menschen wegen der Krise an Wert verliert.

Deutschland braucht die Facharbeiter und meine Regierung wird alles Geld zur Verfügung stellen, damit sie sich in der Krisen-Arbeitslosigkeit weiterbilden können, ja notfalls wird der Staat Beschäftigungsgesellschaften einrichten, damit sie ihr Know-How nicht verlieren. Auch das wäre eine starke Botschaft gewesen.

"Ich möchte, dass dieses Land weiter Exportweltmeister bleiben kann."

Dieser Wunsch kam als erster wie aus der Pistole geschossen, danach folgten Wohlstand und Sicherheit. Und dieser erste Wunsch war der absolute Tiefpunkt der Talkshow - zumindest aus volkswirtschaftlicher Sicht.

Erstens kann sich Deutschland für den Titel "Exportweltmeister" herzlich wenig kaufen. Er sagt nichts über den Wohlstand im Land aus. Zweitens überrundet China Deutschland sowieso. Drittens und am wichtigsten: Gerade die Fixierung der deutschen Wirtschaftspolitik auf den Export hat die Krise verschärft.

Zum einen, weil es Deutschland jetzt stärker trifft als Länder, die eine ausgewogenere Struktur zwischen Binnen- und Außennachfrage haben. Zum anderen, weil die globalen Ungleichgewichte, deren Spannung sich jetzt entlädt, viel mit Staaten zu tun haben, die über ihre Verhältnisse gelebt haben wie Amerika, England oder Spanien.

Aber spiegelbildlich gab es Staaten wie Deutschland, China und Japan, die unter ihren Verhältnissen gelebt, zu viel gespart und deshalb horrende Leistungsbilanzüberschüsse angehäuft haben. Die Krise müsste selbst die Kanzlerin gelehrt haben, dass weder das eine noch das andere Geschäftsmodell nachhaltig ist.

Mitarbeit: Wolf Perina

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Autor:  Robert von Heusinger
Datum:  25 | 3 | 2009
Seiten:  1 2
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