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Analyse des Auftritts bei Anne Will: Nachhilfe für Angela Merkel

"Ja, ich glaube schon", antwortet Angela Merkel auf die Frage von Anne Will, ob sie die richtige Kanzlerin in der Krise sei. Definitiv nicht, sagt Robert von Heusinger. Ein Crashkurs in Sachen Krise und Volkswirtschaft.

Angela Merkel in der Talkshow von Anne Will.
Angela Merkel in der Talkshow von Anne Will.
Foto: ddp

Keine zwölf Stunden, nachdem die Kanzlerin ihren letzten Satz bei Anne Will gesprochen hat, überschlagen sich die Hiobsbotschaften. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute und Banken revidieren ihre Prognosen für Wachstum und Arbeitslosigkeit drastisch nach unten, auf bis minus sieben Prozent Wachstum für 2009 und fünf Millionen Arbeitslose im nächsten Jahr. Es besteht kein Zweifel: Deutschland erlebt die schlimmste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren. Und was sagt die Kanzlerin?

"Ich werde die Krise so meistern, dass Deutschland gestärkt aus dieser Krise hervorgeht."

Hiobsbotschaften en masse
Mitreden

Die Commerzbank setzt sich an die Spitze der Konjunkturpessimisten: Sie sagt für 2009 einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von sechs bis sieben Prozent voraus. Drei Jahre Aufschwung der großen Koalition wären mit dem Einbruch 2009 vernichtet.

Die Institute IMK und RWI korrigierten ihre Prognosen deutlich. Das IMK erwartet ein Minus von fünf, das RWI von 4,3 Prozent. Für 2010 erwarten sie nur ein Mini-Wachstum.

Die Arbeitslosigkeit wird deshalb auch im nächsten Jahr weiter steigen. "Ende 2010 werden wir nicht mehr weit weg von fünf Millionen sein", sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. Auch hier hieße es für die große Koalition: Zurück auf Los.

Hauptgrund für die Revisionen sind die zuletzt veröffentlichten Auftragseingangs- und Produktionsdaten für Januar. Sie sind mit einer Dramatik eingebrochen, die ohne Beispiel in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist.

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Das ist hübsch gesagt, doch die Kanzlerin verschweigt, wie sie das schaffen will. Schlimmer noch, die Kanzlerin hat es versäumt, den Menschen Mut zu machen und Hoffnung zu spenden, damit sie nicht noch unsicherer werden angesichts der Hiobsbotschaften. Damit sie nicht noch mehr sparen und die Krise damit unnötig verschärfen. Das war der kardinale Fehler der ganzen Stunde Talkshow - damit hat sich Merkel als Krisenkanzlerin diskreditiert.

Denn Wirtschaft ist zu einem guten Teil Psychologie. Deshalb hätte Frau Merkel zum einen Mut machen müssen und die Stärken der deutschen Volkswirtschaft betonen müssen: die starke Position des Landes bei hochwertigen Industriegütern oder den international geringen Schuldenstand, der dem Land bei der Bewältigung der Krise viel mehr Spielraum gewährt als zahlreichen Nachbarländer haben.

Plaßmann karikiert die Finanzkrise

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Sie hätte sagen müssen, dass die Menschen sich viel weniger Sorgen um Vermögensverluste machen müssen als anderswo. Denn weder kannte Deutschland eine Immobilienblase, die jetzt platzt, noch hängen die Renten in Deutschland an der Entwicklung der Kapitalmärkte, dank des Umlageverfahrens der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Gefahr, dass in Deutschland die Alten wie in England wegen der Krise länger schuften müssen, besteht nicht.

Nach dem Mut wäre die Hoffnung dran gewesen. Merkel hätte die Erfolge ihrer Regierung zur Stimulierung der Wirtschaft raushängen lassen müssen, etwa die sensationelle Wirkung der Abwrackprämie. Schaut her, wir können Krise, hätte das Motto lauten müssen. Doch die Kanzlerin sagt:

"Und deshalb glaube und hoffe ich, dass wir die richtigen Bedingungen gesetzt haben."

Fürchtet Euch nicht, wäre die richtige Botschaft gewesen. Wir haben noch Pfeile im Köcher. Ich werde nicht zulassen, dass die Krise sich durchfrisst, dass die Krise das Land und seine Menschen arm macht, hätte eine Krisenkanzlerin mit fester Stimme gesagt. Doch Merkel geht genau den anderen Weg. Sie wiegelt ab:

"Ich lasse mir jetzt nicht von Briten und Amerikanern sagen, wir geben nicht genug Geld aus, wir machen nicht genug Schulden."

Kennern der transatlantischen Verstimmungen ist klar, dass sie damit bei der Frage erst Konjunkturpakete oder erst Finanzmarktregulierung einen Punkt machen wollte. Doch das interessiert die Menschen an den Fernsehschirmen wenig. Sie wollen wissen, ob im Notfall noch mehr Unterstützung durch den Staat drin ist.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Antwort eindeutig: na klar. Eine Krise wie die gegenwärtige lässt im Schnitt die Staatsverschuldung um 80 Prozentpunkte steigen, hat der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds Kenneth Rogoff anhand historischer Daten berechnet.

Deutschland und Euroland werden noch viel mehr für die Konjunktur tun müssen, soll diese Region nicht zum großen Verlierer der Krise werden. Warum hat die Kanzlerin nicht wenigstens ein Türchen für das dritte Konjunkturprogramm geöffnet?

Lesen Sie auf der nächsten Seite die Analyse von Angela Merkels Aussagen über Kurzarbeit und Export.

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Autor:  Robert von Heusinger
Datum:  25 | 3 | 2009
Seiten:  1 2
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