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Angola: Das reichste arme Land der Welt wählt

In einem mittelmäßigen Restaurant Luandas kostet ein Abendessen 100 Dollar: Hotelzimmer für wenigstens 400 Dollar die Nacht sind über Monate ausgebucht. Selbst für ein renovierungsbedürftiges Ein-Zimmer-Appartement sind in Luanda monatlich 10.000 Dollar Miete zu berappen: Die Stadt gilt als das teuerste Pflaster der Welt. "Paciência", antwortet Ferreira Domingos auf die Frage, ob ihn solche Ungerechtigkeit nicht zornig macht: "Geduld".

Das Volk sei keineswegs wütend auf die Reichen, will MPLA-Sprecher Fragata de Morais wissen: "Sie sind vielmehr der Grund für die Hoffnung, dass es auch Wege aus der Armut gibt."

Gerne verweist die Regierung auf ihre Errungenschaften der ersten sechs Friedensjahre: die Wiederherstellung der drei großen Eisenbahnlinien des Landes, den Bau von Hunderten von Kilometern Teerstraße, von Krankenhäusern und Schulen. Ermöglicht haben dies chinesische Kredite, die sich inzwischen auf elf Milliarden Dollar summiert haben.

Die Chinesen umarmen das Land

Bedingung der Kredite war, dass mindestens 70 Prozent der Aufträge an Firmen aus dem Reich der Mitte vergeben werden, weshalb sich derzeit viele tausend Chinesen in Angola aufhalten. Gern gesehen sind sie dort nicht unbedingt. Die östliche Ausrichtung und Abhängigkeit vom Öl wurde inzwischen auch der MPLA zu viel: Seit einiger Zeit bemüht sich die Regierung, auch europäische Unternehmen mit anderen Interessen als nur Erdöl an die fruchtbare Südwestküste Afrikas zu locken.

Tatsächlich bemüht sich MAN-Ferrostaal um den Aufbau von Fertigungsanlagen für Nahrungsmittel, das Handelshaus Woermann investierte in Angola schon Millionensummen, selbst das Goethe-Institut will in Luanda eine Zweigstelle errichten - wenn es nur endlich ein erschwingliches Gebäude finden könnte.

Präsident Eduardo dos Santos, seit fast 30 Jahren im Amt und als verschlossener, korrupter Autokrat verschrien, tut derzeit alles, um seinem Land einen neuen, auch aus westlicher Richtung attraktiven Anstrich zu verleihen. Dazu gehört das Versprechen, dass diese Abstimmung ein "Vorbild für den Kontinent" werde und solche Wahlen künftig alle vier Jahre stattfinden sollen.

Ferreira Domingos kann also unbesorgt sein: Selbst wenn ihm sein Kreuzchen dieses Mal an die falsche Stelle geraten sollte, wird er später noch Gelegenheit zur Korrektur bekommen.

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Autor:  JOHANNES DIETERICH
Datum:  5 | 9 | 2008
Seiten:  1 2
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