Der Vergleich mit Stewarts Fußball-Leidenschaft ist kühn. Wie haben Sie es sich damals erklärt, dass Jackson ständig die Nähe zu Kindern gesucht hat?
Michael Jackson ist doch selbst ein Kind geblieben. Und dass wir uns nicht missverstehen: Ich kann Ihnen nichts darüber sagen, ob er während der Tourneen irgendetwas mit Kindern hatte. Aus dem einfachen Grund, weil auch ich nicht hinter verschlossene Türen blicken kann.
Er ist ja auch nicht verurteilt worden.
Ja, und wenn man auch nichts darüber weiß, sollte man auch nicht irgendetwas behaupten, was man nicht beweisen kann. Ich habe ihm damals nur gesagt: "Konzentriere dich auf die Tournee."
Herr Avram, als Sie 1998 wegen Steuerhinterziehung in einem Münchener Gefängnis saßen, hat Michael Jackson Sie besucht. Empfanden Sie das als Geste der Zuneigung?
Ja, das hat mich sehr bewegt. Eine Ehre, eine Freude, wenn ein Freund in einem schwierigen Moment sagt: "Da gehe ich jetzt hin und stehe ihm zur Seite." Na ja, vor dem Gefängnis stand dann trotzdem wieder eine Menschentraube, Leute, die selbst in dieser Situation nichts anderes von ihm wollten als Autogramme. Er hat ja während der 98er Tournee jedes Konzert mir gewidmet. Überall. "Marcel das ist dein Konzert." Manchmal hat er die Musik gestoppt und gesagt: "Jetzt beten wir gemeinsam." So was vergisst man nicht.
Und wenn er Sie morgen anruft und um Unterstützung bittet: Marcel, ich will wieder auf Tournee gehen...
Selbstverständlich würde ich ihn mit offenen Armen empfangen. Eine Michael-Jackson-Tournee zu organisieren, ist eine Ehre. Aber das wird nicht passieren. Da müssten wir uns wochenlang zusammensetzen, miteinander leben, diskutieren, viel spazieren gehen.
Warum will er das nicht mehr?
Weil er darauf keine Lust mehr hat. Er hat genug von Tourneen, das hat er mir immer wieder gesagt.
Wenn man sich in 50 Jahren an Michael Jackson erinnert, worüber wird man schreiben?
Wir werden uns an beide Gesichter erinnern. Er war ein Pionier, der eine zeitlang die besten und innovativsten Musik-Clips inszenierte. Und er war Angeklagter in Kindesmissbrauchs-Prozessen und bei anderen dummen Sachen. Dennoch wird man sich mal an ihn erinnern wie an Mozart oder Beethoven. Wobei manchen bei Mozart auch zunächst die Mozartkugeln einfallen. Ist das nicht furchtbar?
Interview: Martin Scholz
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.