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IW-Direktor Hüther: "Die Realität heißt Mindestlohn"

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft, Michael Hüther, bricht im FR-Interview ein Tabu deutscher konservativer Ökonomen: Er lenkt beim Mindestlohn ein.

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft,  Michael Hüther, bricht im FR-Interview ein  Tabu deutscher konservativer Ökonomen: Er lenkt beim Mindestlohn ein.
Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft, Michael Hüther, bricht im FR-Interview ein Tabu deutscher konservativer Ökonomen: Er lenkt beim Mindestlohn ein.
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Professor Hüther, seit der Finanzkrise wird die Kritik am deutschen Exportmodell immer lauter. Inzwischen mehren sich selbst unter hiesigen Ökonomen die Stimmen, die das permanente Anhäufen von Überschüssen für gefährlich halten. Was tun?

Der Gesprächspartner

Michael Hüther ist seit 2004 Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Der 47-Jährige war zuvor Chefvolkswirt der Dekabank und Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Michael Hüther ist seit 2004 Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Michael Hüther ist seit 2004 Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Foto: FR

Ich teile die Kritik etwa von Thomas Mayer, dem neuen Chefvolkswirt der Deutschen Bank, überhaupt nicht. Die Exporterfolge der deutschen Industrie sind die Basis unseres Wohlstands.

So? Die Menschen im Land haben von den Erfolgen nicht viel gehabt. Im Gegenteil.

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Das ist mir zu simpel. Sie dürfen die Geschichte der vergangenen 20 Jahre nicht einfach ausblenden.

Gut, gehen wir sie durch.

Lassen sie uns ganz hinten anfangen, in den vergangenen 18 Monaten. Schauen Sie auf den Arbeitsmarkt! Kein anderes großes Industrieland hat die Krise bislang so gut überstanden und das, obwohl der Einbruch der Wirtschaftsleistung mit fünf Prozent horrend war. Warum? Weil die Unternehmen sich die Kosten der Kurzarbeit aufhalsen, insgesamt drei Milliarden Euro allein für 2009. Die Firmen gehen davon aus, dass die Muster der Globalisierung, die vor der Krise galten, andauern werden. Nur dann macht es Sinn.

Die Muster der Globalisierung?

Sie müssen auf die Güterstruktur schauen. Deutschland exportiert doch keine Konsumgüter! Im hohen Maße sind es Industriegüter. Und bei einem Blick auf die Entwicklung der Exporte in den vergangenen Jahren lässt sich der Überschuss leicht erklären: Die Dynamik kommt von den Investitionsgütern, die in die Schwellen- und Entwicklungsländer gehen. Deutschland ist im Grunde Ausrüster der Aufholprozesse außerhalb des ersten Welt.

Aha. Und Lohnzurückhaltung spielt keine Rolle?

Doch, und zwar seit 1997. Deutschland musste sich seine exzellente Wettbewerbsposition hart erkämpfen. Denn der Euro hat Deutschland einen relativen Vorteil geraubt: Die konkurrenzlos niedrigen Realzinsen. Der Euro hat fast allen Ländern niedrigere Realzinsen gebracht, Deutschland dagegen höhere. Deshalb musste die Volkswirtschaft diesen Nachteil durch Lohnzurückhaltung ausgleichen.

Ist es nicht mal irgendwann gut mit der Wettbewerbsposition?

Solche Anpassungsprozesse wirken nach. Wenn man heute die Befragungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK liest, welche Gründe die Firmen für Produktionsverlagerungen angeben, sieht man den Erfolg der Lohnzurückhaltung. Gaben noch 2003 insgesamt 42 Prozent aller Firmen das Kostenmotiv als Hauptgrund an, waren es zuletzt noch 25 Prozent. Die hiesigen Unternehmen haben sich einfach durch Restrukturierung und Spezialisierung optimal für den Wettbewerb aufgestellt. Davon profitiert der Export. Und das ist auch der große Unterschied zum Exportüberschuss Chinas.

Inwiefern?

Na, der deutsche Exporterfolg basiert auf der Logik der Globalisierung. Der chinesische dagegen auf einer künstlich niedrig gehaltenen Währung.

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Datum:  12 | 3 | 2010
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