Der Bundesverband der Deutschen Industrie feiert den Koalitionsvertrag - und er weiß, warum. Union und FDP arbeiten seinen Wunschzettel restlos ab. Eine Analyse der Steuerpolitik - und sechs Beispiele.
Hier kommt die Weihnachtsmann für die deutsche Industrie.
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Berlin. "Die steuerpolitischen Vorhaben für die neue Legislaturperiode werden den Erwartungen der Industrie im Großen und Ganzen gerecht." So feiert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) den Koalitionsvertrag - und er weiß, warum.
Schwarz-Gelb legt zugunsten der Wirtschaft nicht nur bei der Unternehmenssteuer nach, sondern auch bei der Erbschaftsteuer, und darüber hinaus vor allem und in noch nicht absehbarem Ausmaß bei den Sozialabgaben.
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Bei aller Freude hatte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel einen Wunsch offen. Enttäuscht sei er, "dass die Regierungsparteien nicht den Mut hatten, auf breiter Ebene in die steuerliche Forschungsförderung einzusteigen".
Lange mussten die Lobbyverbände nicht klagen, bis Trost von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) kam. "Denkbar ist, dass kleine und mittlere Unternehmen für ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben eine Steuergutschrift von 15 Prozent erhalten, alle anderen zehn Prozent", so Schavan. Dafür müsse der Bund "hier mindestens zwei Milliarden Euro jährlich investieren".
Die größten Arbeitgeber in Deutschland
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Die größten Arbeitgeber in Deutschland
Platz 30: RWE. Der Energieriese aus Essen beschäftigt 65.900 Frauen und Männer.
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Platz 29: Schaeffler Gruppe. 66.000 Mitarbeiter leiden. Denn der Autozulieferer ist seit der Übernahme von Continental in finanziellen Nöten.
Platz 28: Randstad Deutschland. Die Zeitarbeit boomt, der Branchenprimus wächst. 66.000 Menschen beschäftigt Randstad 2008. Zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.
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Platz 27: TUI. Der Reisekonzern bringt nicht nur viele Menschen in den Urlaub. Er gibt auch vielen Arbeit: 70.300 Frauen und Männer sind es 2008.
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Platz 26: Deutsche Bank. Chef Josef Ackermann ist nicht gerade beliebt. Doch wer sich mit ihm anlegt, sollte wissen: Hinter ihm stehen 80.500 Angestellte.
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Platz 25: Arcandor. 86.200 Menschen arbeiteten im vergangenen Jahr für den Handels- und Reisekonzern Arcandor. Heute ist er insolvent, die Zukunft der Beschäftigten ungewiss.
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Platz 24: Adolf Merckle-Gruppe. Pillendrehen macht offenbar viel Arbeit. 92.500 Angestellte hat die Merckle-Gruppe, zu der (noch) Ratiopharm gehört.
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Platz 23: Eon. Der größte deutsche Energie-Konzern ist auch ein großer Arbeitgeber: 93.500 Menschen bieten Gas, Strom und Wärme.
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Platz 22: BASF-Gruppe. 96.900 Beschäftigte hat der Chemie-Riese aus Ludwigshafen. Aber nicht alle müssen in grünen Schutzanzügen zu Arbeit kommen.
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Platz 21: BMW Group. Der Autobauer gehört - relativ betrachtet - zu den größten Jobkillern des vergangenen Jahres. 100.000 Menschen arbeiten 2008 bei BMW, sieben Prozent weniger als im Jahr zuvor.
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Platz 20: Bertelsmann. Die Medienbranche kriselt. Doch beim größten deutschen Medienunternehmen Bertelsmann arbeiten 2008 mehr Leute als im Vorjahr: 106.100.
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Platz 19: Deutsche Lufthansa. 107.800 Frauen und Männer arbeiten bei der Lufthansa. Ein Drittel davon über den Wolken.
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Platz 18: Bayer AG. Ein Chemie-Konzern, so groß, dass er sich eine Fußball-Mannschaft leisten kann. 108.600 Mitarbeiter hat das Unternehmen. Wie viele davon Bayer-Leverkusen-Fans sind, ist unbekannt.
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Platz 17: Tengelmann. Der Lebensmittelkonzern ist der größte Verlierer. 2008 arbeiteten dort nur noch 116.500 Leute. Ein Minus von 23,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
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Platz 16: Fresenius SE. Das Bad Homburger Medizintechnik-Unternehmen hat im vergangenen Jahr kräftig eingestellt und erreichte einen Mitarbeiterstand von 122.200.
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Platz 15: Continental. Der Reifenbauer setzt viele Menschen vor die Tür: minus 8,2 Prozent. Übrig bleiben dort 139.200.
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Platz 14: Allianz Group. Der einzige Versicherungskonzern unter Deutschlands größten Arbeitgebern. 182.900 Menschen verdienen dort ihr Geld.
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Platz 13: Thyssen-Krupp. Von wegen Dienstleistungsgesellschaft: Unter den größten Arbeitgebern sind viele Industrieunternehmen. Wie Thyssen-Krupp mit 199.400 Mitarbeitern.
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Platz 12: Aldi-Gruppe. 200.000 Angestellte versorgen uns mit billigen Lebensmitteln. Nur die leeren Pappkartons räumen sie zu selten weg.
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Platz 11: Deutsche Telekom. Auch von 2007 auf 2008 streicht der ehemalige Staatskonzern wieder Stellen. Übrig bleiben 227.700.
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Platz 10: Deutsche Bahn. Wer sich über die Bahn beschweren will, hat viele Ansprechpartner: 261.500 Menschen verdienen dort ihr Geld.
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Platz 9: Edeka Gruppe. Gegessen wird immer, lautet eine alte Regel im Handel. Edeka beschäftigt 262.200 Leute.
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Platz 8: Daimler. 273.200 Menschen bauen bei Daimler Autos und LKW. Seit der Trennung von Chrysler wieder mit Gewinn.
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Platz 7: Schwarz-Gruppe. Immer wieder gerät Lidl wegen Dumping-Löhnen oder Mitarbeiter-Bespitzelung in die Schlagzeilen. Dennoch zählt der Konzern 7,7 Prozent mehr Angestellte - insgesamt sind es 280.000.
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Platz 6: Robert Bosch. Ein Sonderfall unter den Großunternehmen: Es ist keine Aktiengesellschaft, sondern mehrheitlich im Besitz der gemeinnützigen Robert-Bosch-Stiftung. Beschäftigte: 281.700.
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Platz 5: Metro. Der Düsseldorfer Konzern ist mit 290.900 Mitarbeitern eines der großen Handelsunternehmen Europas.
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Platz 4: Rewe Group. Der Lebensmittelhändler schafft viele Stellen und kommt jetzt auf 319.300 Mitarbeiter. Das sind 9.6 Prozent mehr.
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Platz 3: Volkswagen. VW baut seine Belegschaft im Jahr 2008 um zwölf Prozent auf 369.900 aus. Die Porsche-Übernahme bringt dem Konzern ein weiteres Plus in der Statistik.
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Platz 2: Siemens. Deutschlands industrieller Primus bleibt Siemens. Die Münchner beschäftigen 427.000 Menschen - 7,3 Prozent mehr als 2007.
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Platz 1: Deutsche Post AG. Die Post ist Deutschlands größter Arbeitgeber. 512.500 Menschen sind Postler. Fast so viele, wie in Hannover wohnen.
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Rewe, Siemens, Post: Viele Konzerne könnten mit ihren Beschäftigten eine Großstadt gründen. Sehen Sie, bei welchen 30 deutschen Unternehmen die meisten Menschen arbeiten. (Stand: 2008; Vergleich bezogen auf das Vorjahr, mit Beschäftigten im Ausland.)
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Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
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Diese kommen zu den 3,5 Milliarden Euro hinzu, auf die der Staat nach ersten Schätzungen aus dem Bundesfinanzministerium bei den Unternehmensteuern verzichtet. Schwarz-Gelb will bei der Zinsschranke die Freigrenze von einer auf drei Millionen Euro erhöhen.
Die Zinsschranke begrenzt den steuerlichen Abzug von Zinskosten mit dem Ziel, international tätigen Konzernen die Möglichkeit zu nehmen, sich in Deutschland vorm Fiskus künstlich arm zu rechnen. Weitere Erleichterungen sind beim Kauf von sanierungsfähigen Firmen vorgesehen, wo eigentlich der Käufer die Verluste des übernommen Betriebes nicht geltend machen durfte.
Diese Erleichterungen hatte als vorübergehende Hilfe in der Krise schon die große Koalition beschlossen. Nun führt sie die neue Regierung dauerhaft ein. Über die einzelnen Regelungen lässt sich streiten. Beispielsweise war es in der Tat fragwürdig, Zinsen und damit Kosten zu besteuern.
Aber in der Summe entsteht eine Schieflage, durch die der Unternehmensteuerreform von 2008 die Geschäftsgrundlage entzogen wird. Damals war die Verabredung: Die Wirtschaft bekommt eine kräftige Tarifsenkung, bei Kapitalgesellschaften von 39 Prozent auf unter 30 Prozent des Gewinns.
Im Gegenzug wird die Bemessungsgrundlage der Steuer erweitert, damit dem Staat nicht zu hohe Ausfälle entstehen. Nun bleibt die Tarifsenkung, und die Gegenfinanzierung wird gestutzt.
In verfassungsrechtliche Probleme bringt sich die Koalition mit ihrer Absicht, bei der Erbschaftsteuer die Bedingungen für eine Steuerfreiheit bei Betriebsübergaben zu erleichtern. Auch hier gilt: Der Kompromiss von Schwarz-Rot war nicht der Stein der Weisen.
Zehn Jahre muss ein Junior die Lohnsumme halten, um von der Erbschaftsteuer befreit zu werden. Aber statt einen Neustart zu wagen, wurstelt die neue Koalition herum wie die alte und riskiert die nächste Niederlage für den Gesetzgeber in Karlsruhe.
Mehrfach hat das Verfassungsgericht klar gestellt, dass jede Ausnahme von der Erbschaftsteuer gut begründet und an strenge Auflagen geknüpft sein muss.
Den größten Erfolg haben die Wirtschaftsverbände bei Gesundheit und Pflege erzielt. Der Krankenkassenbeitrag wird eingefroren - aber nur für Arbeitgeber. Die Mehrkosten gehen, sofern sie nicht aus dem Steuertopf bezahlt werden, allein zulasten der Arbeitnehmer.
Mittelfristig plant die Koalition einkommensunabhängige Prämien, auch Kopfpauschalen genannt. Die müssen nicht ungerecht sein, wenn, ja wenn der soziale Ausgleich über das Steuersystem gelingt. Dafür aber muss eine Regierung die Umverteilung über die Einkommensteuer ausbauen, nicht mindern.
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