Frankfurt a.M. In der Debatte über die künftige Subventionierung der europäischen Landwirtschaft hat der Europaabgeordnete der Grünen, Martin Häusling, eine Abkehr vom bisherigen Finanzierungssystem und eine Ökologisierung der Agrarhilfen verlangt.
Häusling sagte der Frankfurter Rundschau, wer nur Mais anbaue oder seine Schweine mit Gen-Soja füttere, der habe aus seiner Sicht "keinen Anspruch mehr darauf, von der Gesellschaft Steuergeld zu bekommen". Stattdessen sollte ein Umweltstandard definiert werden, der sich an den Maßstäben des ökologischen Landbaus orientiert. Nur wer diesen Standard einhalte, solle künftig die volle Prämie erhalten.
Martin Häusling ist Landwirtschaftsexperte der Grünen und seit Sommer 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments. Der 48-Jährige bewirtschaftet als gelernter Landwirt zusammen mit seiner Familie im nordhessischen Bad Zwesten einen Biohof mit 60 Milchkühen. Eine Biogasanlage und der Hofladen gehören genauso zum Betrieb wie die Käserei, die seine Frau Marianne betreibt. (-ke)
Der Politiker ruft Umwelt- und Verbraucherorganisationen auf, sich in eine Debatte über die Kriterien für die Höhe der Agrarhilfen für Landwirte aktiv einzumischen. Die Frage, für welche Leistungen der Landwirt Geld erhält, müsse Teil einer breiten Debatte in der Gesellschaft sein.
Herr Häusling, in der EU beginnt die Debatte über die künftigen Agrarsubventionen. Glaubt man Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, sollen die Landwirte so viel Geld erhalten wie bisher. Ist das realistisch?
Das ist unrealistisch. Die EU hat keine Erbhöfe zu verteilen. Wenn man etwas abbekommen will von dem Kuchen, sind gute Begründungen notwendig. Zu sagen, ich bin ein Bauer, also habe ich einen Anspruch auf Geld aus Brüssel, reicht nicht mehr aus.
Die EU will mehr Geld in Forschung, Bildung und Umwelt stecken, der Kuchen aber wird nicht größer. Setzt ein Hauen und Stechen um die Milliarden ein?
Das Hauen und Stechen hat längst begonnen. Die schlechtesten Argumente hat dabei jener, der sagt, es muss so bleiben wie bisher. Die EU muss mehr Geld in die Bildung stecken, sich dem Klimaschutz stellen. Das wird Konsequenzen für die Agrarfinanzierung haben.
Wie kann man denn heute noch Agrarhilfen begründen?
Wir wollen die Agrarpolitik neu definieren. Also: Was sind die gesellschaftlichen Leistungen, die die Landwirtschaft erbringt? Wie soll Landwirtschaft künftig aussehen und wofür ist die Gesellschaft künftig bereit zu zahlen? Will die Gesellschaft Prämien für Gentechnikanbau für BASF oder Gen-Mais in Spanien zahlen? Oder will sie eine Landwirtschaft, die tiergerecht arbeitet, Böden und Wasser schützt und die Bauern in benachteiligten Regionen fördert? Das muss beantwortet werden.
Heute bekommt ein Bauer rund 350 Euro je Hektar, ohne dass daran besondere Leistungen geknüpft sind. Wer besser ist, bekommt einen kleinen Bonus. Reicht das in Zukunft?
Dieses Modell ist so nicht haltbar. Wir müssen einen Umweltstandard definieren, der sich an den Maßstäben des ökologischen Landbaus orientiert. Wer diesen Standard einhält, der bekommt die volle Prämie. Wer nur Mais anbaut oder seine Schweine mit Gen-Soja füttert, der hat aus meiner Sicht künftig keinen Anspruch mehr darauf, von der Gesellschaft Geld zu bekommen.
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