Warum bleibt dieser Elfjährige abends zu lange auf?" So titelte 1970 der Rolling Stone, vor dem Foto eines dunkelhäutigen Knaben mit leuchtenden Augen und Afro-Frisur. Eine Frage, die damals scherzhaft gemeint war. Schließlich war dieser Elfjährige gerade dabei, ein Weltstar zu werden. Der kleine Michael konnte singen wie eine Mischung aus Sam Cooke, James Brown und Stevie Wonder und das Publikum konnte nicht genug bekommen von "A B C, easy as 1,2,3".
Doch eigentlich hatte der Rolling Stone genau die richtige Frage gestellt: Was machte der kleine Michael da? Die späten Auftritte waren wohl noch weniger das Problem als die Erziehungsmethoden des sadistischen Vaters, der mit dem Gürtel vertrimmte, wer bei den Sing- und Tanzproben etwas falsch machte. Spielen, Freunde treffen, das gab es nicht für Michael, und auf der Bühne sang er ahnungslos von Liebe und Verführung.
Was folgte, war ein lebenslanger Versuch, die verlorene Kindheit nachzuholen, als ewiger Peter Pan im Vergnügungspark in seiner Ranch "Neverland". Und aus der erzwungenen Grenzüberschreitung zwischen Kind und Erwachsenem wurde ein radikales ästhetisches Programm und ein psychischer Defekt.
Als Künstler hat Jackson als Erster die Grenzen zwischen schwarzer und weißer Musik eingerissen und mit Jahrhundert-Platten wie "Thriller" die gesamten 80er Jahre dominiert. Gleichzeitig hat er sich selbst zum Mischwesen umgebaut: zwischen Mann und Frau, zwischen jung und alt, zwischen schwarz und weiß.
In "Moonwalker", einem Film von von 1988, wird die Verwandlung als utopische Flucht inszeniert: Jackson muss die Kinder einer düsteren Ghetto-Welt vor einem bösen Drogendealer retten und transformiert sich dazu in einer spektakulären Trickszene in einen Roboter. Nachdem der mutierte Michael den Bösen erledigt hat, fährt er als Raumschiff zum Himmel.
Im Privatleben ging es bekanntermaßen in die andere Richtung. Von den drei Weltstars, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiern - außer Jackson noch Madonna und Prince - war Michael Jackson der größte, und nicht von ungefähr nannte man ihn zu "Thriller"-Zeiten den King of Pop. Aber das wissen wir von Shakespeare: Könige stürzen am tiefsten.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.