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Ratingagenturen: Die Söldner der EZB

Das Schicksal des Euro liegt jetzt auch in den Händen von Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Ein Automatismus führt oft zu Panikreaktionen der Märkte. Anna Sleegers erklärt, warum die Ratingagenturen so mächtig sind.

Konzentriert: EZB-Chef  Jean-Claude Trichet.
Konzentriert: EZB-Chef Jean-Claude Trichet.
Foto: rtr

Irgendwann am späten Dienstagnachmittag entschieden die Analysten von Standard & Poor´s, griechische Staatsschulden als Schrott zu bewerten. Eine Entscheidung mit schwerwiegenden Folgen. Und zwar nicht nur an den Finanzmärkten, wo ein beispielloser Ausverkauf einsetzte, sondern auch in der Politik. Die Regierungen Eurolands und die Europäische Zentralbank (EZB) müssen jetzt schnell handeln, sonst ist die europäische Gemeinschaftswährung Geschichte.Wer hätte das gedacht?

Nicht einmal zwei Jahre ist es her, dass die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers die mangelnde Urteilsfähigkeit der Ratingagenturen eindrucksvoll unter Beweis stellte. Noch kurz vor dem endgültigen Aus für die US-amerikanische Großbank hatten Analysten der weltweit tätigen Agenturen diese noch als höchst kreditwürdig beurteilt. Und trotzdem liegt das Schicksal der europäischen Gemeinschaftswährung jetzt auch in den Händen von Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch.

Zwar wurde die Rolle der Ratingagenturen in der Finanzmarktkrise kritisiert. Hier und da wurde diskutiert, eine staatliche Ratingagentur zu schaffen oder die Macht der privaten Agenturen wenigstens durch strengere Regeln zu begrenzen. Geschehen ist nichts. Nach wie vor müssen Versicherungen und viele Fonds Anleihen verkaufen, die als Schrott bewertet werden. Die Panikreaktion der Märkte ist also zum Teil auch einem Automatismus geschuldet, der auf den Meinungen der Ratinganalysten basiert.

Wie ist es möglich, dass private Finanzdienstleister eine solche Machtfülle erhalten? Es ist das Resultat einer politischen Entscheidung von vor fünf Jahren. Damals beschloss die Europäische Zentralbank, nur noch Staatsanleihen als Sicherheiten zu akzeptieren, die mindestens von einer der großen drei Agenturen mit der Bonitätsnote A- bewertet werden.

Diese Entscheidung passte in die Zeit. Ministerien brüsteten sich in jenen Jahren gerne mit Gesetzesvorhaben, die für viel Geld von Unternehmensberatungen erarbeitet wurden, statt von den Mitarbeitern des eigenen Hauses. Weltmächte setzten bei heiklen Militäreinsätzen lieber auf private Söldnertruppen als auf die eigenen Truppen. Und die EZB hoffte, dass die Analysten der mächtigen Ratingagenturen Regierungen besser zu mehr Haushaltsdisziplin zwingen könnten als ihre demokratisch legitimierten Kollegen der Eurogruppe.

In die Zeit nach der Finanzkrise passt es nicht mehr, dass die EZB diese Kernaufgabe ausgliedert. Allmählich setzt sich diese Sicht wohl auch bei den Zentralbankern durch. Jedenfalls weichten sie die Bonitätskriterien nicht nur während der Bankenkrise auf, sondern verlängerten diese Bestimmung kürzlich sogar noch, um Griechenland Luft zu verschaffen.

Noch gelten griechische Anleihen als Sicherheit, trotz des von Standard & Poor´s verpassten Makels. Das könnte sich jedoch schnell ändern, wenn die Analysten der anderen großen Ratingagenturen nachziehen. Dann muss die EZB ihre Regularien ändern - oder die griechischen Banken sind pleite, weil ihnen der Zugang zum Zentralbankgeld verschlossen bleibt.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  29 | 4 | 2010
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