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Wirtschaftsprofessor Hankel: "Euro blockiert Kampf gegen die Krise"

In den USA ist der Rettungsschirm für die Banken ungefähr so groß wie in Deutschland. Nur ist die Wirtschaftskraft der USA dreieinhalb mal größer, die Belastung für Staat und Bürger entsprechend geringer. Den Großteil der dortigen Sanierungskosten übernimmt die US-Notenbank.

Wäre nicht der Ankauf von Staatsanleihen der wackeligen Länder durch die EZB eine Möglichkeit, die Zinsen zu drücken?

Das wäre das Ende des Euro als einer immer noch leidlich stabilen Währung.

Wieso? Die Amerikaner machen das doch genauso. Die Fed kauft auch Staatstitel, um die langen Zinsen niedrig zu halten.

Die Amerikaner haben seit Jahrzehnten das verdammte Glück, dass Dreiviertel ihrer Währung im Ausland umläuft. Sie ist für Millionen Menschen in der Welt immer noch besser als das eigene Geld. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Deshalb kann Präsident Obama darauf bauen, dass dieser Kredit, den Amerika vom Ausland erhält, nicht gekündigt wird.

Euroland hat diese Chance nicht?

Nein, das zeigt ja die Entwicklung des Wechselkurses. Als weltweite Reservewährung scheidet der Euro aus, weil es keine Euro-Staatsanleihen gibt. Es gibt keinen europäischen Staat.

Die Italiener fordern eine europäische Gemeinschaftsanleihe. Wäre das nicht ein erster Schritt?

Nein. Rechnen Sie doch nach wie groß die Summe dieser Anleihe sein müsste angesichts der Defizite von einem halben Dutzend Euroländer! Dazu kommen die Hilfsgesuche von elf weiteren Euro-Anwärtern in Osteuropa! Glauben Sie im Ernst, dass von Existenzängsten geschüttelte Bürger eine solche Anleihe zeichnen? Ein überzeugendes Kreditstanding besitzt allein Deutschland mit seinen hohen Überschüssen. Doch selbst diese gehen zurück. Die Anleihe wäre zu groß und viel zu teuer.

Aus Sicht der Deutschen.

Für alle Länder, die noch leidlich solide sind: Deutschland, die Niederlande und Österreich

Aber zahlt Deutschland nicht so oder so? Würden überall wieder nationale Währungen eingeführt, würde die neue D-Mark brutal aufwerten und die Wettbewerbsfähigkeit wäre dahin.

So argumentiert der Exportlobbyist. Für Deutschland wäre diese Aufwertung, wie schon Karl Schiller sagte, eine Sozialdividende für das deutsche Volk. Alles würde billiger: Energie, Benzin, Bananen bis hin zum Urlaub im Ausland. Die damit einhergehende Abwertung der anderen würde unseren Partnerländern die Chance geben, ihre Krise durch eigene Kraftanstrengungen zu meistern: etwa mit niedrigeren Zinsen, staatlichen Programmen. Deutschland hülfe Spanien durch eine Aufwertung seiner Währung mehr als durch eine noch so große Anleihe!

Das eine ist, den Euro zerfallen zu lassen. Aber warum nicht den großen Wurf wagen: Ein europäisches Parlament, eine europäische Regierung und so auch einen Finanzminister, der Steuern erheben darf und echte Euro-Staatstitel begeben kann?

Ökonomisch scheint das vernünftig. Politisch wäre es das Ende der Demokratie in den europäischen Staaten. Statt Verfassung und Parlamenten regierte eine mit diktatorischen Vollmachten ausgestattete Wirtschaftsregierung in Brüssel. Ein Albtraum!

Was also tun?

Die Politik muss die Konflikte in den Ländern des gemeinsamen Marktes und der Eurozone so gering wie möglich halten. Deshalb schlage ich die Rückabwicklung des Euro vor. Die EZB könnte als eine Art Internationaler Währungsfonds in Europa wirken, der Euro bliebe, wie früher der ECU, die unabwertbare Recheneinheit für die wieder nationalen Währungen. Diese wiederum hätten in Bandbreiten "atmende", also anpassbare Wechselkurse untereinander. Wir hätten ein Europäisches Zentralbanksystem (EZBS), wie es die Verträge vorsehen mit einem Sprecher nach außen, der EZB.

Interview: Robert von Heusinger

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Datum:  11 | 2 | 2009
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