Bilder und alle Kolumnen rund um das RTL-Dschungelcamp im FR-Spezial.
Haben Sie es auch gesehen? Wie Helmut Berger – im weißen Büßergewand und mit den roten Camp-Socken – im Papa-Mobil Platz nimmt und uns, seiner Gemeinde, mit dem Taschentuch salbungsvoll nachwinkt? Was sagte er noch gleich zum Abschied: „Das ist Schicksal“. Nein, das ist nicht Schicksal, Himmelherrgott! Das ist auch keine redaktionelle Fügung. Das ist die Klimakatastrophe!
Mehr als 40 Grad Celsius waren es gestern im Dschungel, und in den nächsten Tagen soll das Thermometer weiter bis auf 58 Grad ansteigen. Die australische Regierung rät Alten und Kindern, das Haus nicht zu verlassen. Erinnern Sie sich noch? Im letzten Jahr wären die Camper im Dauerregen beinahe abgesoffen, oder war das schon das Jahr davor? Die Eindrücke verschwimmen in der siebten Staffel vor meinem inneren Auge. Es ist ja die besondere Melange aus den immergleichen Selbstinszenierungen der wechselnden Nonames und den wenigen Persönlichkeiten ( = Stars?) und ihren Magic Moments, die das Dschungelcamp für uns Zuschauer so unterhaltsam macht. Aber mit der Zeit kommt es doch zu unvermeidlichen Wie-Vergleichen.
Wer bekommt die meiste Aufmerksamkeit? Schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen am Frankfurter Flughafen buhlen die Kandidaten der 7.Staffel des Dschungelcamps um die Aufmerksamkeit der Fotografen. Der Kampf um die Dschungelkrone hat begonnen.
Foto: dpaGeorgina, die heute ihre Kanalprüfung nicht bestanden hat und auch noch in Panik vor dem Wasser aus der falschen Tür floh (weswegen sie auch noch die beiden schon erspielten Sterne abgeben musste) verhält sich genauso hysterisch wie Sarah Dingens Knappik, deren Dschungelprüfungen im vorletzten Jahr ja bekanntermaßen die schwersten aller Zeiten waren. Und die Damendarstellerin Olivia Jones, die aus Praktikabilitätsgründen (zu heiß!) inzwischen ihren Transwonder abgelegt hat, legt ihre Rolle als Lager-Mutti vom ersten Tag so an wie Ingrid van Bergen, Lisa Fitz, Katy Karrenbauer oder Desiree Nick (Wehe dem, der Böses dahinter vermutet: Alle vier Frauen kamen mit ihrer mamaesken Fürsorge in die Finalshows ihrer Staffeln).
Helmut Berger hätte sich wohl aus Sendersicht so entwickeln sollen wie Harry Wijnvoord, der sich einst schweigend, dösend und schnarchend bis auf den siebten Platz schob und dann freiwillig ausschied. Oder wie Günther Kaufmann, der es ähnlich machte, oder Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals, der – erinnern Sie sich noch? - des Nächstens dehydriert durch das Lager irrte und sich ob seiner Desorientiertheit aus dem Off von Dirk Bach und Sonja Zietlow Scherze über seine Alkoholsucht gefallen lassen musste.
Aber nichts davon! Die Dschungelkarriere des Helmut Berger, Projektionsfläche für noch mehr Phantasien als bei Rainer Langhans und Brigtte Nielsen zusammen, ist schon wieder Geschichte. Alle Hoffnungen und Befürchtungen bleiben unerfüllt. Trotzdem – oder gerade deswegen! – wird er noch eine Weile als Heiliger durch die Show geistern. Zumal sein Stellvertreter nicht annähernd Bergers „Weltstar“-Format vorweisen kann: Baumgarts Aura ist bestenfalls schankraumtauglich. Als die Hälfte des Duo „Klaus & Klaus“ von Zietlow und Hartwich ins Camp gebracht wurde, gröhlten Klausens Hanseatischen Mitbewohner Silva und Olivia relfexartig „An der Nordseeküste“. Auch das hatten wir ja alles schon: Polonaise mit Gottlieb Wendehals ... „Anita“ mit Costa Cordalis ...
Sonja Zietlow und Daniel Hartwich moderieren die siebte Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!". Im Folgenden werden die elf diesjährigen Kandidaten vorgestellt.
Foto: dpaEs bleibt also vorerst alles wie immer. Alles? Okay, Sie haben Recht: Daniel Hartwich ist nicht Dirk Bach. Aber er spricht nun dessen Drehbuch-Sätze, geht seine Bühnen-Gänge, macht seinen Job. Ich habe mich, ehrlich gesagt, schon an ihn gewöhnt. Es ist wie mit Helmut Berger und Klaus & Klaus: Sie sind nicht vergleichbar. Aber die Show braucht im Camp gar keine Weltstars im Büßergewand, um zu sich selbst zu finden. Und sie ist ist auf der Kommandobrücke längst über den Punkt hinweg, dass nur ein Narr in schillerndem Tropenanzug die gehässigen Gedanken aussprechen darf. Die „Dschungelshow“ (Einschaltquote der Premiere: 7,77 Millionen Zuschauer) ist doch schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und wer wartet da? Natürlich Daniel Hartwich! Wundert Sie das?
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