kalaydo.de Anzeigen

Filmstart Dreamworks' "Megamind": Ein Blaumann mit Wasserkopf

Eigentlich folgt Tom McGraths "Megamind" der üblichen Dramaturgie des Superhelden-Trickfilms, bis der böse Megamind aus Versehen den Helden Metro Man die Lichter ausbläst. Die 3D-Technik sieht brillant aus und die Geschichte geht durchaus zu Herzen.

Metro Man, seine Nemesis Megamind und die junge hübsche Frau, die beide haben wollen.  Foto: Paramount

Ein halbes Jahrhundert hält Daffy Duck nun schon unangefochten den Titel des größten Superhelden-Tölpels. Als „Duck Dodgers in the 24½th Century“ legt er sich im Streit um die letzten Reserven des Rasierschaum-Atoms mit dem Marsianer Marvin an und bringt noch jede Wunderwaffe dazu, nach hinten loszugehen. Chuck Jones hatte seine Cartoon-Parodie auf die Flash-Gordon-Comicserie gemünzt und dabei offenbar eine derart einschüchternde Legende geschaffen, dass sich lange niemand in des Erpels Nähe traute.

Erst in den letzten Jahren wagen sich die Herausforderer aus der Deckung: Brad Bird machte mit seinen „Unglaublichen“ den Anfang, kürzlich kam Gru aus „Ich – Einfach unverbesserlich“ dem Ideal des vom Pech verfolgten Möchtegern-Superschurken schon sehr nahe, und nun stellen sich in „Megamind“ gleich drei Übermenschen um die Wette unheroisch an.

Standesgemäß zwischen Himmel und Erde

Tom McGraths Superhelden-Trickfilm beginnt standesgemäß zwischen Himmel und Erde: Ein kleines blaues Männchen stürzt in die Tiefe, sinniert darüber, wie es so weit kommen konnte, und fängt mit seiner Lebensgeschichte ganz am Anfang an. Als Baby wird der wasserköpfige Megamind von seinem sterbenden Planeten geschossen und saust Seite an Seite mit einem anderen Kleinkind durchs All. Beide landen in ihren Raumfähren auf der Erde, treffen es allerdings unterschiedlich gut. Während der junge Megamind in eine Strafanstalt für hochbegabte Kriminelle kracht, wird der spätere Metro Man von einem reichen Ehepaar adoptiert. In der Schule messen die außerirdischen Findelkinder zum ersten Mal ihre Kräfte, und weil Megamind konkurrenzlos unterlegen scheint, beschließt er aus Rache, ein Bösewicht zu werden.

Bis hierhin halten sich die „Megamind“ Autoren weitgehend an das Superman-Vorbild. Metro Man ist der strahlende Held im Stretchanzug und Megamind sein Lex Luther. Ihr Spielfeld ist Metrocity, der Einsatz eine grazile Reporterin und die Spielregeln sind in Stein gehauen: Der Bösewicht macht einen Plan, der garantiert nicht funktioniert, landet im Gefängnis und bricht wieder aus. Die Dramaturgie ist so vorhersehbar, dass nur der enthusiastische Megamind es nicht zum Gähnen findet. Entsprechend groß ist sein Entsetzen, als er seinem Erzfeind versehentlich das Lebenslicht ausbläst. Eine Weile randaliert er nach Herzenslust und behängt die Stadt mit „No, You Can’t“-Plakaten. Doch dann kann er die bittere Erkenntnis nicht mehr verdrängen: Ohne Superhelden macht das Leben eines Superschurken keinen Spaß.

Der Ersatzheld - ein Fiasko

Man ahnt sofort, dass im ständig plappernden Blaumann eigentlich ein herzensguter Bursche steckt, und zur Bekräftigung haben ihm die Autoren einen Daffy- Duck-Gedächtnis-Sprachfehler verpasst. Immer wenn er Metro City intoniert, hört man „m-atrocity“, die Grässlichkeit, dabei heraus, was sogleich auf eine verletzte Seele schließen lässt. Fürs erste tröstet sich Megamind, indem er der hübschen Reporterin in menschlicher Verkleidung den Hof macht und darüber nachgrübelt, wie er wieder er selbst sein kann. Schließlich setzt er einen Ersatzhelden für Metro Man in die Welt, der sich dann allerdings als ziemlich dämlich und vor allem als überaus bösartig entpuppt.

Nach zwei „Madagascar“-Filmen ist dieses aufgekratzte Spektakel für Tom McGrath ein deutlicher Schritt nach vorn: Die 3D-Technik sieht brillant aus und die Geschichte geht durchaus zu Herzen – letztlich entkommt aber auch „Megamind“ dem Dreamworks-Dilemma nicht. Irgendwie wirken die Trickfilme dieses Studios immer wie am Reißbrett entworfen, und ihr Humor bleibt ein wenig angestrengt. So clever können Anspielungen auf den kulturellen Kosmos gar nicht sein, dass man ständig mit der Nase darauf gestoßen werden will. Chuck Jones wusste noch, wie man einen Gag ganz nebenbei platziert und en passant mit den Erwartungen des Publikums spielt. Auch deswegen zieht Duck Dodgers bis heute einsam seine Kreise.

Megamind, Regie: Tom McGrath, USA 2010, 96 Minuten.

Autor:  Michael Kohler
Datum:  1 | 12 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Video

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

FR-Spezial

Alle Hintergrundberichte, Filmkritiken, Interviews und Schlagzeilen rund um die 62. Berlinale im FR-Spezial.

Academy Awards - "And the winner is..."
Zwischen 300 und 500 Euro ist eine Oscar-Statue wert, je nach Goldpreis. Der ideelle Wert ist für Schauspieler und Filmemacher unbezahlbar.

Alle Gewinner der 84. Academy Awards of Merit, die desaströsesten Outfits auf dem roten Teppich und mehr im Oscar-Spezial.

TV-Kritik
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Indianer-Squaw in Türkis: Für Joan Franka und die Niederlande hat es nicht gereicht.
ESC 2012 Halbfinale 
Höhepunkt des 1. ESC-Halbfinales: der Auftritt der Buranowski Babuschki.
Eurovision Song Contest in Baku 
Jogger an der Außenalster in Hamburg.
TV-Kritik "Der adidas Check"