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Afghanistan: Taliban greifen Isaf in Kabul an

Ein islamistisches Kommando hat das hochgesicherte Botschaftsviertel in Kabul angegriffen. Diplomaten und Militärs versuchen, die Attacke inmitten der Hauptstadt klein zu reden: Der Angriff zeige, dass die Nato-Strategie erfolgreich sei.

Afghanische Polizisten zielen auf ein  Gebäude in der Nähe der US-Botschaft, in dem sich Taliban versteckt haben.
Afghanische Polizisten zielen auf ein Gebäude in der Nähe der US-Botschaft, in dem sich Taliban versteckt haben.
Foto: rtr
Kabul –  

Zum dritten Mal seit Ende Juni haben Afghanistans radikalislamische Talibanmilizen am Dienstag den Krieg in die Hauptstadt Kabul getragen. Selbstmordattentäter sprengten sich vor der Habibia-Schule und einer Polizeistation in die Luft. Insgesamt wurde ein gutes halbes Dutzend an Explosionen in der Stadt gezählt. Außerdem beschoss ein Kommando die US-Botschaft und das Hauptquartier der internationalen Schutztruppe Isaf mit Raketen. Zumindest ein Polizist wurde getötet. Es gab mehrere Verletzte, darunter auch ein Mitarbeiter des iranischen Senders Press TV.

Einige Talibankämpfer begannen eine stundenlange Schießerei, als sie sich in einem mehrstöckigen Gebäude nahe des Abdul-Haq-Platzes verschanzten, ein Kreisverkehr, von dem Straßen zum Markt von Kabul und die Straße nach Jalalabad abzweigen. Der Platz liegt nur ein paar hundert Meter vom Hauptgebäude der europäischen Polizeimission Eupol entfernt.

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Das islamistische Kommando konzentrierte sich aber auf die spektakuläreren Ziele US-Botschaft und Isaf-Hauptquartier in rund einem Kilometer Entfernung. In der Nähe liegen auch mehrere Regierungsgebäude und andere ausländische Botschaften. „Wir haben einen Duck-and-cover-Befehl herausgegeben“, teilte ein Sprecher der Vertretung Washingtons mit, die Leute sollten Deckung nehmen. Auch bei der Isaf verschwanden die meisten Generäle und Offiziere in Bunkern. Ein Sprecher der Taliban unterrichtete die Presse, die Attacke habe in erster Linie Isaf und US-Botschaft gegolten in Afghanistan, den „Symbolen der mächtigsten Institutionen des Landes“.

Wie bei den Angriffen auf das British Council und Hotel Interkontinental in den vergangenen Wochen behaupteten Kabul und Nato am Dienstagnachmittag, die Angreifer seien schließlich von afghanischen Sicherheitskräften überwältigt worden. In Wirklichkeit aber trug damals eine neuseeländische Spezialeinheit das Schwergewicht des Einsatzes.

Die Nato versucht mit dem Hervorheben der afghanischen Beteiligung Zweifel an der Überzeugung zu zerstreuen, Kabuls Streitkräfte und Polizei seien nicht in der Lage, in dem Land für Sicherheit zu sorgen. Offiziell ist Kabul längst für die Wahrung von Recht und Gesetz selbst zuständig. Aber auch am Dienstag mussten zwei Nato-Hubschrauber das Gebäude beschießen, in dem sich die Taliban verschanzt hatten.

Militärs: "Anschlag beweist Erfolg der Nato-Strategie"

Diplomaten und Militärs versuchten im Laufe des Tages, die Attacke inmitten der Hauptstadt klein zu reden. Der Angriff beweise, dass die Nato-Strategie am Hindukusch funktionieren würde, hieß es aus ihren Kreisen. Denn die Taliban hätten die militärische Fähigkeit verloren, gegen die Isaf-Truppen zu bestehen und würden sich deshalb auf spektakuläre Einzelaktionen verlegen.

„Das Ziel ist, das Unsicherheitsgefühl bei der Bevölkerung zu verstärken“, sagt ein Diplomat in Kabul. Den leergefegten Straßen in Kabul während der Schießerei nach zu urteilen ist das den Taliban an diesem Dienstag vollauf gelungen.

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Autor:  Willi Germund
Datum:  13 | 9 | 2011
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