Die Taliban haben in Afghanistan eine massive Anschlagswelle gestartet - und scheinen ihre Taktik zu wechseln: Immer öfter nehmen sie auch Führungsfiguren ins Visier. Die Nato hat sich derweil für die versehentlich getöteten Zivilisten entschuldigt.
Ein US-Helikopter hat am Wochenende in der Provinz Helmand unschuldige Zivilisten getötet.
Foto: AFP
Ein US-Helikopter hat am Wochenende in der Provinz Helmand unschuldige Zivilisten getötet.
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Die Männer fuhren 50 Kilometer durch die Nacht zur Provinzhauptstadt Lashkar Gah, um die Leichen ihrer Kinder dem Gouverneur zu zeigen. Und um so der Welt zu beweisen, was sich in ihrem entlegenen Bezirk Nawzad abgespielt hat. „Seht her“, schrien sie, als sie die Kinderleichen durch die Stadt trugen, „sie sind keine Taliban“, berichten Augenzeugen. Wieder hat die Isaf in Afghanistan versehentlich Unschuldige getötet.
In der südlichen Provinz Helmand bombardierten US-Helikopter am Wochenende zwei Wohnhäuser, in die sich, so dachte man, nach einem Überfall auf US-Soldaten Taliban-Kämpfer zurückgezogen hatten. Mindestens fünf Mädchen, sieben Jungen und zwei Frauen starben – die Jüngsten waren zwei Jahre alt. Nun entschuldigte sich die Isaf zwar offiziell dafür. Doch ihr blieb auch kaum mehr anderes übrig, nachdem die Fotos der toten Kinder durch die Presse gingen. Bei dem vorhergehenden Gefecht war ein US-Soldat getötet worden.
Der Krieg am Hindukusch wird immer blutiger. Und es könnte noch schlimmer kommen. Sowohl die USA als auch die Taliban wollen aus einer Position der Stärke in mögliche Friedensgespräche ziehen. Der frühere Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hatte den Schutz der Zivilisten über die Jagd auf Terroristen gestellt.
Einsatz in Afghanistan
Bildergalerie ( 26 Bilder )
Ein deutscher Marder-Schützenpanzer der schnellen Eingreiftruppe pflügt im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif während einer Übung durch den Sand.
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Deutsche Soldaten während einer Schießübung in Kunduz. Seit 2009 mehren sich die Feuergefechte zwischen der Bundeswehr und afghanischen Terroristen.
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Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) bergen in Mazar-i-Sharif in Afghanistan während einer Gefechtsübung einen "Verwundeten".
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Einsatz bei Tag und Nacht. Soldaten der QRF proben in den Marmal Bergen nahe Mazar-e-Sharif in Afghanistan in totaler Dunkelheit den Ernstfall.
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Ein deutscher CH-53 Hubschrauber der ISAF landet in Feyzabad, nördlich von Kabul.
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Gefährlicher Einsatz. Bundeswehrsoldaten sichern in Kundus die Hauptstrasse nach Kabul. Immer wieder kommt es dabei zu Angriffen von Taliban-Kämpfern.
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Ein Soldat der Bundeswehr steht in Kundus an einer Strassensprerre. In der Nacht zuvor waren erneut zwei Raketen auf das Feldlager abgeschossen worden.
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Alltag für die Soldaten. Einsatz für die Bundeswehr an einer Straßensperre in Kundus.
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Patrouillenfahrt. Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) fahren in Masar-i-Sharif in Fahrzeugen vom Typ "Fuchs" und "Dingo".
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Ruhephase. Ein Bundeswehrsoldat der QRF lehnt in den Marmal Bergen nahe Masar-I-Sharif in Afghanistan während einer Übungspause an einem Bundeswehr-Fahrzeug des Tys "Dingo".
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Deutsche Soldaten observieren die Gegend während einer Mission in der Region von Kunduz.
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Deutscher Bundeswehrsoldat trifft afghanisches Kind - aufgenommen in einem Dorf in der Region von Kunduz.
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Feldjäger der Bundeswehr patrouillieren in Mazar-i-Sharif. Der Kontakt zu den Einheimischen gilt als ebenso notwendig wie gefährlich, da es gerade während der Patrouillen immer wieder zu Anschlägen kommt..
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Ohne Übersetzer ist die Kommunikation mit den Bewohnern eines Dorfes in der Region von Kunduz für die deutschen Soldaten nur schwer möglich.
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Soldaten der Bundeswehr laufen über einen Markt in der Stadt Kundus im afghanischen Kundus Patrouille.
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Bundeswehrsoldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan rauchen nach dem Einsatz an einer Straßensperre der Bundeswehr in Kundus in Afghanistan im Feldlager. An ihrem Checkpoint hatten die Soldaten Schüsse auf einen herannahenden Wagen abgeben müssen, um diesen zum Anhalten zu zwingen. Verletzt wurde niemand.
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Ärzte der Bundeswehr versorgen einen verletzten Afghanen im deutschen Camp in Kunduz.
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Der Mann war von einer Kugel getroffen worden.
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Auch die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte gehört zu den Aufgaben der Bundeswehr. Hier werden bei Masar-i-Scharif im Camp Mike Spann Soldaten der Afghanischen Nationalarmee ANA trainiert.
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Auch Waffenkunde gehört zu den Ausbildungseinheiten der Bundeswehr für das afghanische Militär.
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Ein Bundeswehrsoldat bildet im Feldlager der Bundeswehr in Feyzabad in Afghanistan afghanische Polizisten aus. Bei der Übung kommen allerdings nur Waffenattrappen zum Einsatz.
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Ein Polizist der Afghan National Police (ANP) führt in Aibak in der Provinz Samangan in Afghanistan im Rahmen der Ausbildung duch Feldjäger der Bundeswehr eine Durchsuchung durch. Feldjäger der Bundeswehr trainieren in den nördlichen Provinzen Afghanistans Polizisten der ANP.
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Wachsoldat vor dem deutschen Feldlager in Masar-i-Sharif.
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Der deutsche Oberst Georg Klein geriet in die Kritik, weil er US-Luftunterstützung im Kampf gegen zwei Tanklaster bei Kundus angefordert hatte.
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Bei dem von einem deutsche Oberst angeforderten US-Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus sterben mindestens 135 Menschen, unter ihnen viele Zivilisten, auch Kinder.
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Was macht die Bundeswehr in Afghanistan? Welche Aufgaben haben die deutschen Soldaten? Die Bilder internationaler Fotografen dokumentieren den Einsatz im Hindukusch. Hier trainieren Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) in Mazar-i-Sharif für den Ernstfall.
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Fotostrecken Politik
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Sein Nachfolger David Petraeus änderte diesen Kurs. Er setzt in erster Linie auf militärische Härte, um die Taliban in die Knie zu zwingen. Doch oft zahlen Unschuldige den Preis für diese Strategie. Obgleich die Taliban für den größten Teil der zivilen Todesopfer verantwortlich sind, wächst der Zorn der Afghanen auf die ausländischen Truppen.
Wie gefährlich diese Wut inzwischen ist, musste Mitte Mai auch die Bundeswehr erfahren. Im Norden, in Talokan, kam es zu gewaltsamen Protesten vor dem deutschen Camp, nachdem vier Menschen bei einem nächtlichen Einsatz getötet worden waren. Bei den Tumulten wurden 17 Menschen erschossen.
Der Tod des Polizeichefs Daud ist ein harter Schlag für die Abzugspläne der Nato
Inzwischen haben die Taliban eine massive Anschlagswelle gestartet. Am Montag wurden in Herat bei einem Doppelanschlag nahe eines italienischen Nato-Stützpunktes erneut mindestens fünf Menschen getötet. Dabei scheinen die Taliban ihre Taktik zu wechseln und immer öfter gezielt Führungsfiguren ins Visier zu nehmen. Am Samstag war ihnen einer ihrer spektakulärsten Schläge gelungen: In Talokan töteten sie den Polizeichef von Nordafghanistan, General Mohammed Daud Daud. Der deutsche General Markus Kneip wurde bei der Attacke verletzt. Dahinter steht Strategie: Bis Ende 2014 will die Nato schrittweise ihre Truppen abziehen und die Verantwortung an die Afghanen übergeben. Als besonderes geeignete Bezirke gelten Regionen im relativ friedlichen, von der Bundeswehr kommandierten Norden. Die Taliban dürften versuchen, dies mit Attacken zu untergraben. So galt Daud als wichtige Figur im Übergabeprozess. Sein Tod wird die Rückzugspläne der Nato erschweren.
Die Bundeswehr muss sich auf gefährliche Monate einstellen. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) macht sich nichts vor. „Mir macht das sehr große Sorgen“, sagte er am Montag in Neu-Delhi. Weitere „schreckliche Rückschläge“ könne man nicht ausschließen, aber ein „geordneter“ Abzug sei notwendig, um den Einsatz am Hindukusch nach zehn Jahren zu beenden. „Es sollen keine weiteren zehn Jahre werden.“
Derweil scheint es, dass sich die USA und Pakistan zumindest in Ansätzen auf eine Strategie verständigt haben. Wie die Zeitung The News berichtete, will Pakistans Militär nun doch eine Offensive in der Grenzregion Nord-Waziristan starten, wie es die USA seit langem von Islamabad fordern.
In Nord-Waziristan soll das Haqqani-Netzwerk sitzen, dessen Milizen immer wieder in Afghanistan zuschlagen und dort die ausländischen Truppen angreifen. Nehmen die Pakistaner das Haqqani-Netzwerk von ihrer Seite in die Zange, dürfte dies auch den Amerikanern in Afghanistan Luft verschaffen.