Bei einem Selbstmordanschlag in einem Regierungsgebäude im nordafghanischen Talokan sind am Samstag zwei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Wie Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Samstag in Berlin sagte, wurden zudem drei deutsche Soldaten verletzt. Unter ihnen war auch der ISAF-Kommandeur Markus Kneip, der nach Angaben der Bundeswehr leicht verletzt wurde.
Der Leiter des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz, sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit de Maizière, Kneip sei leicht verletzt und in stabilem Zustand. Er müsse „nach jetzigem Stand nicht nach Deutschland ausgeflogen werden“. Angaben über die Zahl weiterer Toter und Verletzter konnte Glatz ebenso wenig machen wie zum Zustand der beiden weiteren verletzten Bundeswehrsoldaten. Kneip ist seit fünf Jahren Kommandeur des Regionalkommandos Nord der ISAF mit Sitz in Kundus.
Der Anschlag ereignete sich nach Angaben von Glatz um 14.10 Uhr MESZ (16.40 Uhr Ortszeit) im Gouverneurspalast in Talokan, der Hauptstadt der Provinz Tachar. „Nach allem, was wir jetzt wissen, müssen wir davon ausgehen, dass es ein Angriff mehrerer Selbstmordattentäter gewesen ist“, sagte Glatz. Zum Zeitpunkt des Anschlags habe sich eine hochrangige deutsch-afghanische Delegation in dem Gebäude befunden.
Bei den Gesprächen ging es um Vertrauen
Die deutschen Soldaten seien im Gouverneursgebäude gewesen, um über die Sicherheit in der Region zu sprechen, sagte de Maizière. „Gerade nach den Demonstrationen der letzten Tage sollte neues Vertrauen gestiftet werden“, sagte er mit Blick auf Proteste gegen die NATO-Truppen in Talokan Mitte Mai. „Den Weg der Partnerschaft wollen solche Attentäter zerstören.“ Das werde aber nicht gelingen. De Maizière bezeichnete die Attentäter als „kriminelle Mörder und politische Verbrecher am Friedens- und Entwicklungsprozess in Afghanistan“. Er bitte die deutsche Öffentlichkeit, „gerade jetzt“ den Einsatz in Afghanistan zu unterstützen, „vor allem unsere deutschen Soldaten“.
Nach Angaben örtlicher Behördenvertreter kamen bei dem Anschlag sieben Menschen ums Leben, darunter der Polizeichef für Nordafghanistan, General Mohammed Daud Daud, und der Polizeichef der Provinz Tachar. Neun Menschen seien verletzt worden, darunter Provinzgouverneur Abdul Dschabar Takwa. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich „schockiert und traurig“. Dieser „terroristische Anschlag“ zeige „eine mörderische Menschenverachtung“, erklärte sie. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, er sei „bestürzt über diesen barbarischen Terrorakt“.
Seit 2002 starben 33 deutsche Soldaten
Mit den neuen Opfern stieg die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die seit Beginn der deutschen Beteiligung am ISAF-Einsatz im Januar 2002 bei Gefechten und Anschlägen in Afghanistan starben, auf 33. Erst am Mittwoch war bei einem Sprengstoffanschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille in Nordafghanistan ein deutscher Soldat getötet worden.
In Talokan hatte es Mitte Mai gewaltsame Demonstrationen gegen die NATO-Truppen gegeben. Dabei war auch ein Bundeswehrlager angegriffen worden. Deutsche Soldaten schossen nach Bundeswehrangaben gezielt auf gewalttätige Demonstranten, die sich durch vorher abgegebene Warnschüsse nicht vertreiben ließen. In Talokan unterhält die Bundeswehr eine Außenstelle, in der rund 40 deutsche Soldaten stationiert sind. (afp)