Berlin. Eine umfassende Sicherheitsanalyse für den Raum Kundus hat der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, von der Bundesregierung am Montag gefordert. "Ohne eine solche Bestandsaufnahme haben wir keine Möglichkeit, die Wirksamkeit des dortigen Bundeswehreinsatzes einzuschätzen", sagte Nouripour der FR. Die Wirksamkeit des Einsatzes sei aber wichtig, um den Afghanen so schnell wie möglich die Verantwortung für die Sicherheit im Land übertragen zu können. "Jetzt ist der Verteidigungsminister gefordert", sagte Nouripour.
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte am Wochenende den Taliban-Angriff auf eine Bundeswehr-Patrouille in Kundus als "perfide" bezeichnet. Drei deutsche Soldaten waren bei dem Gefecht getötet worden, weitere sechs Kameraden verletzt worden. In der Kampfnacht waren zudem sechs afghanische Soldaten durch irrtümlichen deutschen Beschuss ums Leben gekommen. Dafür entschuldigte sich die Bundesregierung offiziell beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.
Erstmals sprach Guttenberg am Sonntag davon, dass in Teilen Afghanistans "Krieg" herrsche. Diesen Begriff wolle er aber nur umgangssprachlich verstanden wissen, nicht juristisch, sagte der CSU-Politiker. Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) regte in der Bild-Zeitung an, einen Beraterkreis aus früheren Generalinspekteuren der Bundeswehr dem Verteidigungsminister zur Seite zu stellen. Es sei offenkundig, dass die Bundeswehr zusätzliche Bewaffnung für den Afghanistan-Einsatz brauche. Tausende Ostermarschierer protestierten am Wochenende gegen den Einsatz.
Afghanistans Präsident Karsai stellte eine geplante Offensive gegen die Taliban im Süden infrage. Einen solchen Angriff werde es nicht ohne die Zustimmung der dortigen Stammesältesten geben, sagte Karsai.